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Marine Le Pen im Interview
"Wir dürfen uns Deutschland widersetzen"

Hintergrund: FN - die französischen Rechtsextremen
Hintergrund: FN - die französischen Rechtsextremen FOTO: AFP
Paris . Die Chefin des Front National attackiert das angebliche Berliner Spardiktat und will so schnell wie möglich den Euro kippen.

Der rechtspopulistische Front National (FN), der bei der Europawahl im Mai stärkste französische Partei wurde, profitiert von der Krise in Frankreich. Immer mehr Franzosen stimmen den teils radikalen Ansichten von Parteichefin Marine Le Pen (46). 60 Prozent halten sie laut einer aktuellen Umfrage für die wichtigste Oppositionspolitikerin.

Deutschland verlangt von Frankreich einen Sparkurs. Wird Deutschland damit zum Feindbild?

Marine Le Pen Ich werde Deutschland nicht dafür verurteilen, dass es seine Interessen vertritt. Es hat das Recht dazu, aber wir haben auch das Recht, uns dieser Politik zu widersetzen. Die Politik, die Frankreich auferlegt wird, ist gleichzeitig dumm und wirkungslos. Sie hat bereits zum Bankrott Griechenlands geführt, zu einer furchtbaren Situation in Spanien, Italien und Portugal und bald auch in Frankreich. Sie ist wirkungslos, weil sie die Defizite nicht verringert und die Schulden auch nicht. Warum will es uns in Frankreich nicht gelingen, wieder Wirtschaftswachstum zu schaffen? Weil unsere Währung zu stark ist. Weil die internationale Konkurrenz unlauter ist. Ändern wir die Politik, dann werden wir den Weg zu mehr Beschäftigung wiederfinden. Denn nur mit Beschäftigung wird man das Problem des Defizits und der Schulden lösen. Nicht indem man diejenigen noch weiter auspresst, aus denen nichts mehr herauszuholen ist.

Wenn Sie bei der französischen Präsidentschaftswahl 2017 gewählt werden sollten, wollen Sie dann wirklich zuallererst aus dem Euro aussteigen?

Le Pen Ich werde alle meine Energie darauf verwenden, die anderen europäischen Länder davon zu überzeugen, dass man nicht so weitermachen kann. Dass der Euro ein Kadaver ist, den man versucht, mit Milliardenkosten künstlich am Leben zu halten. Deshalb ist es in unserem Interesse, diesen Ausstieg aus dem Euro zu organisieren und im Rahmen einer internationalen Absprache zu den nationalen Währungen zurückzukehren. Für alle Länder ist der Euro ein Fehlschlag. Deutschland zieht daraus zwar auch Nutzen, aber wie viel kostet die Rettung des Euro? Wie lange wird Deutschland noch akzeptieren, für die Gemeinschaftswährung zu zahlen? Diese Fragen dürfen nicht tabu sein.

Jean-Marie Le Pen - der Rechtsextreme FOTO: AP

Warum sind Sie so besessen vom Thema Einwanderung?

Le Pen Weil sie ein großes Problem ist in einem Land wie Frankreich, das sechs Millionen Arbeitslose und neun Millionen Arme hat. Es ist doch offensichtlich, dass wir nicht weiter Menschen aufnehmen können, denen wir nichts zu geben haben. Wir haben nicht die Mittel, sie zu unterhalten, wir haben ihnen keine Arbeit zu bieten, wir haben keine Wohnungen zu vergeben. Der Pragmatismus und der gesunde Menschenverstand verlangen, dass wir "Stopp" sagen.

Glauben Sie nicht, dass die Probleme Frankreichs in Wirklichkeit hausgemacht sind? Zum Beispiel, was die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Unternehmen angeht?

Rechtspopulistische Parteien in Europa FOTO: AP

Le Pen Deutschen fällt es leicht, so etwas zu sagen. Wenn wir die nationalen Währungen wieder einführen würden, wäre die Mark deutlich stärker als der Franc, und das wäre natürlich für unseren Export äußerst hilfreich. Heute müssen wir mit einer Währung leben, die 20 bis 30 Prozent zu teuer ist für unsere Wirtschaft, da liegt das Problem. Wenn Sie in Deutschland dann auch noch billige Arbeitskräfte aus Osteuropa beschäftigen, dann ist es eben kein Wunder, dass deutsche Unternehmen wettbewerbsfähiger sind als französische.

Im Ukraine-Konflikt haben Sie eine Haltung, die der des Kreml nahesteht. Und Ihre Partei hat gerade einen Millionenkredit bei einer russisch-tschechischen Bank aufgenommen ...

Le Pen Wenn Sie eine deutsche Bank haben, die uns einen Kredit gibt, nehmen wir den gerne! Aber niemand will uns Geld leihen. Wir haben als Partei immer dieselbe Haltung zu diesem kalten Krieg gehabt, der seit Jahren gegen Russland geführt wird und auch zur Schwäche der europäischen Diplomatie, die es nicht schafft, sich dem amerikanischen Diktat zu widersetzen. Ich denke, dass es diplomatisch ein völliger Irrtum ist, sich gegen Russland zu stellen, denn das treibt Moskau in die Arme Chinas, und das werden wir sehr teuer bezahlen.

Sie haben die Leitung des FN vor mehr drei Jahren übernommen mit dem Ziel, die Partei zu ,entdämonisieren'. Sogar eine Namensänderung ist nicht mehr tabu. Sind Sie bereit, deswegen einen Konflikt mit ihrem Vater und FN-Gründer Jean-Marie Le Pen zu riskieren?

Le Pen Diese Namensänderung soll nicht nur Kosmetik oder ein Werbegag sein. Wenn es dazu kommt, dann um eine politische Realität zu besiegeln: die Schaffung einer großen patriotischen Allianz mit anderen politischen Bewegungen der Rechten wie der Linken, die auf derselben Seite stehen wie wir, auf der Seite der Verteidiger der Nation.

CHRISTINE LONGIN FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
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