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Nach Anschlag bei Sousse
Tunesien verhängt den Ausnahmezustand

Polizei und Nationalgarde bewachen Strand von Sousse
Polizei und Nationalgarde bewachen Strand von Sousse FOTO: ap
Tunis. Eine Woche nach dem Anschlag auf ein Strandhotel in Tunesien hat die Staatsführung den Ausnahmezustand verhängt. Präsident Béji Caid Essebsi erklärte den 30-tägigen Ausnahmezustand am Samstagabend in einer Rede an die Nation. Die Behörden verkündeten unterdessen die Entlassung von mehreren Verantwortlichen, darunter des Gouverneurs der Region, in der sich der Anschlag mit 38 Toten am Freitag vor einer Woche ereignet hatte.

In seiner im Fernsehen übertragenen Rede begründete Essebsi den ab sofort geltenden Ausnahmezustand mit der außergewöhnlichen Lage im Land. Die Bedrohung Tunesiens dauere eine Woche nach dem Anschlag nahe Sousse an, sagte der Präsident. Vor allem durch das im Nachbarland Libyen herrschende Chaos sei Tunesien einer "besonderen Form des Krieges" ausgesetzt. Nach Erkenntnissen der tunesischen Ermittler wurde auch der 23-jährige Attentäter in einem Terrorlager in Libyen ausgebildet.

Der Student hatte am Freitag vergangener Woche vor einem Strandhotel nahe Sousse 38 Menschen erschossen, bevor er selbst getötet wurde. Unter den Opfern waren 30 Briten und zwei Deutsche. Zu dem Anschlag bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Das Attentat auf das Hotel Riu Imperial Marhaba war das bislang blutigste in der Geschichte Tunesiens.

Anschlag auf Touristenhotel in Tunesien FOTO: afp, ADL/SH

Regierungschef Habib Essid hatte am Freitag erstmals Fehler der Polizei bei dem Attentat eingeräumt. Bei der "Reaktionszeit" der Polizei habe das "Problem" gelegen, sagte er dem britischen Sender BBC. Die Beamten seien "überall blockiert" gewesen, fügte er hinzu, ohne sich aber näher dazu zu äußern.

Ein Berater Essids teilte am Samstag mit, neben dem Gouverneur von Sousse seien auch mehrere hochrangige Polizisten entlassen worden. Laut Augenzeugen war die Polizei erst nach 30 Minuten vor Ort. Die tunesischen Sicherheitskräfte nahmen inzwischen acht Verdächtige fest, die nach Regierungsangaben zu einem "Netzwerk" hinter dem Anschlag gerechnet werden.

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Zine El Abidine Ben Ali im Januar 2011 hat die islamistische Gewalt in dem nordafrikanischen Land deutlich zugenommen. Viele junge Tunesier ziehen offenbar aus Frust über mangelnde Perspektiven in den "Heiligen Krieg". Mehr als 3000 Tunesier sollen sich bereits islamistischen Milizen im Irak, in Syrien und im Nachbarland Libyen angeschlossen haben.

Weitere Informationen zu den Anschlägen in Tunesien in unserem Dossier.

(AFP)
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