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Solinger Künstler Rainer Opolka
Berliner Rechtsextreme drohen Bildhauer

Solinger Künstler Rainer Opolka: Berliner Rechtsextreme drohen Bildhauer
Bildhauer Rainer Opolka mit einer seiner Skulpturen vor dem Hauptbahnhof in Berlin. In der Hauptstadt wird der Künstler von der NPD attackiert. FOTO: Opolka
Solingen. Rainer Opolka, der die Firma Zweibrüder in Solingen mitgründete, zeigt große Wolfsfiguren als Warnung vor rechtem Hass in verschiedenen Städten. In Berlin wird Opolka jetzt von der NPD angefeindet. Klein beigeben will er aber nicht. Von Martin Oberpriller

Die martialisch wirkenden Figuren sorgten für Furore. In den zurückliegenden Monaten gastierte der Solinger Bildhauer Rainer Opolka mit der Wanderausstellung "Die Wölfe sind zurück" in verschiedenen ostdeutschen Städten. So waren die insgesamt 66 eisernen beziehungsweise bronzenen Wolfs-Skulpturen, mit denen Opolka vor den Gefahren des Fremdenhasses warnen will, bereits in Dresden, in Potsdam sowie in Berlin zu sehen. Doch nun hat das Kunstwerk ausgerechnet in der Bundeshauptstadt Angriffe vonseiten der rechtsextremen NPD ausgelöst.

Künstler soll 50.000 Euro an NPD zahlen

Zwei Funktionäre der Partei laufen gegen die Wanderausstellung Sturm, die in näherer Zukunft auch in Köln beziehungsweise München gezeigt werden soll. So wurde Rainer Opolka laut einem Medienbericht unter anderem dazu aufgefordert, 50.000 Euro an die Berliner NPD zu zahlen. Und zudem wurde aus den Reihen der Rechtsextremisten die Forderung laut, die Skulpturen des Künstlers mit blauen Müllsäcken zu verhüllen.

Rainer Opolka bestätigte die Anfeindungen am Donnerstag auf Anfrage unserer Redaktion. Tatsächlich hätten sich Funktionäre der Partei bei ihm gemeldet, sagte Opolka, der zusammen mit seinem Zwillingsbruder Harald ab der zweiten Hälfte der 90er Jahre in Solingen die Firma Zweibrüder Optoelectronics aufgebaut hatte. Doch einschüchtern lassen will sich der 61-Jährige davon nicht.

"Ich stamme aus einer Arbeiterfamilie. Das macht robust", betonte der Bildhauer. Und darüber hinaus dürfe man angesichts solcher Angriffe auch nicht vergessen, dass die allermeisten Menschen mit der Intention der Ausstellung übereinstimmten. Denn immerhin fielen rund 95 Prozent der Reaktionen, die ihn in Bezug auf seine Kunst erreichten, positiv aus, so Rainer Opolka.

Auf die leichte Schulter nehmen will der Künstler die restlichen fünf Prozent allerdings auch nicht. Schließlich wurde er schon früher immer mal wieder zur Zielscheibe rechtsextremistischer Anfeindungen. So gingen bereits Drohungen ein, die Rainer Opolka durchaus ernst nahm. "Wann immer dann Aussicht auf Erfolg besteht, prüfe ich meinerseits rechtliche Schritte gegen die Urheber solcher Angriffe", sagte Opolka,

Ob ein dergestaltes Vorgehen im vorliegenden Fall jedoch einen Sinn macht, erscheint eher zweifelhaft. Denn Künstler Opolka glaubt nicht, dass die Rechtsextremen aus der Berliner NPD den tieferen Sinn seines Werkes überhaupt begriffen haben.

So halte er die Forderung der Rechten, die Skulpturen mit Müllsäcken abzudecken, eigentlich für gerechtfertigt, sagte Opolka am Donnerstag. Denn die dargestellten "Wolfsmenschen" verkörperten ja gerade jenen Hass der Rechtsextremen, unterstrich der 61-Jährige. "Die NPD würde sich also nur selbst verhüllen", sagte Rainer Opolka, der vor einigen Jahren von Solingen ins brandenburgische Wendisch Rietz nahe Frankfurt/Oder zog und dort mit seinem Bruder die Zweibrüder Kunst- & Kultur GmbH mit dem Kunst- und Literaturpark Hubertushöhe gründete.

Dabei hält der Bildhauer Rechtsextremismus sowie Rechtspopulismus keineswegs für rein ostdeutsche Phänomene. "Wer hätte beispielsweise vor einigen Monaten gedacht, dass eine Partei wie die AfD in Baden-Württemberg bei Landtagswahlen auf ein Ergebnis im zweistelligen Prozentbereich kommt", gab Opolka zu bedenken, dem es dementsprechend darum geht, überall die Gefahren zu thematisieren, die von Rechten ausgehen.

So soll Berlin nicht die letzte Station der vielbeachteten Kunstaktion "Die Wölfe sind zurück" gewesen sein. In der Bundeshauptstadt endete die Ausstellung am vergangenen Dienstag, wobei allerdings zurzeit noch nicht genau feststeht, wo die Skulpturen als nächstes zu sehen sein werden.

Eines allerdings ist für Bildhauer Opolka schon jetzt klar. Kräften wie der NPD will er auch in Zukunft die Stirn bieten. Rainer Opolka: "Ich halte es mit Voltaire, der einmal gesagt hat, das Leben sei zu kurz, um vor erbärmlichen Gestalten zu kriechen".

Quelle: RP
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