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Formel 1 auf der Zielgeraden
Rosberg fehlt noch ein Sieg bis zum Titel

Fotos: Rosberg – Deutscher, Monegasse, Weltmeister
Fotos: Rosberg – Deutscher, Monegasse, Weltmeister FOTO: ap, EM
Mexiko-Stadt . Der erste WM-Titel ist greifbar, und Nico Rosberg hält dem Druck stand. Der zweite Platz in Mexiko war Ergebnis eines harten, cleveren und durchaus weltmeisterlichen Ritts - und hat dem Mercedes-Piloten den ersten Matchball beschert.

Am Ende musste Nico Rosberg über sich selbst lachen. Sein erster WM-Titel war ein weiteres großes Stück näher gerückt, doch der Mercedes-Pilot trug wieder nur sein Mantra vor. "Ich will das nächste Rennen gewinnen, nur das zählt", sagte Rosberg nach seinem zweiten Platz von Mexiko. Dann stutzte er kurz - und fügte grinsend an: "Und wenn das in Brasilien klappt, dann ist die Sache ja erledigt."

Denn gewinnt Rosberg das vorletzte Saisonrennen in zwei Wochen in Sao Paulo (13. November), dann ist es tatsächlich geschafft: Dann ist Nico Rosberg erstmals Weltmeister in der Königsklasse des Motorsports.

In Mexiko tat er dafür das, was nötig ist. Wie schon eine Woche zuvor im texanischen Austin holte er den zweiten Platz hinter Titelverteidiger Lewis Hamilton im anderen Silberpfeil. Angesichts von 19 Punkten Vorsprung könnte sich auch dieses Ergebnis noch zweimal wiederholen, Rosberg wäre nach dem Saisonfinale in Abu Dhabi (27. November) dennoch Weltmeister.

Das klingt ein wenig nach dem Pferd, das gerade so hoch springt, wie es muss. Doch diese Interpretation würde Rosbergs Leistung in Mexiko nicht gerecht. Wie zuvor heraufbeschworen, war der Druck riesig, Rosberg hatte sehr viel zu verlieren. Und gemessen daran war seine Leistung auf dem Autodromo Hermanos Rodriguez tatsächlich: weltmeisterlich.

"Keine besondere Anspannung" habe er verspürt, "nur das übliche Adrenalin", sagte er zwar. Doch die Konkurrenz von Red Bull war nah dran, und ausgerechnet der für seine harten Manöver berüchtigte Teenager Max Verstappen saß Rosberg im Nacken. Gleich zweimal fuhr der Niederländer aggressive, grenzwertige Manöver, es kam zu einer Kollision, die Rosberg letztlich die WM hätte kosten können.

Doch der 31-Jährige behielt stets die Kontrolle über seinen Silberpfeil, blieb cool, und vor allem blieb er vor Verstappen. "Die Aktionen waren über dem Limit von Max, aber ich will darauf keine Energie verschwenden", sagte Rosberg später und verzichtete auf ein Nachtreten. In der brenzligen Phase rund um die Boxenstopps konnte er zudem im entscheidenden Moment sein Tempo noch einmal erhöhen, um seine Position zu verteidigen.

Wenn die Red Bulls ihre Leistung auch in den kommenden beiden Rennen bestätigen, dann wird es kein gemütliches Saisonfinale, das ist auch Rosberg klar. "Ich hoffe, dass wir in Sao Paulo und Abu Dhabi zulegen werden", sagte er: "Aber Red Bull ist nah dran, es bleibt spannend."

Hamilton indes hat spät wieder zu seiner Topform gefunden, vielleicht zu spät. Die souveränen Auftritte in Austin und Mexiko-Stadt haben die Entscheidung wohl nur hinausgezögert. "Ich kämpfe um etwas, von dem ich gar nicht weiß, ob ich es erreichen kann", sagte der Engländer: "Es könnte sehr schmerzhaft für mich werden, vielleicht wird es aber auch großartig."

Allerdings lässt der Weltmeister derzeit auch keine Gelegenheit aus, darauf hinzuweisen, dass er nur wegen vieler technischer Defekte in diesem Jahr derart weit zurückliegt. Er macht es sich damit leicht, denn in den vergangenen Jahren wurde er selbst auch schon durch Rosbergs Pech begünstigt. Und holt der Deutsche in diesem Jahr den Titel, dann hat er ihn sich verdient.

(sid)
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