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"Solche Sachen passieren doch immer nur mir"
Hamilton wittert eine Verschwörung

Hamilton frustriert – Aus nach Motorschaden
Hamilton frustriert – Aus nach Motorschaden FOTO: ap, mdb
Sepang. Lewis Hamilton wird auf dem Weg zum 50. Karrieresieg von einem Motorschaden gestoppt. Nico Rosberg rettet dank Aufholjagd wenigstens Rang drei. Ein Übermut-Manöver von Landsmann Sebastian Vettel in der ersten Kurve sorgt für Zündstoff.

Die Verschwörungstheorien, die Hamilton nach seinem Motorplatzer 15 Runden vor dem Ziel schmiedete ("Solche Sachen passieren doch immer nur mir"), kommentierte Teamchef Toto Wolff ungewohnt milde und gelassen: "Nach diesem Zwischenfall hat Lewis allen Grund, frustriert zu sein. In so einer Situation darf er sagen, was er will, dazu hat er jedes Recht."

Während Hamilton mit einer höheren Macht haderte ("Die mischt sich gerade ziemlich ein"), war sein ungeliebter Teamkollege Nico Rosberg buchstäblich der lachende Dritte. Rosberg baute seine Führung in der WM-Wertung auf satte 23 Punkte vor Hamilton aus - und das, obwohl ihn Ferrari-Star Sebastian Vettel in der ersten Kurve "abgeschossen" hatte. Derweil musste Mercedes die Hoffnungen auf den vorzeitigen Gewinn der Konstrukteurs-WM zunächst um eine Woche verschieben. Um bereits in Sepang zum dritten Mal nach 2014 und 2015 Team-Weltmeister zu werden, hätten Hamilton und Rosberg maximal sieben Punkte auf die Red Bull verlieren dürfen.

Pressestimmen: "Unfassbares Drama!" FOTO: ap, mdb

"Sebastian ist angekommen wie ein Torpedo", erzählte Rosberg nach dem Rennen: "Ich hab im ersten Moment gedacht, jetzt ist alles vorbei." Während sich Rosberg nach der Startkollision mit Vettel zunächst auf dem 17. Platz wiederfand und sich von dort aus bravourös nach vorne kämpfte, war das Rennen für seinen Landsmann beendet. Die Aufhängung am Ferrari war gebrochen, der viermalige Weltmeister und Vorjahressieger Vettel hatte nach gerade mal 600 Metern bereits Feierabend.

"Es ist natürlich nicht schön, hier zu stehen und zuzuschauen, wie die anderen weiterfahren", sagte er anschließend bei RTL. Wolff übte sich auch hier in Nachsicht. "Sebastian ist ein viermaliger Weltmeister, einer der besten Fahrer in der Formel 1", sagte der Österreicher: "Er hat das sicherlich nicht mit Absicht gemacht, solche Situationen passieren halt in der Hitze des Augenblicks immer wieder."

Der unfreiwillige Zuschauer Sebastian Vettel konnte zunächst mitansehen, wie Lewis Hamilton seinen Silberpfeil zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk um den runderneuerten Kurs in Sepang jagte. Souverän lag der 31-jährige Brite in Führung, als in der 41. von 56 Runden auf der langen Geraden Rauch im Heck seines Autos das nahende Unheil verkündete. Hamilton war ohne Chance, der dreimalige Weltmeister musste seinen Mercedes abstellen und ging sichtbar frustriert neben seinem Silberpfeil in die Hocke.

Vettel schießt Rosberg nach dem Start in Malaysia ab FOTO: afp

"Ich hatte schon bessere Tage", sagte er anschließend bei Sky: "Ich weiß im Moment überhaupt nicht, ob mein Auto die nächsten Rennen durchhält, was als nächstes passiert, das alles fühlt sich nicht gut an. Es waren acht Autos mit Mercedes-Motoren auf der Strecke, und meiner geht hoch, obwohl ich der Nummer-1-Fahrer bin. Das kann doch nicht sein."

Nutznießer waren die beiden Red Bull, die sich bis wenige Runden vor dem Ziel ein spektakuläres Duell um den Sieg lieferten. Am Ende wehrte Ricciado die Angriffe von Verstappen erfolgreich ab und feierte mehr als zwei Jahre nach seinem Triumph beim belgischen Grand Prix 2014 in Spa seinen insgesamt vierten Grand-Prix-Sieg. Es war der erste Doppelsieg für Red Bull seit Brasilien 2013, als Sebastian Vettel und Mark Webber die Plätze eins und zwei belegt hatten.

Sebastian Vettel kam wie schon gesagt nur bis zur ersten Kurve. Beim Versuch, Verstappen zuerst außen und dann innen zu überholen, kollidierte der Vorjahressieger mit Rosberg. "Ich habe den Mercedes berührt", funkte Vettel an die Box: "Ich hatte keinen Platz, konnte nirgendwo hinfahren." Verstappen, selbst kein Kind von Traurigkeit, formulierte es deutlich drastischer. "Vettel ist verrückt. Er ist in Rosberg reingeknallt wie ein Idiot", schimpfte der 19-Jährige.

Das wollte Vettel dann aber doch nicht so stehen lassen. "Max und ich haben beide am gleichen Punkt gebremst", sagte der viermalige Weltmeister. Er habe versucht, sich wieder einzuordnen, und habe sich "an Max vorbeigebremst. Wir waren beide spät, aber nicht zu spät, auf der Bremse." Natürlich habe Rosberg vorne seine Linie ganz normal gewählt. "Leider war er dann aber früher auf der Bremse als wir dahinter", sagte Vettel am Sky-Mikrofon: "Es ist blöd, dass ich den Unfall nicht vermeiden konnte, und es ist bitter für Nico, weil er gar nichts dafür konnte."

(dpa)
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