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Himmel Und Erde
Dem Weihnachtsfest ist jedes Getöse fremd

Wesel. Strahlender Sonnenschein und Nachmittagstemperaturen von beinahe 15 Grad. Das Wetter zwei Wochen vor Heiligabend weckt eher Frühlingsgefühle als Weihnachtsstimmung. Nur mit T-Shirt bekleidet sehe ich einige Unverdrossene an den Glühweinständen. Das obligatorische Weihnachtsmarktgetränk mag bei solchen Temperaturen ohnehin nicht so recht schmecken. Weihnachten mit Schnee bei Kälte und Eis, so wünschen wir uns das. Eine romantische Vorstellung, die wir uns selber gemacht haben. Weihnachten mit knackig grünem Christbaum, sozusagen als Speerspitze einer diffusen deutschtümelnden Leitkultur? Im 18. Jahrhundert fand der geschmückte Weihnachtsbaum überhaupt erst ganz allmählich seinen Einzug in die Häuser der Menschen. Auf dem Petersplatz in Rom wurde sogar erst 1982 ein Christbaum aufgestellt. Wesentlich für das Weihnachtsfest ist der geschmückte Baum eben so wenig wie Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Das Geheimnis von Weihnachten beginnt schon Wochen vorher. Es kündigt sich leise und unscheinbar an. Der Advent will uns mit seinen verborgenen Zeichen auf die Geburt des Gotteskindes einstimmen und vorbereiten. Dem Weihnachtsfest ist darum jedes laute und populistische Getöse fremd. Hinschauen und abwarten. Mehr müssen wir gar nicht tun. Wo entdecken wir Zeichen des anbrechenden Friedensreiches Gottes inmitten unserer zerrissenen und gewalttätigen Welt? Advent - da kommt einer an. Er kommt an. Erwartet und erhofft. Und dennoch ganz anders, als wir uns das vorstellen. Advent war früher auch eine Zeit der Buße und der Besinnung. Davon ist wenig übrig geblieben. Die zunehmende Kommerzialisierung der Advents- und Weihnachtszeit versetzt uns Menschen in einen Rausch, der unser Herz vor dem Wunder verschließt, das mit der Geburt von Jesus geschehen ist. Das christliche Weihnachtsfest wird weniger durch eine mögliche Islamisierung der westlichen Welt bedroht, als vielmehr durch unser Unvermögen, uns auf den einzulassen, der gänzlich ohne Kitsch und Lametta Mensch geworden ist. Ein windschiefer Verschlag am Ende der Welt und etwas Stroh - mehr brauchte Gott nicht, um zu uns zu kommen. Mag sein, dass in diesem Jahr in manchen Flüchtlingsunterkünften mehr Weihnachten ist, als in unseren hochglanzgeschmückten Häusern. Mag sein, dass Gott aber gerade dort ankommen will, wo wir ihm mit unserem Glanz kaum noch Raum lassen, sein Licht zu entfalten.

THOMAS BRÖDENFELD

Quelle: RP
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