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Empörung in den USA
Politiker argumentiert mit Holocaust gegen strengeres Waffenrecht

US-Politiker  Don Young argumentiert mit Holocaust gegen strengeres Waffenrecht
Don Young (Archiv). FOTO: ap, MT
Anchorage. Die Debatte über ein schärferes Waffenrecht erhitzt die Gemüter in den Vereinigten Staaten. Der republikanische Abgeordnete Don Young ist nun aber offenbar mit einem Holocaust-Kommentar zu weit gegangen und erntet dafür heftige Kritik.

In der Debatte um ein schärferes Waffenrecht hat ein US-Abgeordneter mit umstrittenen Holocaust-Verweisen für Empörung gesorgt. Auf die Frage, was Regierung und Kommunen gegen Schießereien an Schulen tun könnten, hatte der Republikaner Don Young kürzlich vor Lobbyisten in Alaska geantwortet: "Wie viele Millionen Menschen wurden erschossen, weil sie unbewaffnet waren? Fünfzig Millionen in Russland, weil seine Bürger nicht bewaffnet waren. Wie viele Juden wurden in die Öfen gesteckt, weil sie nicht bewaffnet waren?"

Die Bürgerrechtsorganisation Anti-Defamation League äußerte harsche Kritik an Young. Es sei "irre, zu behaupten, Schusswaffen in den Händen einer kleinen Zahl von Juden in Deutschland (rund 214.000 Verbliebene in Deutschland 1938) hätte die totalitäre Attacke der Nazis stoppen können, wenn die Armeen von Polen, Frankreich, und vielen anderen Ländern vom Dritten Reich überwältigt wurden", hieß es in einer Stellungnahme der US-Organisation, die sich vor allem gegen Antisemitismus einsetzt. Der Rabbi der größten und ältesten Synagoge in Anchorage, Michael Oblath, warf Young einen "erheblichen Mangel" an Wissen über den Holocaust und den Umgang der Nazis mit den Juden vor. "Es ist irreführend, stellt die Ereignisse falsch dar, und ich denke, es ist gefühlskalt."

Youngs Sprecherin sagte der Nachrichtenagentur AP, seine Kommentare seien "komplett aus dem Kontext" gerissen worden. Young habe darauf Bezug genommen, dass die jüdische Gemeinde in Deutschland sich weniger gut habe verteidigen können, als Adolf Hitler deren Waffen habe beschlagnehmen lassen. "Er hat nicht impliziert, dass eine bewaffnete jüdische Bevölkerung den Horror des Holocaust hätte verhindern können." Don Young ist seit 1973 Mitglied im US-Repräsentantenhaus und für teils abseitige Kommentare bekannt.

(wer/ap)
 
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