1. Bundesliga 16/17
| 14.33 Uhr

Affront gegen Ancelotti
Gefährdet Robbens Tobsuchtsanfall den Bayern-Frieden?

Robbens Wutanfall erheitert Bayern-Bank
Robbens Wutanfall erheitert Bayern-Bank FOTO: Screenshot Sky
Düsseldorf. Ein Wutanfall von Arjen Robben wirft einen Schatten auf den 1:0-Sieg des FC Bayern München bei Borussia Mönchengladbach. Trainer und Teamkollegen reagieren gelassen auf die Star-Allüren des Niederländers. Von Antje Rehse

Arjen Robben war sauer. Wutentbrannt stiefelte er in der 85. Minute vom Platz, schon sein Handschlag mit Renato Sanches, der an der Seitenlinie zum Wechsel bereitstand, erinnerte eher an eine Watschn als an ein kameradschaftliches Abklatschen. Und auch Trainer Carlo Ancelotti ging es nicht besser. Robben ließ seine schlechte Stimmung an seinem Coach aus, schlug dessen ausgestreckte Hand weg.

Danach saß Robben auf der Bayern-Bank und verfolgte die letzten Minuten. Mit versteinerter Miene, innerlich noch immer vor Wut schäumend. Schlechte Stimmung also bei den Bayern? Mitnichten. Denn während Robben schmollte, feixten seine Teamkollegen. Jerome Boateng und Franck Ribery steckten die Köpfe zusammen und kicherten wie Schulmädchen, Xabi Alonso und Rafinha lachten sich schlapp. Das Schauspiel, das ihr Mitspieler in Gladbach bot, war einfach zu unterhaltsam.

In der Liga haben die Bayern auch in dieser Saison keine wirkliche Konkurrenz mehr. Auf 13 Punkte ist der Vorsprung auf Verfolger RB Leipzig angewachsen. Innerhalb der Mannschaft ist der Konkurrenzkampf dafür umso größer. Youngster Joshua Kimmich scharrt seit Wochen öffentlich mit den Hufen, weil er nicht mehr regelmäßig zum Stamm gehört. Thomas Müller, der in Gladbach seine Torflaute beendete, nimmt seine Situation als nicht mehr unumstößlicher Stammspieler nach außen hin ohne großes Murren an, will aber natürlich mehr.

Und Robben? Der ist für seinen Ehrgeiz bekannt. Der 33-Jährige will spielen, er will Tore schießen, er will Glanzlichter setzen. "Das zeigt, dass in ihm noch Feuer steckt", sagte Müller am Sonntagabend über den Groll des Niederländers. Aber könnte dessen Ego-Trip für die Bayern zur Gefahr werden? Wohl kaum. Dass Ancelotti mit schwierigen Profis umgehen kann, dass er ein Star-Ensemble mit ruhiger Hand führen kann, hat er in seiner Karriere ein ums andere Mal unter Beweis gestellt.

"Niemand ist ihm jemals böse"

Bei Real Madrid, beim AC Mailand, auch bei Paris Saint-Germain. Zlatan Ibrahimovic nennt ihn den besten Trainer aller Zeiten. "Ich konnte sofort sehen, dass er mehr ist als nur ein Trainer. Niemand ist ihm jemals böse, selbst wenn einer nicht spielt – denn er ist nicht nur dein Trainer, er ist dein Freund. Er ist unglaublich", sagt der exzentrische Schwede in dem Buch "Quiet Leadership" über Ancelotti. Das war ein Grund, warum die Bayern-Bosse den Italiener unbedingt als Nachfolger von Pep Guardiola wollten.

Ancelotti nahm die Szene dann auch gewohnt gelassen. "Ich war früher auch nicht begeistert, wenn ich ausgewechselt wurde. Ich habe kein Problem damit", sagte der Italiener. Und wer seine Reaktion auf Robbens Tobsuchtsanfall gesehen hatte, der kaufte dem Bayern-Trainer die Gelassenheit ab. Ancelotti klopfte Robben trotz dessen Affront noch väterlich auf die Schulter. 

Grund für Robbens Wutanfall war ohnehin weniger die Auswechslung selbst, sondern eine Szene sieben Minuten zuvor, in der Robert Lewandowski ihm nicht den Ball zugepasst hatte. Während Robben nach dem Spiel lieber schwieg, erklärte Lewandowski den Zwist für beendet. "Ich hätte ihm abspielen können, aber ich habe mich entschieden, zu schießen. Im Spiel muss man sich sehr schnell entscheiden", erläuterte er: "Arjen war einen Moment ein bisschen enttäuscht, aber wir haben kein Problem miteinander."

Robbens Mitspieler sind ebenfalls geschult darin, mit Star-Allüren des ein oder anderen Profis im Kader umzugehen. Sie wissen, wie wertvoll Robben vor allem für das große Ziel Champions League sein kann. "Fußballer sind auch nur Menschen. Wenn es bei ihm nach so vielen Jahren noch so kribbelt, ist das ein gutes Zeichen. Deswegen stehen wir vorne", sagte Müller.

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