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Prozess um Mord an 17-jähriger in Dresden
Gericht verhängt lange Haftstrafen für Annelis Mörder

Mordfall Anneli: Gericht verhängt lange Haftstrafen für Mörder in Dresden
Einer der beiden Täter im Fall der ermordeten 17-jährigen Annelie wird am 26.08.2016 in das Landgericht in Dresden geführt. FOTO: dpa, dna lof dna
Dresden . Die beiden Entführer der Unternehmertochter Anneli-Marie sollen für Jahre ins Gefängnis. Das Dresdner Landgericht verurteilte Markus B. und Norbert K. wegen Mordes in Tateinheit mit erpresserischem Menschenraub mit Todesfolge.

Bei Markus B., der eine lebenslange Gefängnisstrafe erhielt, wurde zudem eine besondere Schwere der Schuld festgestellt. Sein Komplize Norbert K. soll laut Urteil der Schwurgerichtskammer für achteinhalb Jahre ins Gefängnis.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig, dagegen kann Revision eingelegt werden.

Der heute 40-jährige Markus B. und der 62-jährige Norbert K. haben die Gymnasiastin nach Überzeugung der Kammer am 13. August 2015 im sächsischen Klipphausen entführt, um 1,2 Millionen Euro zu erpressen. An das Geld kamen sie aber nicht. Die Jugendliche wurde am nächsten Tag erdrosselt und erstickte. 

Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Freiheitsstrafe für Markus B. gefordert, da er Anneli-Marie aus Angst vor Entdeckung rücksichtslos und brutal getötet habe. Zudem hatte die Feststellung der Schwere der Schuld beantragt.

Bei Norbert K. hatte die Anklage auf Mord durch Unterlassen plädiert, weil er die Jugendliche mehrfach hätte retten können. Da der 62-Jährige bei der Aufklärung half und im Gegensatz zu Markus B. nicht vorbestraft ist, hatte die Staatsanwaltschaft auf 15 Jahren Freiheitsstrafe plädiert.

Die Verteidigung sah dagegen keine Beweise für den Mordvorwurf gegen B. und hatte "im Zweifel zugunsten des Angeklagten" zwölf Jahre Freiheitsstrafe verlangt, der Anwalt von Norbert K. wegen Beihilfe vier Jahre und fünf Monate.

Die Chronologie des Falls:

13. August: Die Unternehmertochter verlässt mit dem Hund der Familie am Abend ihr Elternhaus in einem Dorf bei Meißen und wird kurz danach entführt. Die Täter fordern von der Familie 1,2 Millionen Euro Lösegeld.

14. August: Ein Spürhund lotst die Polizei zu einem Hof. Das Anwesen wird ohne Erfolg durchsucht. Ein Zeuge macht auf ein silbernes Auto aufmerksam. Die Täter fordern die Online-Überweisung des Lösegeldes auf ein maltesisches oder malayisches Konto. Ein Lebenszeichen von Anneli verweigern sie. Danach reißt der Kontakt ab.

15. August: Handydaten führen die Ermittler zu einem Erlebnisbad in der Nähe. Die Durchsuchung mit einem Spürhund ergibt aber nichts.

16. August: Durch DNA-Spuren an Annelis Fahrrad gerät ein Mann ins Visier der Polizei. Sie ortet ihn in Bayern, auch ein silbernes Auto wird dort entdeckt. Die Eltern des Mädchens wenden sich in einem offenen Brief an die Täter.

17. August: Nach einem Zeugenaufruf und über 50 Hinweisen durchsucht die Polizei Gebäude im Gebiet Klipphausen und Dresden. Ein zweiter Verdächtiger gerät durch die Auswertung von Handydaten ins Visier. Er wird in Dresden gefasst, in Bamberg (Bayern) wird der schon bekannte Verdächtige festgenommen. Am Abend wird die Leiche einer jungen Frau entdeckt.

18. August: Die Tote ist Anneli. Nach Angaben der Ermittler starb sie wahrscheinlich schon am 14. August.

29. August: Anneli wird nach einer Trauerfeier in Sora im Familiengrab beigesetzt.

28. Januar 2016: Die Staatsanwaltschaft Dresden erhebt Anklage wegen erpresserischen Menschenraubes gegen Markus B. und Norbert K.. Bei B.
geht sie von Mord aus. Der 40-Jährige soll die Gymnasiastin getötet haben, "zur Verdeckung einer anderen Straftat".

30. Mai: Beginn des Prozesses am Dresdner Landgericht.

24. August: Die Staatsanwaltschaft fordert die Höchststrafe für den vorbestraften Markus B. wegen erpresserischen Menschenraubes und Mordes zur Verdeckung einer schweren Straftat sowie die Feststellung der Schwere der Schuld. Für seinen Komplizen Norbert K. will sie 15 Jahre wegen Mordes durch Unterlassen.

26. August: Die Verteidigung sieht keine Beweise für Mord und plädiert auf zwölf Jahre Freiheitsstrafe für Markus B. sowie vier Jahre und fünf Monate für Norbert K. wegen Beihilfe zum erpresserischen Menschenraub.

(felt/dpa/AFP)
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