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Moers
Die andere katholische Kirche der Region

Moers: Die andere katholische Kirche der Region
Pfarrer Cornelius Schmidt ist Pfarrer der Altkatholiken. FOTO: Thomas Lammertz
Moers. Rund 370 Mitglieder am Niederrhein hat die altkatholische Kirche. Sie spaltete sich ab, als der Papst das Dogma der Unfehlbarkeit durchsetzte. Roms Autorität lehnt sie ebenso ab wie das Zölibat und die Benachteiligung von Frauen. Von Stefan Gilsbach

Wie viele katholische Konfessionen kennen Sie? Die meisten werden sagen: eine natürlich, die römisch-katholische. Tatsächlich gibt es 23 Kirchen, die sich "katholisch" nennen. Eine davon ist die altkatholische Kirche, die auch in der Grafschaft Gläubige hat.

Das Zentrum der Altkatholiken am Niederrhein liegt in Krefeld, in einem Gebäudekomplex an der Dreikönigenstraße, der auch ein Seniorenheim des Neukirchener Erziehungsvereins beherbergt. Pfarrer Cornelius Schmidt (63) hat sein Büro im zweiten Stock des "Dreikönigenhauses". Seine Pfarrkirche liegt einige Stockwerke höher und ist mit einem Aufzug erreichbar - die Baugeschichte des Hauses ist etwas kurios. Dennoch ist hier das größte Gemeindezentrum der Altkatholiken in Europa.

"Mein Vater war hier schon Pfarrer", erzählt Schmidt. "Und mein Sohn ist auch Pfarrer." Damit hat sich die Frage nach dem Zölibat erledigt. Die Altkatholiken kennen kein solches Gebot. Sie haben auch nichts gegen Frauen als Priesterinnen, seit einigen Jahrzehnten ist deren Ordinierung möglich.

Auch sonst geben sich die Altkatholiken liberaler als die römische Kirche. "Ich habe auch schon homosexuelle Paare getraut", sagt Schmidt. Die Silbe "alt" im Begriff "Altkatholiken" bedeutet also nicht "konservativ". Sie besagt vielmehr, dass diese katholische Kirche sich auf eine Zeit beruft, als die römische Kirche noch nicht jene straff zentralistische Institution war, für die der Vatikan heute steht.

Zur Gründung der altkatholischen Kirche kam es im Jahr 1870, als Papst Pius IX. das I. Vatikanische Konzil einberief. Zu dessen Beschlüssen sollte der Unfehlbarkeitsanspruch des Papstes gehören. Das stieß auf den Protest deutscher Theologen, dessen prominentester Ignaz von Döllinger war. Der Protest nützte nichts, die Unfehlbarkeit des Papstes wurde festgeschrieben und Döllinger exkommuniziert. Schließlich gründeten die Gegner der päpstlichen Linie die altkatholische Kirche, die sich als Fortführung einer nicht korrumpierten katholischen Tradition versteht. Zentral ist dabei der Bezug auf die apostolische Nachfolge - die Altkatholiken haben ebenso Bischöfe wie die römisch-katholische Kirche - und eine synodale Verfassung, die deutlich absticht von der zentralistischen Autorität des Vatikans. Identisch ist die Zahl der sieben Sakramente. Doch wie steht es mit der Eucharistie, dem Kern der Liturgie? Hier betonen die Altkatholiken die "Realpräsenz" Christi, was nicht die reale Gegenwart von Christi Leib und Blut bedeutet, wie sie für die römische Kirche gilt. "Es ist aber auch nicht das Gleiche wie das Erinnerungsmahl, das die Protestanten feiern", erläutert Schmidt.

Obwohl sie in ihrer Kirche vieles verwirklicht haben, was die Basis der römisch-katholischen Kirche seit Jahrzehnten fordert, ist die Zahl der Altkatholiken klein geblieben. In Deutschland sind es etwa 16 000. Pfarrer Cornelius Schmidt ist für 370 Gemeindemitglieder zuständig, die sich über ein großes Gebiet verteilen. "Die Kreise Wesel, Kleve, Viersen, außerdem Mönchengladbach, Krefeld und Duisburg", zählt der Geistliche auf. Das bedeutet bei der Seelsorge manchmal lange Autofahrten. "Andererseits, wenn ich sehe, für wie viele Gemeindemitglieder ein katholischer Pfarrer heute zuständig sein muss, dann ist das fast ein Idealzustand."

Das einst zerrüttete Verhältnis zur römischen Kirche hat sich entspannt und könnte als freundlich-distanziert beschrieben werden. Unter Papst Franziskus haben die Beziehungen wieder einen positiven Schub bekommen. Enge Beziehungen pflegen die Altkatholiken zur anglikanischen Kirche, die trotz der Trennung von Rom im 16. Jahrhundert viele katholische Elemente behalten hat. Tatsächlich sind Altkatholiken und Anglikaner in "voller Kirchengemeinschaft", wie es heißt. "In unserer Gemeinde sind rund zehn Prozent afrikanischer Herkunft, als Anglikaner finden sie hier bei uns ihre geistliche Heimat."

Kontakt: Katholische Pfarrgemeinde der Altkatholiken am Niederrhein, Dreikönigenstraße 54, 47799 Krefeld, Telefon 02151 601500, www.alt-katholisch.de

Quelle: RP
 
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