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Neuss
Europatag: Brexit hat Folgen für Region

Neuss: Europatag: Brexit hat Folgen für Region
Beim Europatag (v.l.): Felizitas Schuh-Terhardt, Ulrich Gross, Dirk Brügge, Ludwig Hecke, Dieter Bullmann, Christiane Gerhards, Jürgen Steinmetz, Gabi van Bebber und Martin Kessler. FOTO: Lothar Berns
Neuss. Zum Europatag veranstaltete das Berufskolleg Weingartstraße gestern eine Podiumsdiskussion mit Experten aus Politik und Wirtschaft. Im Fokus standen die Auswirkungen des britischen EU-Austritts und von Trumps Politik auf die Region. Von Merlin Bartel

Trump und Brexit - große Themen, die nicht nur die Mächtigen dieser Welt bewegen, sondern auch auf lokaler Ebene wichtig sind: Schüler des Berufskollegs Weingartstraße diskutierten darüber gestern am Europatag mit Gästen aus Politik und Wirtschaft.

"Wir finden es selbstverständlich, in der EU zu wohnen und überall mit dem Euro zu bezahlen", eröffnete Schulleiter Dieter Bullmann die Veranstaltung. "Dabei wird die EU heute immer mehr infrage gestellt." Dirk Brügge, Kreisdirektor des Rhein-Kreises Neuss, bezeichnete die Europäische Union als "Erfolgsprojekt" und "Inbegriff für Frieden und Wohlstand". Man könne nicht früh genug damit beginnen, junge Menschen an die Thematik heranzuführen. "Sie sind die Europäer von morgen", sagte er zu den rund 200 anwesenden Schülern.

In zwei Vorträgen präsentierten die Schüler Sadda Pasha und Sebastian Franz die wichtigsten Fakten zum Brexit, dem Austritt Großbritanniens aus der EU, sowie den politischen Positionen von US-Präsident Donald Trump, der etwa das Handelsabkommen TTIP ablehnt. Zu den Referaten gab es noch ein Online-Quiz für die Schüler, um das Gelernte zu vertiefen - einer der seltenen Momente, in denen Handys ausdrücklich erwünscht sind.

Anschließend fragte Moderator Martin Kessler, Leiter der Politikredaktion unserer Zeitung, die Runde nach ihrer Einschätzung zum Brexit. "Nach Abwägung aller Konsequenzen überwiegen die Nachteile eines Austritts", erklärte Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. Auch Ulrich Gross hat als Geschäftsführer der Neuss-Düsseldorfer Häfen GmbH & Co. KG viel internationalen Kontakt. "Schlechte Karten hat durch den Austritt nicht die Europäische Union, sondern Großbritannien." Düsseldorf schaffe zum Beispiel durch die Sprinter-Produktion viele Arbeitsplätze und exportiere die Fahrzeuge in die USA und nach Kanada.

Im Rhein-Kreis Neuss haben sich zahlreiche amerikanische Firmen, wie 3M, Johnson & Johnson oder UPS, angesiedelt. "Ich bin sicher, dass Trump nicht alle seine Wahlversprechen einlöst. Und selbst wenn, bleiben die Unternehmen bei uns - Europa ist ein spannender Markt", war sich Dirk Brügge sicher.

Auf die Frage, ob Englisch durch den Brexit an Bedeutung verliert, antwortete Ludwig Hecke, Staatssekretär im Landesministerium für Schule und Weiterbildung in NRW: "Ich rechne damit, dass Kooperationen von Schulen und Universitäten schwieriger werden und Abschlüsse nicht mehr so leicht anerkannt werden."

Kritische Töne schlug auch Kreisdirektor Brügge an: "Von der Kommune bis zum Bund schieben alle der EU die Schuld zu, doch alle tragen Verantwortung", sagte er. "Der Handel verbindet alle Länder, doch durch Nationalisten ist das Konstrukt in Gefahr", fügte Ulrich Gross hinzu. "Als Tourist sind Sie in den USA weiter willkommen, einen Arbeitsplatz erhalten Sie jedoch nicht ohne weiteres", antwortete er auf die Frage eines Schülers nach eingeschränkter Mobilität.

Zum Abschluss richtete Martin Kessler einen Appell an die Schüler: "Lernen Sie Englisch und weitere Fremdsprachen und bewegen Sie sich in Europa als Ihre Heimat."

Quelle: NGZ
 
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