| 15.09 Uhr

Obszöne Geste
Wenn Worte fehlen, hilft oft der Stinkefinger

Berühmte Stinkefinger
Berühmte Stinkefinger FOTO: Screenshot Youtube
Düsseldorf . SPD-Chef Sigmar Gabriel hat rechten Demonstranten deutlich gezeigt, was er von ihnen hält – mit dem Stinkefinger. Die beleidigende Geste ist unmissverständlich. Und das über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg.

Diese Beleidigung versteht jeder. Ob in Deutschland, Amerika oder Griechenland, der ausgestreckte Mittelfinger drückt Verachtung aus. Er wird als Ersatz für Schimpfwörter eingesetzt, als Ausdruck, dass einem eine Entscheidung missfälllt, oder auch als obzöne Geste. Wenn die Argumente ausgehen oder einem die Worte einfach mal fehlen, ist der Stinkefinger schnell gezückt.

Aber Vorsicht: In Deutschland kann die Schmähgeste als Beleidigung oder als Ehrdelikt strafrechtlich verfolgt werden.

Schon im antiken Rom und Griechenland kannten die Herren den Stinkefinger als Beleidigung. Damals verbanden die Männer damit eine sexuell geprägte Drohung. Bis heute wird der ausgestreckte Mittelfinger daher auch gerne als obzöne Geste gewertet und genutzt. Vor allem Popstars wie Lady Gaga, Madonna oder Robbie Williams nutzen dieses Image des Stinkefingers für ihre Show. Als wirklichen Protest, wie einst 1969 Johnny Cash bei seinem Auftritt im Gefängnis, nutzen ihn die Stars heute kaum noch.

Und flog Stefan Effenberg 1994 noch wegen seiner Stinkefinger-Geste gegen die Fans aus der Nationalmannschaft, sorgt heute selbst ein doppelter Stinkefinger bei den Olympischen Spielen höchstens noch für ein leises "Das hätte er sich sparen können". Im Sport ist diese Geste offenbar eine gängige Kommunikationsform geworden – ob bei Trainern, Fußballern, Rennfahrern oder Tennisspielern.

Und auch der SPD-Chef, der jetzt nur den Stinkefinger für rechte Pöbler übrig hatte, ist in der Politik in bester Gesellschaft. Wolfgang Clement, George W. Busch jr., Peer Steinbrück. Letzterer zeigte als SPD-Kanzlerkandidat sogar auf dem Cover des SZ-Magazins der ganzen Nation den Mittelfinger. Berühmte Vorzeiger also, denen Gabriel da folgt.

(rent)
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