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Xanten
Xanten nach Brandanschlag geschockt

Brandanschlag auf geplantes Flüchtlingsheim in Xanten
Brandanschlag auf geplantes Flüchtlingsheim in Xanten FOTO: Fischer, Armin
Xanten. Ein zweites Feuer in der Unterkunft am Küvenkamp hatte keinen fremdenfeindlichen Hintergrund. Von Dirk Möwius

Dem Schrecken der Nacht zu Sonntag, als es in der ehemaligen Förderschule, die zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut wird, gebrannt hat, folgte am frühen Montagmorgen der nächste. Bewohner der Asylbewerberunterkunft am Küvenkamp alarmierten die Feuerwehr. Auch dort brannte es. Polizei und Feuerwehr räumten das Gebäude. Die etwa 50 Bewohner wurden zwischenzeitlich in einem beheizten Bus untergebracht. Das Feuer in der Waschküche war schnell gelöscht. Gegen 3.10 Uhr konnten die Bewohner wieder in ihre Räumlichkeiten zurückkehren.

Was schon am frühen Morgen vermutet wurde, bestätigte sich gestern. Im Rahmen der Ermittlungen der Kriminalpolizei ergaben sich Hinweise darauf, dass zwei Bewohner der Unterkunft im Alter von 19 und 30 Jahren das Feuer vorsätzlich gelegt hatten. Die Polizei nahm die beiden Tatverdächtigen gestern vorläufig fest. Die weiteren Ermittlungen dauern zurzeit an.

Am Gebäude der früheren Förderschule an der Johannes-Jannsen-Straße gingen gestern die Arbeiten weiter. Gestern wurden auch die juristischen Hürden genommen. Kommende Woche könnten dort bis zu 114 Asylbewerber einziehen. FOTO: Armin Fischer

Das gilt auch für die Ermittlungen in Sachen Brand an der Johannes-Jannsen-Straße. Da die Polizei in diesem Fall von einem fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat ausgeht, ist die Abteilung Staatsschutz der Polizei in Duisburg zuständig. Über neue Erkenntnisse wurde gestern nichts bekannt.

In der Nacht zu Sonntag waren der oder die Täter in die Schule eingebrochen und hatten einen Molotow-Cocktail entzündet. Zum Glück ist der Schaden nur marginal, wie gestern DBX-Chef Kurt Reintjes bestätigte.

Bürgermeister Thomas Görtz hatte gestern die Spitze der Stadtverwaltung und den Chef der Feuerwehr zu einem Pressegespräch ins Rathaus gebeten. Vor vielen Journalisten betonte er, dass man ein gemeinsames Signal setzen wolle und am Kurs der Stadt Xanten festhalte, bei diesem sensiblen und emotionalen Thema in die Offensive zu gehen. Eine Arbeitsgruppe der Verwaltung prüfe, ob nun weitere Sicherungsmaßnahmen für die Flüchtlingsunterkünfte nötig sind.

Görtz sagte: "Eingezäunte und mit Sichtschutz versehene Einrichtungen, das wollen wir in Xanten eigentlich nicht." Nachdem aber nun Realität geworden ist, was man sich vor zwei Tagen noch nicht hätte vorstellen können, müsse neu überlegt werden.

Im Gebäude der Förderschule gingen gestern die Bauarbeiten weiter. Eine Verzögerung der Inbetriebnahme werde es nicht geben. Auch juristische Hürden gibt es nicht mehr: Gestern wurde vor dem Verwaltungsgericht das von Anwohnern angestrebte Verfahren gegen den Umbau der Schule zugunsten der Stadt Xanten entschieden. Görtz geht davon aus, dass die Unterkunft in der kommenden Woche bezogen werden kann. Man brauche die 114 zusätzlichen Plätze dringend.

Vor dem Rathaus standen gestern 13 Flüchtlinge, die Xanten neu zugeteilt worden sind. Derzeit sind 257 Asylbewerber in städtischen Unterkünften und angemieteten Wohnungen, erläuterte Noah Deckers vom Fachbereich Soziales.

Wie Bürgermeister Görtz, der die ausgeprägte Willkommenskultur in Xanten betonte, zeigte sich auch Pfarrer Joachim Wolff im Namen des Arbeitskreises Asyl sehr betroffen. Die engagierte Gruppe mit 35 engeren Mitstreitern sei stolz darauf, dass die Versorgung der Flüchtlinge in Xanten bisher so reibungslos funktioniert hatte. Trotzdem habe man eine Eskalation befürchtet, da eine ungute Stimmung in der Luft liege, seitdem immer häufiger über die Begrenzung der Flüchtlingszahlen diskutiert werde. Vielleicht gebe es Menschen, die das durch Taten wie an der Förderschule bewusst herbeiführen wollen.

Görtz und Wolff berichteten aber auch, dass es nach dem Brandanschlag viele positive Zuschriften und Anrufe gebe. Menschen in Xanten fragen, wie sie helfen können, um ein deutliches Zeichen für die Willkommenskultur und gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen.

Quelle: RP
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