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Lokalsport
Lemgo zaubert, HG Kaarst-Büttgen kämpft

Kaarst. Handball-Bundesligist siegt zum Abschluss seines Trainingslagers vor 400 Zuschauern mit 57:19. Von Christos Pasvantis

Ein Handball-Bundesligist lässt sich in der Stadtparkhalle nicht alle Tage blicken. Genaugenommen würde die HG Kaarst-Büttgen nicht mal im Traum daran denken, gegen den TBV Lemgo antreten zu dürfen - würde dieser nicht zufällig vom besten Handballer trainiert, den die Stadt jemals hervorgebracht hat. Florian Kehrmann hielt mit den Ostwestfalen bis gestern ein Trainingslager in seiner Heimat ab und nutzte die Gelegenheit zu einem Testspiel gegen die HG. Vor gut 400 Zuschauern, darunter einige Lemgoer, wies er den tapfer kämpfenden Bezirksligisten mit 57:19 (27:9) in die Schranken.

"Man hat den Klassenunterschied gesehen, aber auch wenn man müde und kaputt ist, muss man solche Spiele vernünftig zu Ende bringen. Auch die HG hat sich super verkauft", meinte Kehrmann. "Ich denke, das war für die Zuschauer ein attraktives Spiel." In der Tat ließen sich die sichtbar geschafften Profis trotz eines Hammer-Programms in den Vortagen nicht lumpen, zeigten Tempohandball und Spielwitz, einen Kempa-Trick nach dem anderen und brachten die Menge in der brütend heißen Halle im Minutentakt zum Staunen.

Wie ein Sieg wurde hingegen jedes Tor, ja selbst jede Parade der selbstverständlich heillos überforderten, aber bis zum Umfallen kämpfenden HG gefeiert. "Die Stimmung war richtig gut, das hat echt Spaß gemacht. Wir wussten ja vorher, dass wir aus eigener Kraft nicht in der Lage sein würden, Tore zu machen. Trotzdem war das eine einmalige Erfahrung, jeder ist an seine Grenzen gegangen", meinte Trainer Jörg Brandenburg. Ähnlich sah das auch der völlig entkräftete Spielmacher Alexander Spoo, der von seinen im Schnitt gut 15 Zentimeter größeren und 20 Kilo schwereren Kontrahenten nur staunen konnte: "Physisch kannst du da überhaupt nichts machen, das geht einfach nicht." Am torhungrigsten waren Tim Hornke (10/2 Tore), Arne Niemeyer (9) und Tom Skroblien (7), wobei Kehrmann seinen 18-Mann-Kader munter rotieren ließ.

Zu einem ersten Aufeinandertreffen kam es schon tags zuvor, als einige Büttgener Spieler den Lemgoern am Kaarster See begegneten. "Die waren super nett", meinte Spoo. Die Abkühlung, die die Profis dort genossen, war allerdings eine Ausnahme. Allein das Programm, das Kehrmann sich für Freitag ausgedacht hatte, sprach Bände: Nach der ersten Handball-Einheit und Kraftübungen am frühen Morgen standen eine Fahrrad-Rallye, eine Klettertour im Klettergarten der Skihalle sowie eine weitere Trainingsschicht an, ehe die Partie am Abend angepfiffen wurde. Am Samstag schlug der TBV tags darauf zudem die HSG Krefeld mit 40:22. Da bekam sogar Marlies Kehrmann Mitleid: "Das ist hart wie Hund. Bei so einem Wetter würde ich das nicht machen wollen." Die Mutter des früheren Weltklasse-Rechtsaußen, die die mit acht Neuzugängen runderneuerte Truppe unter anderem mit Kuchen versorgte, hat die Schützlinge des Sohnemanns aber schon ins Herz geschlossen: "Da hat Florian eine nette Mannschaft. Ich gönne ihnen, dass sie dieses Jahr nicht so zittern müssen." Im Vorjahr war der TBV dem Abstieg nur knapp entronnen.

Weil es mit seinem jungen neuen Team in der kommenden Saison wohl ähnlich spannend werden dürfte, war Kehrmann froh, in Kaarst optimale Trainingsbedingungen vorgefunden zu haben: "Wir konnten hier die ganze Woche über super trainieren und haben hart an der Fitness gearbeitet, ob im Sportforum, im Fitnessstudio oder draußen. Das ist alles optimal gelaufen." Auch der Aspekt Heimat spielte in seiner Bewertung eine Rolle: "Wenn man sein zu Hause so gut mit der Arbeit verknüpfen kann, ist das eine tolle Sache. Von daher war es für mich persönlich perfekt."

Quelle: NGZ
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