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Syrien
Regierungstruppen erobern zwei weitere Rebellenviertel in Aleppo

Syrien: Regierungstruppen erobern zwei weitere Rebellenviertel in Aleppo
Staub liegt in der Luft nach einem Angriff in Aleppo. FOTO: rtr, ALH/ /XG
Damaskus. Die syrischen Regierungstruppen sind nach Angaben von Staatsmedien bei der Rückeroberung des von Rebellen kontrollierten Ostteils von Aleppo einen großen Schritt vorangekommen. Am Sonntag eroberten sie zwei weitere Stadtviertel.

Bei ihrer Offensive auf den von Rebellen gehaltenen Ostteil von Aleppo haben die syrischen Regierungstruppen nach Angaben von Aktivisten zwei weitere Stadtviertel erobert. Die Armee und mit ihr verbündete Kämpfer hätten sowohl Dschabal Badro als auch Baadin eingenommen, teilte am Sonntagabend die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Es handele sich um zwei angrenzende Stadtviertel von Masaken Hanano – dieses bisher größte Rebellenviertel hatten die Regierungstruppen am Samstag erobert.

Die Regierungstruppen hätten am Sonntag zunächst Dschabal Badro zurückerobert, danach auch Baadin, teilte die Beobachtungsstelle mit. Die von mehreren Seiten geführte Offensive der Armee auf Ost-Aleppo "schwächt die Rebellen zunehmend". Die in Großbritannien ansässige Organisation stützt sich auf ein breites Netzwerk von Informanten in Syrien, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Am Samstag war das größte Rebellenviertel erobert worden

Das Staatsfernsehen und die amtliche Nachrichtenagentur Sana hatten am Samstag die vollständige Einnahme von Masaken Hanano verkündet, des größten Rebellenviertels von Aleppo. Die Regierungstruppen hatten vor knapp zwei Wochen eine Offensive zur vollständigen Eroberung von Syriens zweitgrößter Stadt begonnen.

 Am 15. November hatten sie eine neue Offensive zur vollständigen Eroberung Aleppos gestartet. In den vergangenen Tagen machten sie Fortschritte, am Freitag berichtete das Staatsfernsehen, die regierungstreuen Kämpfer rückten auf "drei Achsen" vor.

Dutzende Familien geflohen

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden seit Beginn der Offensive vor knapp zwei Wochen bei Bombardements der Regierungstruppen im Ostteil Aleppos 212 Zivilisten getötet, darunter 27 Kinder.

Der Leiter der Bobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sagte am Samstag, die Regierungstruppen kontrollierten Masaken Hanano zu 80 Prozent und hätten die übrigen 20 Prozent unter Beschuss genommen. Sie seien "nur noch hunderte Meter davon entfernt, die nördlichen Viertel in Ost-Aleppo von den südlichen zu isolieren".

Wegen der Kämpfe um Masaken Hanano flohen laut Beobachtungsstelle Dutzende Familien aus den Nachbarvierteln Sachur und Haidarije. Bei Angriffen auf Sachur seien am Samstag mindestens elf Zivilisten getötet worden. Die Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk in Syrien, von unabhängiger Seite sind die Angaben kaum zu überprüfen.

Putin und Erdogan erneut miteinander telefoniert

Vor dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs im März 2011 war Aleppo die Wirtschaftsmetropole des Landes. Seit 2012 ist die nordsyrische Stadt in einen Westteil unter Regierungskontrolle und den von den Rebellen gehaltenen Ostteil geteilt. Die Rebellenviertel mit ihren mehr als 250.000 Einwohnern werden seit Monaten von der syrischen Armee belagert.

Der UN-Sondergesandte Staffan da Mistura hatte kürzlich erklärt, nach seinem Eindruck habe die syrische Regierung "die feste Absicht", in Aleppo "eine beschleunigte militärische Entscheidung anzustreben". Wenn die Angriffe in dieser Intensität weitergingen, "wird es zu Weihnachten kein Ost-Aleppo mehr geben", warnte der UN-Vertreter in der "Süddeutschen Zeitung" vom Freitag.

Der Kreml teilte am Samstag mit, dass Russlands Staatschef Wladimir Putin und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erneut miteinander über die Lage Syrien telefoniert hätten. Bereits am Freitag hätten sie über die Möglichkeit "gemeinsamer Bemühungen im Kampf gegen den Terrorismus" gesprochen. Russland ist mit Assad verbündet, die Türkei ist gegen ihn, bekämpft aber auch die gegen Assad kämpfenden Kurden in Syrien und die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

(heif/das/AFP)
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