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US Navy Seals
Ex-Soldaten werfen US-Spezialeinheit "Tötungsorgien" vor

Navy Seals: Ex-Soldaten werfen US-Spezialeinheit „Tötungsorgien“ vor
FOTO: dapd, dapd
Washington. Sie operieren im Dunkeln, streng geheim und gelten als die "unsichtbaren Krieger" der USA. Nun aber werden schwere Vorwürfe gegen das Team 6 der Navy Seals laut. Ehemalige Soldaten befürchten, die Einheit sei außer Kontrolle geraten. Von "exzessivem Töten" ist die Rede.

2. Mai 2011, Abbottabad, Pakistan. Es sind Einheiten vom Team 6 der Navy Seals, die den berühmten Angriff auf das Versteck von Al-Qaida-Chef Osama bin Laden mit tödlicher Präzision durchführen. Solche Missionen sind Kernaufgabe dieser Elite-Soldaten. Seit den Anschlägen vom 11. September sind sie gezielt ausgebildet worden für Aufträge nach dem Prinzip "capture or kill" – Gefangennehmen oder Töten.

Nach einem Bericht der "New York Times" sind diese verdeckt ausgeführten Einsätze in aller Welt jedoch außer Kontrolle geraten. Die Einheit habe sich zu einer "globalen Menschenjagd-Maschine" entwickelt, heißt es in deiner detaillierten Analyse, die sich auf zahlreiche Gespräche mit Militär- Experten und Dutzenden früherer und gegenwärtiger Navy Seals stützt.

Habe es sich früher um eine kleine Einheit mit wenigen Einsätzen gehandelt, seien für sie gezielte Tötungen mittlerweile zur "Routine" geworden, hieß es in dem Bericht. Nun gebe es zunehmend Besorgnis über exzessives Töten und zivile Opfer der Einsätze.

Die Elite der US-Armee - Navy Seals FOTO: dapd

Ein Wendepunkt ereignete sich laut "NYT" 2006, als der damalige Kommandeur der US-Truppen in Afghanistan, Stanley McCrystal, das Team 6 vermehrt in den dortigen Kampf gegen die radikalislamischen Taliban einband. Zwischen 2006 und 2008 habe es Nächte gegeben, in denen die Elitesoldaten zehn bis 15, manchmal sogar bis zu 25 Menschen getötet hätten, schrieb die "NYT".

Die "Typen sind wild geworden (...) diese Tötungsorgien sind Routine geworden", zitierte die Zeitung ein Ex-Mitglied, ohne dessen Namen zu nennen. Zugleich seien die Zielpersonen immer weniger bedeutend geworden. "2010 haben die Jungs Straßendiebe verfolgt.... Die am besten ausgebildeten Soldaten der Welt verfolgten Straßendiebe", sagte das Ex-Mitglied.

Zeitweise soll die Einheit brutalste Methoden verwandt haben. Den Getöteten habe man Finger oder Teile der Kopfhaut ("Skalps") abgeschnitten, um anschließend mit DNA-Tests ihre Identität zu ermitteln.

Hier hielt sich Osama bin Laden versteckt FOTO: AFP

Ein früherer hochrangiger Militärvertreter sagte laut "NYT": "Ob ich denke, dass es mehr Tötungen gab als es gegeben haben sollte? Sicher." Die Einstellung der Eliteeinheit habe gelautet: "'Wenn es eine Bedrohung ist, töte es' und später merkst du 'Oh, vielleicht habe ich die Gefahr überschätzt'".

Die Vorgesetzten versicherten laut NY Times, die Vorwürfe werde man ernst nehmen und die Verantwortlichen nach Militärrecht zur Rechenschaft ziehen. Gleichzeitig aber machen Aussagen führender Militärs deutlich, dass eine Kontrolle dieser Einheiten praktisch kaum möglich ist.

"Wenn man Streitkäfte haben will, die gelegentlich die Regeln des Völkerrechts beugen, dann macht man dies sicher nicht öffentlich", zitiert die Zeitung den ehemaligen Nato-General James Stavridis. Das Team 6 sollte besser auch weiterhin im Schatten operieren. "Wenn du auf dem Schlachtfeld unerkannt bleibst, kann dich auch niemand dafür verantwortlich machen", äußert sich William Banks, Experte für nationale Sicherheit und Recht, deutlich kritischer.

Dem Bericht zufolge war das Team 6 in den vergangenen Jahren unter anderem in Syrien, im Irak, in Somalia und im Jemen im Einsatz. Etwa 30 aus den Reihen von Team 6 und seiner Helfer in der US-Armee seien im Einsatz ums Leben gekommen und die wenigsten blieben von gesundheitlichen Schäden verschont.

Zu den Erfolgen der Truppe zählte die Befreiung von US-Geiseln in Somalia. An Fehlschlägen nannte die "NYT" eine versuchte Geiselbefreiung 2009 im afghanischen Ghasi Chan, bei der zehn Dorfbewohner getötet wurden, sowie der Tod der Britin Linda Norgrove im Oktober 2010 bei einer missglückten Befreiungsaktion in Afghanistan.

(AFP)
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