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Was wir wissen - und was nicht
Der Fall Peggy und der NSU – Rätsel um DNA-Spuren

Der Fall Peggy und der NSU – DNA-Spuren von Uwe Böhnhardt am Fundort
Auf einer Tafel ist im Polizeipräsidium Oberfranken in Bayreuth während einer Pressekonferenz zum Fall Peggy der Fundort der Leiche in der Nähe der Ortschaft Rodacherbrunn dargestellt. FOTO: dpa, tim fdt jai
München/Lichtenberg. Seit 15 Jahren ermittelt die Polizei im Fall der neunjährigen Peggy. Nun haben Experten überraschend DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt am Fundort von Peggys Leiche gefunden. Das wirft viele neue Fragen auf.

Wie gelangte die DNA-Spur von Uwe Böhnhardt in die Nähe von Peggys Leiche? Diese Frage ist noch nicht beantwortet. Einige Fakten sind aber bekannt. Ein Überblick.

Was wir wissen:

  • Die neunjährige Peggy aus dem bayerischen Lichtenberg verschwindet am 7. Mai 2001 auf dem Heimweg von der Schule. Wochenlange Suchaktionen bleiben ohne Erfolg. Am 2. Juli 2016 findet ein Pilzsammler in einem Wald im thüringischen Saale-Orla-Kreis Skelettreste, die von Peggy stammen.
  • Das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bayreuth teilen mit, dass am Fundort der sterblichen Überreste des Mädchens DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden worden seien. Noch ist unklar, in welchem Zusammenhang die dabei gefundene DNA-Spur Böhnhardts steht und ob sie in Verbindung mit dem Tod von Peggy steht.
  • Fest steht laut dem Bayreuther Oberstaatsanwalt Harald Potzel nur, dass die am Fundort entdeckten DNA-Spuren Böhnhardts an einem Gegenstand gefunden wurden. Nach "Spiegel"-Informationen handelt es sich dabei um ein Stück Stoffdecke. Der Bayerische Rundfunk berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, dass es sich um ein Stück Stoff von der Größe eines Fingernagels handele.
  • Uwe Böhnhardt starb am 4. November 2011 - mutmaßlich durch Schüsse seines Mittäters Mundlos, bevor dieser sich in einem Wohnmobil selbst tötete. Die mutmaßlichen Rechtsterroristen Mundlos, Böhnhardt und Beate Zschäpe sollen laut Bundesanwaltschaft jahrelang unerkannt gemordet haben. Das Trio aus Jena tauchte demnach nach einer Razzia in seiner Bombenwerkstatt 1998 ab und gründete die Terrorgruppe. Zwischen 2000 und 2007 erschoss die Gruppe nach Erkenntnissen der Ermittler zehn Menschen, neun davon ausländischer Herkunft. Mit Sprengstoffanschlägen sollen sie zudem Dutzende Menschen verletzt haben. In München läuft seit mehr als drei Jahren der Prozess gegen Beate Zschäpe - als einziges noch lebendes Mitglied des sogenannten "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU).

Was wir nicht wissen:

  • Zwar wurden DNA-Spuren Böhnhardts am Fundort der sterblichen Überreste von Peggy gefunden - wie sie dorthin gelangten, ist aber weiter unklar. Ob die gefundene Spur möglicherweise in Verbindung mit dem Tod von Peggy steht, muss noch geklärt werden. Die Untersuchungen stehen den Ermittlern noch ganz am Anfang. Nach Informationen von "Spiegel Online" unter Berufung auf Ermittlerkreise, ist auch eine Verunreinigung der DNA-Probe theoretisch denkbar. Das Skelett von Peggy und die Leiche Böhnhardts seien im gleichen rechtsmedizinischen Institut untersucht worden.
  • In dem ausgebrannten Wohnmobil wurden nach Informationen des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses Kindersachen gefunden, deren Herkunft bis heute unklar ist. Die meisten - darunter ein Paar Schuhe - seien nie auf DNA untersucht worden.
  • In diesem Zusammenhang hat der Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler einen neuen Beweisantrag im NSU-Prozess angekündigt. Dabei sollen Einzelheiten über Kinderporno-Dateien auf einem Computer des NSU untersucht werden, sagte Daimagüler, ein Vertreter der Nebenklage. Im Brandschutt der Fluchtwohnung des NSU-Trios in Zwickau war ein Datenträger mit Kinderpornomaterial gefunden worden. Man müsse herausfinden, "wer Kenntnis hatte und wer es draufgeladen hat - Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos, Beate Zschäpe oder alle drei". 
  • Zwar wurden im vergangenen Mai Knochen gefunden, die die Ermittler Peggy zuordnen - das Skelett sei aber nicht vollständig. Weitere Knochenreste wurden bislang nicht gefunden. "Dies lässt sich mit dem Lebensraum und den Gewohnheiten von Waldtieren erklären", sagte der Leiter der Sonderkommission Peggy, Uwe Ebner, im vergangenen Juli. Die Ermittler suchten aber dennoch weiter nach Knochen. Außerdem fehlten Kleidungsstücke und der Schulranzen des Mädchens.
(felt/dpa)
 
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