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Pflanzenschutzmittel
Hysterie um Glyphosat

Kommentar: Hysterie um Glyphosat
Glyphosat wird als Pflanzenschutzmittel verwendet. FOTO: dpa, ppl fpt tba
Meinung | Düsseldorf. Die Entscheidung über die Neuzulassung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat ist vertagt worden. Das ist ärgerlich. Verantwortungsvolle Politik, die Wirtschaft und Verbrauchern Planungssicherheit gibt, sieht anders aus. Von Antje Höning

Selbstredend müssen sie die Gefahren des Unkrautvernichter sorgsam bewerten. Und selbstredend ist das Argument "Den nutzen wir seit Jahren", das der Hersteller Monsanto und viele Landwirte vorbringen, nicht stichhaltig.

Die deutsche Bauindustrie hat auch Jahrzehnte lang Asbest verbaut, bis klar war, wie krebserregend der Dämmstoff ist. Hier hat man viel zu spät reagiert. Doch eine vergleichbare Gefahr scheint von Glyphosat nicht auszugehen, wie sich nach vielen Studien zeigt. Selbst die Weltgesundheitsorganisation WHO, die nicht im Verdacht steht, industriefreundlich zu sein, stuft das Mittel nach einigem Hin und Her nicht als krebserregend ein.

Grüner Alarmismus

Die Meldungen der vergangenen Monate, wonach Glyphosat in Bier, Milch und Urin nachgewiesen wurden, erscheinen in diesem Licht als grüner Alarmismus. Wie so oft beim Einsatz von Chemie und Pharmazie gilt der alte Grundsatz: Die Dosis macht das Gift. Entsprechend kommt das Bundesinstitut für Risikobewertung auch zu dem Schluss, dass man täglich schon 1000 Liter Bier trinken müsste, um die Grenzwerte für Glyphosat zu überschreiten. Auch Babys müssten Tausende Liter Milch am Tag trinken, bevor es gefährlich wird.

Doch die Stimmung ist so aufgeheizt, dass die 28 EU-Staaten sich selbst sechs Wochen vor Ablauf der Zulassung nicht auf eine Verlängerung verständigen konnten – dagegen allerdings auch nicht. Und so wurde die Entscheidung heute einfach vertagt. Dass ausgerechnet Deutschland als Land mit den meisten Verbrauchern zu keinem Votum in der Lage ist, weil die große Koalition in der Causa Unkraut zerstritten ist, ist nicht zu vermitteln.

Verantwortungsvolle Politik, die Wirtschaft und Verbrauchern Planungssicherheit gibt, sieht anders aus. Dieses Politikversagen und nicht das Pestizid ist das eigentliche Ärgernis.

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