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Chinesischer Nationalcircus zu Gast im Apollo
"Shanghai Nights" am Rhein

"Shanghai Nights im Düsseldorfer Apollo-Theater
"Shanghai Nights im Düsseldorfer Apollo-Theater FOTO: Kirschstein, Frank
Düsseldorf/Rhein-Kreis Neuss. Bis zum 25. Oktober gastieren Ausnahmeartisten im Varieté der Landeshauptstadt. Die NGZ hat sich das Programm angeschaut. Von Frank Kirschstein

Akrobaten aus Asien auf europäischen Bühnen - das ist sicher schön, aber noch keine Sensation. Ihr Ruf eilt den Künstlern seit Jahrzehnten voraus, nicht nur in Europa, sondern weltweit. Erwartungsgemäß bietet auch das Apollo-Varieté unter der Düsseldorfer Kniebrücke mit seinem neuen Programm "Shanghai Nights" Akrobatik der Spitzenklasse.

Doch damit nicht genug und genau das macht die Show der Artisten des Chinesischen Nationalcircus in der Landeshauptstadt dann doch besonders: In "Shanghai Nights" trifft das Publikum auf eine Truppe junger Artisten mit individueller Ausstrahlung, unglaublicher Spielfreunde und Anmut. Kein Vergleich mit vielleicht spektakulären, aber oft eher kühlen Inszenierungen asiatischer Zirkuskunst, die manchmal eher soldatisch präzise als emotional berührend anmutet. In Düsseldorf stellt das Ausnahmeensemble des Chinesischen Nationalcircus unter Führung des deutschen Produzenten Raoul Schoregge die Weltmetropole Shanghai als Inbegriff des Wandels Chinas zur Neuzeit in den Mittelpunkt der Show.

"Tulpen aus Amsterdam" im Düsseldorfer Apollo-Theater FOTO: Kirschstein, Frank

In den 1930er und 40er Jahren galt Shanghai als das Paris des Orients genannt, als ein Schmelztiegel verschiedenster Kulturen und Nationalitäten. Als aufstrebende öffnete sich in Shanghai schrittweise die über Jahrtausende unberührte chinesische Kultur. In den Teehäusern, Theatern, manchmal auch anrüchigen Varietés und Hafenspelunken kombinierten Artisten Tradition und Innovation und entwickelten so ganz neue Darstellungsformen.

Die Mitglieder des Chinesischen Nationalcircus bringen diese atemberaubende Akrobatik verbunden mit poetischen Momenten auf die Bühne. Raoul Schoregge, als Clown selbst Teil der Inszenierung, versteht sich nicht allein als Chef einer erstklassigen Artistentruppe, sondern auch als Mittler zwischen den Kulturen. Für ihn ist der Chinesischen Nationalcircus nicht weniger als eine Brücke zwischen den Menschen. Und die ist schon sehr alt, entstanden vor mehr als 2000 Jahren, mit Wurzeln sowohl in der Religion wie auch im Militär und der Teehaus-Kultur. Dort entwickelte sich die Akrobatik als Unterhaltungskunst. Auf engstem Raum und mit begrenzten Mitteln wurde gezeigt, wozu der menschliche Körper im Stande ist. "Einfachste Alltagsgegenstände, die im Teehaus vorhanden waren, Tassen, Teller, Stühle, Tische, Gläser, Töpfe, einfach alles was greifbar war, wurde dabei zum unterstützenden Requisit. Dieses wurde jongliert, balanciert und in die Luft gewirbelt, um dann nicht etwa wieder mit den Händen gefangen zu werden. Nein, dafür kamen dann die Füße oder der Kopf zum Einsatz", erklärt Schoregge, der früher unter anderem auch für legendäre Produktionen André Hellers ("Chinesischer Nationalcircus" und "Begnadete Körper") tätig war.

"1001 Nacht in Marrakesch" im Düsseldorfer Apollo-Theater FOTO: Kirschstein, Frank

Und so ist auch in Düsseldorf, wo kein "Nummern-Varieté" geboten, sondern eine ganze Geschichte erzählt wird, bei der Persönlichkeit und Ausstrahlung der Akteure ebenso zählen wie ihr artistisches Können. Da wird mit schweren Vasen jongliert, ein Spitzentanz auf dem Kopf eines Kollegen dargeboten und ein 120 Kilogramm schwerer Turm aus Holzbänken auf der Stirn balanciert. Spielkarten fliegen wie von Zauberhand durch die Luft, Teller rotieren auf dünnen Stäben. Am faszinierenden aber sind die Akrobaten des Nationalcircus immer dann, wenn sie auf Requisiten fast komplett verzichten und reine Körperkunst präsentieren, getreu dem alten Motto der mehr als 1000 Zirkusschulen und - Ensembles im Reich der Mitte: Ein chinesischer Artist macht keinen Handstand. Ein chinesischer Artist ist der Handstand. 

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