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Was wird aus Eishockey-Klub?
Endzeitstimmung bei den Krefeld Pinguinen

Krefeld Pinguine: Endzeitstimmung bei den KEV-Fans
Das war am Dienstagabend einer der letzten Schüsse, die Pinguine-Stürmer Martin Schymainski im Spiel gegen Wolfsburg auf das gegnerische Tor verbuchte. Morgen geht er bereits für die Frankfurter Löwen auf Torjagd. Auch Verteidiger Maxi Faber spielt die Saison bei den Hessen aus der DEL 2 zu Ende. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Die aktuelle Lage versetzt die KEV-Fans in große Sorge. Wenn sich am Freitagabend nach dem letzten Saison-Heimspiel der Pinguine gegen Nürnberg der DEL-Vorhang im König-Palast schließt, dann wissen die Fans des Eishockey-Vereins nicht, ob er sich dort im September wieder öffnet.  Von H.-G. Schoofs und Josef Hermanns

Nachdem die Verantwortlichen der Seidenweberhaus GmbH und der Pinguine am frühen Dienstagabend nach einer weiteren Gesprächsrunde über den neuen Mietvertrag mit einem Ergebnis, aber ohne Entscheidung auseinander gingen, wird reichlich spekuliert. Die Gremien beider Seiten sollen entscheiden, ob das ausgehandelte Ergebnis zu einer positiven Entscheidung führt. In politischen Kreisen wird vermutet, dass man sich zum Wohle des Krefelder Eishockeys auf einen Kompromiss einigt, mit dem beide Seiten unterm Strich aber nicht zufrieden sind. Und es soll wie unsere Redaktion bereits exklusiv berichtete, eine kurzfristige Lösung geben. So weit so gut oder so schlecht.

Am Dienstagabend beim Heimspiel gegen Wolfsburg herrschte auf den Rängen und in den Katakomben eine Endzeitstimmung. Die offiziell angegebene Zuschauerzahl (2839) beinhaltete wie immer die Dauerkartenbesitzer. Mit viel Wohlwollen dürften es gerade Mal "echte" 1800 Besucher gewesen sein. Die langweilten sich mehr oder weniger zwei Drittel lang, ehe sie von den Pinguinen noch für ihre Treue belohnt wurden. Nach dem Spiel gab es nur ein Thema. Wie wird das Gesicht der Mannschaft nach der Olympiapause aussehen?

Geradezu ein Schock war für die KEV-Fans die Nachricht, dass Martin Schymainski bereits am Freitag in der DEL2 für Frankfurt in Dresden die Schlittschuhe schnüren wird. Das wusste der Publikumsliebling bereits vor dem Spiel. Entsprechend befreit wirkte er auf dem Eis und krönte seinen vorübergehenden Abschied mit einem Treffer. Es hatte sich im Laufe der Saison jede Menge Frust bei ihm aufgestaut. "Solche Spiele wie heute hätten wir diese Saison häufiger gewinnen können und müssen", sagte er nach dem Spiel. Zu seinem Abschied sagte er: "Das ist für mich eine Option, weiter Eishockey zu spielen und nicht schon im März Urlaub machen zu müssen. Das wollte ich nicht dreimal in Folge erleben. Darum habe ich die Möglichkeit wahrgenommen, mich nach Frankfurt auszuleihen zu lassen." Daniel Pietta und Marcel Müller, dessen Knieverletzung ihn nicht an einem Wechsel nach Schweden hindert, machen sich am Wochenende auf den Weg nach Leksland und sollen dort heute in einer Woche im Heimspiel gegen Modo Hockey ihr Debüt beim Zweitligisten geben.

Nicht nachvollziehen können viele Fans, dass Justin Feser Krefeld verlassen wird. Ihm lag hier ein besseres Angebot vor als in Bremerhaven. Allerdings soll der Kanadier bei den Fischtown Pinguins einen deutschen Pass erhalten. Im Jahre 1850 ist nämlich seine Ur-Ur-Ur-Ur-Großoma aus Deutschland zunächst nach Russland und dann über Hamburg und Bremerhaven in die USA ausgewandert. "Bremerhaven hat für mich demnächst eine kanadische C-Nationalmannschaft. Das ist eine klare Wettbewerbsverzerrung", sagte Aufsichtsratschef Wolfgang Schulz am Mittwoch.

Immer wieder taucht in den anderen DEL-Standorten die Frage auf, warum in Iserlohn und Bremerhaven ausländische Spieler so schnell einen deutschen Pass erhalten. Rüdiger Noack erläuterte das kürzlich am Fall Chat Pickard. Den konnten die Pinguine einst verpflichten. Der Torwart wollte aber nur zusagen, wenn er eingebürgert wird. Das ging in Krefeld nicht. Dann unterschrieb er in Iserlohn und bekam den deutschen Pass. Krefelds Ex-Trainer Franz Fritzmeier machte in Köln diese Erfahrung, als Johannes Salmonsson in der Domstadt keinen deutschen Pass bekam, aber eine Saison später am Seilersee. Dort und in Bremerhaven sollen die Spieler bei ihrer Einbürgerung unterschreiben, dass sie nach Ende ihrer Karriere den deutschen Pass wieder abgeben müssen.

Stürmer Martin Ness besitzt einen deutschen und einen schweizer Pass. Auch er wird am Freitag nicht mehr für die Pinguine auflaufen, sondern in seinem Heimatland für den Zweitligisten SC Rapperswil-Jona Lakers. Auch Verteidiger Maxi Faber verlässt die Krefelder vorzeitig. Er beendet die Saison wie Schymainski bei den Frankfurter Löwen. Ob Ness und Faber an den Niederrhein zurückkehren werden, ist noch nicht entschieden.

Gut möglich, dass nach dem Heimspiel gegen Nürnberg weitere Pinguine wechseln. "Es gibt fast für jeden Spieler eine Anfrage", sagte Matthias Roos gestern. Einen Totalausverkauf kann es natürlich nicht geben. Schließlich stehen nach der Olympiapause noch drei Auswärtsspiele an.

Quelle: RP
 
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