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Humanitäre Katastrophe in Syrien
Gekochte Blätter gegen den Hungertod in Madaja

Viele Bilder aus Madaja lassen sich nicht verifizieren.

Damaskus/Madaja. In der belagerten syrischen Stadt Madaja hat sich die Lage der Zivilisten dramatisch zugespitzt. Seit Monaten bleibt humanitäre Hilfe aus - viele der eingeschlossenen Einwohner stehen vor dem Hungertod.

Die letzte Hilfslieferung habe die von Regierungstruppen belagerte Stadt im Westen des Bürgerkriegslandes im Oktober erreicht, sagte eine Sprecherin des Welternährungsprogramms (WFP) der Deutschen Presse-Agentur. Lokale Medien und Aktivisten berichten über schlimme Zustände in der Stadt.

Die Webseite des TV-Kanals Al-Dschasira berichtete, alleine im Dezember seien in dem Ort, der etwa 25 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Damaskus liegt, 31 Menschen verhungert. Zunächst nicht zu verifizierende Fotos aus der Stadt zeigten völlig abgemagerte und leblose Körper.

Ein Arzt in Madaja berichtete der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch, die Bewohner dort würden Gras essen, um ihren Hunger notdürftig zu stillen. Zudem hätten sie vor einigen Tagen begonnen, Katzen und Hunde zu schlachten. Die Angaben des Arztes konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Fotos in den sozialen Netzwerken zeigen offenbar Syrer, die Blätter von Bäumen kochen und dann essen.

Video-Botschaft: Rettet wenigstens die Kinder

Die Hungernden haben unterdessen Papst Franziskus und den Weltsicherheitsrat eindringlich um Hilfe angerufen. In einer über Facebook und Youtube verbreiteten Videobotschaft appellieren die Bewohner der rund 25 Kilometer nordwestlich von Damaskus gelegenen Stadt, wenigstens die Kinder vor dem Hungertod zu retten. In dem Video wird unter anderem ein Transparent von Demonstranten gezeigt, dessen englische Aufschrift übersetzt lautet: "Wir nehmen hin, dass Assad die Erwachsenen tötet, aber bitte rettet die Kinder in Madaja vor dem Hungertod".

Lastwagen mit Hilfsgütern zur Ernährung der Stadtbewohner ständen bereit, sagte WFP-Sprecherin Bettina Lüscher. Voraussetzung sei, dass die Konfliktparteien den Helfern Zugang gewähren.

Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wird Madaja seit mehr als 170 Tagen von Regimetruppen und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah belagert. 40 000 Menschen - darunter etwa die Hälfte Zivilisten - lebten zurzeit in der Stadt, die wegen sich dort aufhaltender Rebellen heftig bombardiert werde.

Die Menschenrechtsbeobachter sitzen in Großbritannien, beziehen ihre Informationen jedoch aus einem dichten Netz an Informanten in Syrien. Sie gelten als gut informiert und zuverlässig.

(felt/hebu/dpa/KNA)
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