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Wesel
Schwertransport mit Fingerspitzengefühl

Wesel. Reibungslos und flott sind gestern gleich alle vier Figuren auf ihren Podesten an der rekonstruierten Rathausfassade angekommen. Von Fritz Schubert

Markus Könning hat ein sicheres Händchen. Der Kranführer der Firma Krösche (Holzminden) setzt auf "Ruhe, Geduld, Augenmaß und Kommunikation". Mit Tino Kral, Thomas Kemptner und Christoph Hug von der Firma Bennert klappt die Abstimmung bestens. Schon zur Mittagszeit haben sie die ersten beiden Figuren an der rekonstruierten Rathausfassade zentimetergenau installiert. Damit nicht genug: Bis 14.40 Uhr steht auch die letzte der vier Skulpturen an ihrem Platz.

Reibungslos und deutlich flotter als ursprünglich gedacht ist der erste Schritt getan. In der kommenden Woche folgen die vier Baldachine. Auch sie sind wie die Figuren etwa 1,80 Meter hoch. Allerdings sind es Steinmetzarbeiten der Bennert-Experten, während die Figuren bekanntlich bei Lehmkuhl in Mülheim aus Steinmehl gegossen worden waren. Wer mal Fotos aus der Werkstattzeit gesehen und sich über die Farbe der Skulpturen gewundert hat, der wird nun überrascht sein, wie gut sie nach dem Trocknen nun zur Fassade passen: einfach perfekt. Fürs Montieren der Baldachine wird übrigens kein Kran benötigt, denn sie bestehen aus leichter zu bewegenden Einzelteilen.

Etliche Schaulustige, darunter Akteure aus der Bürgerinitiative und der Bürgerstiftung Historisches Rathaus wie Klaus Schoch, Heide Peisert und Rolf Oppenberg, verfolgten die gelungene Aktion. Nachdem nun schon alle vier Figuren an einem Tag aufgestellt werden konnten, scheint der Zeitplan erst recht nicht in Gefahr zu kommen. Wie berichtet, waren der 19./20. November als Frist angepeilt worden, weil dann auf dem Großen Markt der Aufbau für den Adventsmarkt beginnt.

Ohne Gerüst werden dann an der Rathausfassade folgende vier Persönlichkeiten wieder zu sehen sein (von links): Herzog Adolf I. von Kleve-Mark (1373-1448). Zum Dank für tatkräftige Weseler Hilfe in der entscheidenden Phase der Schlacht auf dem Kleverham befreite er die Stadt von bergischen Zöllen, was die Wirtschaft entscheidend beflügelte. Kaiser Karl der Große (um 747-814). Der "Vater Europas" soll den Rhein mehrmals bei Lippeham überschritten haben, jenem legendären Ort, der zwischen Flüren und Bislich vermutet wird. Zudem soll hier Karls Elefant Abul Abbas, Geschenk des Kalifen von Bagdad, Harun ar-Raschid, verschieden sein. Der heilige Willibrord (658-739). Der angelsächsische Missionar und Bischof von Utrecht brachte das Christentum an den Niederrhein. Er starb in Echternach, zu dessen Kloster einst der nach ihm benannte Willibrordi-Dom gehörte. Bereits im 8. Jahrhundert stand in Wesel eine Holzkirche. Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg (1572-1619). Er gewährte seinen Untertanen sozusagen Religionsfreiheit, weil er auf sein Recht verzichtete, Glaubenszwang auszuüben. Wesel kam in seiner Regierungszeit unter brandenburgisch-preußische Fittiche.

Quelle: RP
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