1. Bundesliga 17/18
| 13.49 Uhr

Letztes Spiel von Philipp Lahm
"Du wirst immer unser Kapitän bleiben"

Die Abschiede aus der Bundesliga
Die Abschiede aus der Bundesliga FOTO: dpa, hak nic
München. Philipp Lahm und Xabi Alonso beenden am Samstag ihre große Karriere. Nicht nur für Trainer Carlo Ancelotti ist dies ein trauriger und emotionaler Moment.

Carlo Ancelotti habe "wirklich alles gegeben", erzählt Philipp Lahm mit einem Schmunzeln. Jeden Tag habe ihn der Trainer gefragt, "ob ich nicht doch meine Meinung geändert habe". Doch der 33-Jährige ließ sich auch vom 57 Jahre alten Italiener nicht mehr umstimmen.

Am Samstag nach dem Heimspiel gegen den SC Freiburg wird der Kapitän des FC Bayern zum achten und letzten Mal die Meisterschale in die Höhe stemmen, er wird zum letzten Mal die berühmten Bierduschen erleben und das letzte Mal auf dem Rathaus-Balkon mit den Fans feiern – dann verlässt Lahm mit 21 Titeln und nach 652 Pflichtspielen zusammen mit Xabi Alonso die große Fußball-Bühne.

Lahm sagt Servus: Der Rückblick auf seine Karriere

Während Lahm in den vergangenen Tagen noch ohne große Wehmut über seinen bevorstehenden Abschied sprach, ist das Bedauern bei seinen Weggefährten umso größer. "Du wirst immer unser Kapitän bleiben. Es war uns eine große Ehre", twitterte Ancelotti mit viel Pathos. Man dürfe "traurig sein", betonte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der Lahm in der großen Bayern-Historie gleich neben "Kaiser" Franz Beckenbauer "einreihen möchte".

Schon am Freitag beim letzten Training an der Säbener Straße gab es große Gefühle. Ancelotti sprach von einem "sehr emotionalen Tag. Ich bin sehr stolz, dass ich diese Spieler trainieren durfte. Ich bin ein bisschen traurig, weil wir zwei sehr wichtige Spieler verlieren."

Nicht nur für Ancelotti oder Rummenigge ist der kleine Lahm, der 1989 bei der FT Gern mit dem Fußballspielen begann und 1995 als Elfjähriger zu den Bayern wechselte, einer der Größten im deutschen Fußball - ein Idol wie eben Beckenbauer, 54er-Held Fritz Walter und Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, die allesamt wie Lahm die deutsche Nationalmannschaft als Kapitän zum WM-Triumph geführt haben. Pep Guardiola stellte ihn einst gar über Lionel Messi. Lahm sei der "intelligenteste Fußballer, den ich je in meiner Karriere trainiert habe. Er ist eine absolute Legende."

"Ein wahrer Glücksgriff"

Legenden-Status genieße aber auch der Welt- und zweimalige Europameister Alonso, unterstrich Rummenigge. Doch dessen Abschied ging in den vergangenen Tagen im Trubel um Lahm fast unter. Dabei sei der 35 Jahre alte Spanier für den Rekordmeister "einer unserer besten Transfers der vergangenen Jahre, ein wahrer Glücksgriff", so Rummenigge über den "begnadeten Strategen und hochintelligenten Mann". Umso schwieriger wird es für Ancelotti, ohne seine Führungsspieler Lahm und Alonso den Umbruch bei den Bayern zu gestalten. Doch das war vor dem Saisonfinale kein Thema.

Fast alles drehte sich um Lahm und dessen Abgang am Samstag. Ob er seine Emotionen im Griff haben wird? Lahm weiß es einfach nicht. "Schau mer mal, was passiert. Das wird interessant", antwortete er auf die Frage, ob es bei ihm möglicherweise Tränen geben werde.

Überhaupt hat der Weltmeister, der immer so beherrscht wirkt, vor den letzten Stunden als Fußball-Profi etwas Bammel. "Ich freue mich sehr, bin aber auch sehr gespannt. Es wird ein sehr, sehr schöner, aber auch schwieriger und aufregender Abschied", sagte der Bayern-Kapitän. Eine Abschiedsrede hat er nicht vorbereitet: "Ich nehme mir nichts vor. Das wird eher spontan."

Genauso weiß Lahm nach seiner Absage für das Amt des Sportdirektors beim FC Bayern noch nicht so recht, was die Zukunft bringt. "Erst einmal Urlaub", aber dann? "Es ist alles möglich", sagte Lahm. Er freue sich erst einmal "auf das, was künftig kommt". Etwa auf "ein gemeinsames Frühstück am Wochenende" oder darauf, "nicht mehr nach dem Spielplan zu leben".

Aber erst einmal will er die letzten Stunden als Fußballer "möglichst genießen". Selbst die Bierduschen, auf die sich sein Trainer mental schon eingestellt hat. "Ich weiß, was passiert", sagte Ancelotti am Freitag und fügte mit einem Schmunzeln an: "Ich habe das Problem, dass ich nicht weglaufen kann, weil mein Knie kaputt ist. Aber ich bin bereit. Alles ist erlaubt. Alles!" Es ist angerichtet für den letzten Auftritt von Lahm und Alonso.

(sid)
 
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