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Tönisvorst
"Jugend rettet": Hilfe gegen das Ertrinken

Tönisvorst. Action Medeor rüstet das Schiff "Juventa" mit Medikamenten für die Notfallhilfe aus. Der Trawler kommt im Juli im Mittelmeer zum Einsatz. Vor der libyschen Küste sollen Flüchtlinge vor dem Ertrinken gerettet werden. Von Heribert Brinkmann

Von der etwas rauen Überfahrt von Rotterdam nach Emden war Jakob Schoen noch etwas seekrank. Jetzt saß der 19-jährige Berliner Abiturient neben Bernd Pastors, Vorstandssprecher von Action Medeor, in der Zentrale des Medikamentenhilfswerk und berichtet von seinen Plänen zur Rettung von Schiffbrüchigen aus dem Mittelmeer. Action Medeor unterstützt das Projekt "Jugend rettet" mit einer Ausstattung an Medikamenten, Verbandszeug und Rettungsequipment. Die erste Lieferung hat einen Wert von 15.000 Euro.

Jakob Schoen machte 2015 sein Abitur. Nach dem Bootsunglück vom 19. April 2015, bei dem 110 Kilometer vor der libyschen Küste rund 700 Flüchtlinge ertranken, fühlte sich der junge Mann ohnmächtig. Er gründet zusammen mit sieben jungen Berlinern - Schüler, Auszubildende, Studenten - im Juni 2015 den Verein "Jugend rettet". Das Team will selber aktiv werden, nicht nur reden und nichts tun. Sie wollen so auch mit einem konkreten Projekt sich in den politischen Diskurs einmischen. Über die Spendenplattform www.betterplace.org sammelt der neue Verein in Tausenden Kleinspenden das nötige Geld, um tätig zu werden. Eine Großspende eines Berliner Ehepaares ermöglichte den Ankauf eines Schiffes.

Das Schiff zur privaten Seenotrettung fand "Jugend rettet" in Rotterdam. Der 33 Meter lange Fischtrawler "Alk Explorer", Baujahr 1962, war als Guardship vor Island für die Versorgung von Öl-Plattformen im Einsatz. In dieser Woche wurde das Schiff nach Emden überführt, wo es jetzt in einer Werft für den Einsatz im Mittelmeer umgerüstet wird. Die Planung, Finanzierung und der Umbau werden vom Verein eigenständig organisiert. Für den Einsatz im Mittelmeer wurde eine erfahrene Crew angeheuert. Kapitän, Maschinist, Funker, Mediziner sorgen für einen professionellen Einsatz.

Das Schiff hat Rettungsinseln und Schwimmwesten an Bord. Geplant ist, gerettete Schiffbrüchige nicht an Bord zu nehmen und ans Land zu bringen, sondern die Position der Rettungsinseln weiterzugeben. Koordiniert und autorisiert werden die gesamten Rettungsmaßnahmen vom italienischen Innenministerium (MRCC) in Rom. Das Schiff fährt weiter unter niederländischer Flagge (Heimathafen Amsterdam) und wird auf Malta stationiert sein. Das Einsatzgebiet ist in den internationalen Gewässern vor Libyen und Tunesien, vor allem in Höhe von Zuwara, einer Hafenstadt im Nordwesten von Libyen.

Den Kontakt zu Action Medeor kam über Arne Dohmes zustande. Der 29-jährige Neusser mit Offiziersdiplom für die Hochseeschifffahrt ist in der ersten Crew erster Offizier und Navigator. Sein Vater ist Pfarrer Franz Dohmes, mit dem wiederum Bernd Pastors, Vorstandssprecher von Action Medeor, befreundet ist. "Jugend rettet" ist jetzt überaus glücklich, den Posten Medikamente und Notfallausrüstung abhaken zu können, ohne Apotheken und Unternehmen einzeln ansprechen zu müssen. Die erste Ausrüstung aus Schmerzmitteln, Verbandszeug, Notfallmedizin wurde bereits nach Emden auf den Weg gebracht. Für ihre anspruchsvolle Aufgabe haben sich die jungen Erwachsenen bei vielen Stellen und Organisationen Rat geholt. Es gab Gespräche mit Sea Watch, Ärzte ohne Grenzen, der Bundesmarine, der Gesellschaft zur Rettung von Schiffbrüchigen. Im Moment fordert "Jugend rettet" alles von Gründer Schoen ab. Im Winter will er Politikwissenschaften studieren. Ein Praxistest hat er bereits hinter sich.

Quelle: RP
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