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Bayer Leverkusen
Das System Schmidt braucht Verstärkung

Fotos: Das ist Roger Schmidt
Fotos: Das ist Roger Schmidt FOTO: afp, pbe/iw
Leverkusen. Für die Ansprüche, die Bayer Leverkusen in den drei Wettbewerben an sich stellt, ist der Kader in der Breite noch zu dünn besetzt. In allen Mannschaftsteilen wird nach Personal gesucht. Jonathan Tah kommt für die Abwehr. Von Stefanie Sandmeier

Es war ein Fingerzeig, was auf die Profis von Bayer Leverkusen in dieser Vorbereitung noch zukommt. Roger Schmidt unterbrach kurzerhand das Training und hielt seiner Mannschaft wütend eine Standpauke. Zu viele Fehlpässe und zu wenig Bewegung - der 48-Jährige machte für jeden am Trainingsplatz hörbar deutlich, dass die Einstellung zu Beginn von Bayers zweiter Trainingswoche eine andere werden muss.

Der Ton wird rauher

Schmidt hat den Ton verschärft – um etwa aufkommende Lässigkeiten direkt im Keim zu ersticken. Er weiß: "Die Vorbereitungszeit ist eine sehr wichtige Phase. Wenn die Saison erst einmal läuft, haben wir wenig Zeit für intensives Mannschaftstraining bei den vielen Spielen, die auf uns warten."

Elf Tage ist die Werkself im Training. Zwei Testspiele hat sie bereits absolviert – mit nicht zufriedenstellendem Ausgang: 0:1 beim Drittligisten in Großaspach und 1:1 beim Viertligisten Viktoria Köln. Dass der Bundesligist sich nach dem Urlaub noch schwer tut, in Tritt zu kommen, mag angesichts des Zeitpunkts nicht ungewöhnlich sein. "Das ist nichts, was mich beunruhigt", erklärt der Coach, der allerdings deutlich macht, dass sein Team einiges aufzuarbeiten habe. "Noch fehlt uns die letzte Konsequenz in dem, was wir machen – sowohl was die Verteidigung als auch das Angriffsspiel angeht."

Auffälligstes Manko: Trotz zahlreicher Möglichkeiten sind Tore Mangelware. Die Chancenverwertung war schon in der vergangenen Saison ausbaufähig. Einzig Stefan Kießling traf bisher in Köln. Schmidt ließ bereits zum Trainingsauftakt durchblicken: "Wir können uns noch in allen Bereichen verstärken."

In der Spitze sind die Leverkusener gut aufgestellt. Für die Champions-League-Qualifikation im August sieht sich die sportliche Leitung gerüstet. Für die Ansprüche aber, die Bayer 04 in einer langen Saison in drei Wettbewerben an sich hat, könnte der Kader in der Breite Verstärkung gut gebrauchen. Zumal Schmidts Pressing-Fußball, der von permanentem Attackieren lebt, Kraft kostet. Deshalb kann er sich nicht darauf verlassen, eine gesamte Saison die gleiche Elf aufbieten zu können, und dass jede Spielzeit derart verletzungsarm endet wie die letzte. Im Moment fehlen aber die Alternativen, mögliche Ausfälle ausgleichen zu können.

Im Hintergrund suchen Sportdirektor Rudi Völler und Manager Jonas Boldt daher nach Verstärkungen in allen Mannschaftsteilen. Nach dem Karriereende von Simon Rolfes und den Abgängen von Gonzalo Castro und Stefan Reinartz sowie der Suspendierung von Abwehrchef Emir Spahic erlebt die Mannschaft eine Verjüngung. Was die nächste Frage aufwirft: Welches sind künftig die Führungspersönlichkeiten?

Die Zugänge Christoph Kramer, Admir Mehmedi und André Ramalho sind auch erst 23 und 24 Jahre, Kramer kam aber immerhin als Weltmeister nach Leverkusen. "Einen erfahrenen und qualitativ hervorragenden Spieler wie Spahic zu bekommen, war sicherlich ein Glücksfall. Erfahrung ist aber nicht immer nur mit höherem Alter gleichzusetzen", sagt Boldt.

Im Angriff wird ein Backup für Kießling gesucht. Im Mittelfeld ein Umschaltspieler vom Typ Gonzalo Castro, der die Qualität hat, sich von der Sechserposition zu lösen und gefährlich ins Offensivspiel einzuschalten. Charles Aranguiz (26) von Inter Porto Alegre ist noch immer Wunschkandidat, mit seinen Auftritten bei der Copa América hat der Chilene jedoch auch das Interesse von Klubs geweckt, die mehr zahlen können. Bayer 04 wird sich um einen Plan B bemühen müssen. Für die Abwehr ist Jonathan Tah (19) vom Hamburger SV eingeplant. Die Vereine einigten sich gestern über den Transfer. Im Idealfall reist der Innenverteidiger dann direkt ins Trainingslager, das die Werkself nach ihrem Test heute beim FC Basel in Zell am See bezieht.

Quelle: RP
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