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Katar und Großmufti von Kairo auf Distanz
Islamischer Staat politisch unter Druck

Katar und Großmufti von Kairo auf Distanz: Islamischer Staat politisch unter Druck
Der Emir von Katar stellte klar, dass der Golfstaat weder den Islamischen Staat noch andere Extremisten unterstütze. FOTO: ap
Dubai/Bagdad . Katar distanziert sich von der Terrormiliz, der Großmufti von Kairo will sie nur noch "Al-Kaida-Separatisten in Irak und Syrien" nennen. In Syrien greifen die Dschihadisten den letzten Stützpunkt der Regierungstruppen in der Provinz Rakka an.

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat am Wochenende ihre Angriffe vor allem in Syrien fortgesetzt. Ihre Kämpfer eroberten nach Berichten von Aktivisten den letzten Stützpunkt der Regierungstruppen in der Provinz Rakka.

Großbritannien ernannte angesichts der Bedrohung der Kurden im Nordirak einen Sicherheitsgesandten, der Kurden und irakischer Regierung beim Kampf gegen die Dschihadisten helfen solle.

Politisch wurde die Terrormiliz unterdessen zunehmend isoliert: Katar stellte klar, dass der Golfstaat weder den Islamischen Staat noch andere Extremisten unterstütze. Einer der angesehensten Rechtsgelehrten der islamischen Welt, der Großmufti von Kairo, sprach der Terrormiliz in Syrien und Irak das Recht ab, sich als "Islamischer Staat" zu bezeichnen.

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Ein Berater von Großmufti Schauki Ibrahim Abdel-Karim Allam, Ibrahim Negm, kündigte eine Kampagne an, mit der ausländische Medien dazu bewogen werden sollen, statt vom "Islamischen Staat" künftig von "Al-Kaida-Separatisten in Irak und Syrien" zu sprechen.

Der katarische Außenminister Chalid bin Mohammed al-Attija sagte über die Terrormiliz, man sei "angewidert von ihren Ansichten, ihren gewalttätigen Methoden und ihren Ambitionen". Der Golfstaat setze sich für entschlossenes gemeinsames Handeln gegen die extremistische Gewalt im Irak und in Syrien ein.

Bundeskanzlerin Angela Merkel rückte in einem ARD-Interview am Sonntag von einer Äußerung von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller ab, der Katar vorgeworfen hatte, eine wichtige Rolle bei der Finanzierung des Islamischen Staats zu spielen. Die Gruppe sei finanziell sehr gut aufgestellt, ohne, soweit sie das wisse, von einem Staat unterstützt zu werden, sagte Merkel.

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Die Ernennung eines Sicherheitsgesandten für das irakische Kurdistan gehört zur Strategie der britischen Regierung, den Siegeszug der Terrormiliz zu stoppen. Generalleutnant Simon Mayall ist auch Nahost-Berater der Regierung. Das Büro von Premierminister David Cameron kündigte die Lieferung von Nachtsichtgeräten, Schutzwesten und anderer nicht tödlicher Militärausrüstung an die irakischen Kurden in Kürze an.

Verteidigungsminister Philip Hammond sagte daraüber hinaus, die britische Luftwaffe werde den kurdischen Kämpfern Munition aus osteuropäischer Produktion und Waffen der Typen liefern, die bereits bei ihnen im Einsatz seien. Die Bedrohung durch die Terrormiliz im Irak und Syrien könnte eine Generation dauern, schrieb Hammond in der "Sunday Times".

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif vertrat trotz der militärischen Erfolge der Terrormiliz den Standpunkt, dass die Regierung in Bagdad alleine mit der Bedrohung fertig werden könne. "Wir glauben nicht, dass wir im Irak sein müssen, um unseren irakischen Brüdern zu helfen", sagte er. "Sie sind sehr gut in der Lage, sich selbst zu helfen". Iran ist ein wichtiger Verbündeter der Schiiten im Irak.

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Noch am Samstag hatte es zu den Kämpfen in Syrien geheißen, Regierungstruppen hätten einen seit Mittwoch andauernden Angriff der Terrormiliz auf den Luftwaffenstützpunkt Tabka zurückgeschlagen.

Die Dschihadisten hätten hohe Verluste, erlitten, mindestens 100 Kämpfer seien getötet worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Aber am Sonntag hätten sie die Verteidigungslinien durchbrochen und den Stützpunkt erobert. Die staatlich syrische Nachrichtenagentur Sana bestätigte diese Angaben; der Stützpunkt sei verloren worden.

Bei Bombenanschlägen in Bagdad und Kirkuk im Nordiak wurden am Samstag 42 Menschen getötet und Dutzende verletzt. Die neuerliche Eskalation des Terrors erfolgte einem Tag nach dem Anschlag auf eine sunnitische Dorfmoschee in der Provinz Dijala mit 64 Toten. Allein in Kirkuk wurden nach Anageben der Polizei 31 Menschen getötet.

(ap)
 
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