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Tunesien-Besuch
Gauck ruft zu Auseinandersetzung mit Islamismus auf

Tunesien: Gauck ruft zu Auseinandersetzung mit Islamismus auf
Bundespräsident Gauck lobte die demokratischen Errungenschaften Tunesiens. FOTO: dpa, rje hpl
Tunis. Bundespräsident Gauck besucht das Land, in dem Ende 2010 der Arabische Frühling begann. Er fordert die Tunesier auf, den Verlockungen radikaler Islamisten nicht nachzugeben.

Bundespräsident Joachim Gauck hat in Tunesien zu einer offensiven Auseinandersetzung mit radikalem Islamismus und religiöser Intoleranz aufgerufen. "Wir müssen die Propaganda der Terroristen mit einer Aufklärung der Demokraten kontern", sagte er am Montagabend in Tunis. "Die Antworten von Radikalen mögen verlockend sein, weil sie einfach sind. Demokratie hingegen ist nicht einfach", sagte er nach vorab verbreitetem Redemanuskript.

Gauck lobte die demokratischen Errungenschaften Tunesiens seit dem Arabischen Frühling vor viereinhalb Jahren. "Tunesien ist zweifellos zu einem Vorbild für die freiheitsliebenden Menschen der ganzen Region geworden", betonte er bei einer Konferenz der Bertelsmann-Stiftung. Tunesien habe ein hohes Maß an Verständigung zwischen religiösen und säkularen Kräften erreicht. Nun komme es darauf an, der Demokratie umfassende Geltung zu verschaffen. Deutschland wolle Tunesien auf diesem Weg auf vielfältige Weise unterstützen.

In einer offenen Gesellschaft hat es niemand nötig, religiöse Menschen zu unterdrücken und sie um ihre religiösen Rechte zu bringen, sagte Gauck weiter. Aber die Religiösen haben es auch nicht nötig, Andersgläubigen und Nichtgläubigen mit Gewalt Normen aufzudrängen, die aus einer vordemokratischen Tradition stammen."

Tunesien - der Tag des Umsturzes FOTO: AP

Gauck mahnte auch einen entschlosseneren Kampf gegen die Korruption an. Am Vormittag besuchte er das Werk eines deutschen Unternehmers im Landesinnern südwestlich von Tunis. Er informierte sich in Siliana über die Lage bei dem Autozulieferer Dräxlmaier, der seit vielen Jahren in Tunesien aktiv ist.

Am Vorabend hatte der Bundespräsident zu mehr Investitionen in Tunesien aufgerufen. Nach Gaucks Worten beschäftigen derzeit rund 250 deutsche Unternehmen mehr als 55 000 Menschen in dem Land am Mittelmeer.

Präsident Béji Caïd Essebsi nannte die schlechte Wirtschaftslage neben der Bedrohung durch den Terrorismus die größte Gefahr für den Demokratisierungsprozess, der vor vier Jahren mit dem Arabischen Frühling begonnen hatte.

(dpa)
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