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Borussias Wiedersehen mit Schalke
Das Maulwurf-Komplott

Borussia Mönchengladbach: Das Maulwurf-Komplott
Das 1:2 durch einen Platzfehler - Schalkes Eric Maxim Choupo-Moting (links) freut es, Borussias Torwart Yann Sommer signalisiert, dass er machtlos war, Innenverteidiger Jannik Vestergaard reklamiert vergeblich auf Abseits. FOTO: Imago
Mönchengladbach. In der vergangenen Saison scheiterte Borussia in der Europa League gegen Schalke unter besonderen Umständen. An diesem Samstag kommt es erneut zum Aufeinandertreffen zwischen Gladbach und Schalke. Von Karsten Kellermann

Der Schuldige wird für immer unerkannt bleiben, so wie der wahre Büchsenwerfer von 1971, dessen Tat Borussias grandioses 7:1 gegen Inter Mailand wegwischte. Vermutlich ist der Übeltäter aus dem März dieses Jahres dahin entschwunden, wo er herkam: ins Erdreich unter dem Spielfeld im Borussia-Park.

Nennen wir ihn "Leo", frei nach dem für Borussias Fans wohl schlimmsten Verschwörer, dem Schiedsrichter Leonardus van der Kroft. Der gab 1976 in Madrid zwei Borussen-Tore nicht und ebnete damit Real den Weg in die nächste Runde des Landesmeisterwettbewerbs. Der neue "Leo" vollbrachte Vergleichbares. Auch seine Tat ließ Borussia wie einst gegen Madrid mit 1:1 und 2:2 scheitern, dieses Mal in der Europa League an Schalke. Nicht seiner Pfiffe wegen, sondern weil er im Rückspiel den Kopf herausreckte aus dem Rasen und so den Ball, den Leon Goretzka geschossen hatte, ins Tor der Borussen lenkte. Es war das Anschlusstor der Schalker, später gab es obendrauf einen seltsamen Elfmeter. So ging das Komplott des unbekannten Maulwurfs auf.

Derart jedenfalls erklären manche Verschwörungstheoretiker das, was sich 16. März zutrug und Borussias ersten Einzug ins Viertelfinale der Europa League verhinderte. Natürlich gibt es weniger folkloristische Erklärungen, warum der Ball vor Yann Sommers Händen aufsprang und böse über ihn hinwegtrudelte. Der Rasen war neu verlegt worden für den großen Abend, doch es gab ein Loch, das im Lauf des Wettkampfes entstanden war. "Spielschaden" nennen Greenkeeper so etwas. Dieses Loch traf Goretzka. Das muss auch erst mal so kommen. Doch warum hätte es normal laufen sollten, wenn alles ohnehin skurril war? Binnen 13 Tagen gab es drei Treffen mit Schalke, so wollten es der Liga-Spielplan und das Europapokal-Los. Wer wissen will, was den "Mythos Borussia" ausmacht, muss nur die Geschehnisse dieser Tagen genauer betrachten - es ist wie eine Programmatik des Borussia-Daseins.

Erst gab es das fröhliche 4:2 in der Liga (3. März), dann im ersten Europa-League-Spiel ein 1:1 in Gelsenkirchen (9. März) - und schließlich den Showdown mit dem 2:2, mit dem in der Klub-DNA stets verankerten tragischen Scheitern. Die altgedienten Borussen-Fans können Litaneien an Erfahrungsberichten aus dem Themenbereich runterbeten, die Jüngeren erlebten es auf Europa-Ebene vielleicht zum ersten Mal. Und es war so typisch: Borussia machte alles richtig, der Himmel war voller Geigen - die plötzlich nur noch in Moll spielten. Christoph Kramer und Fabian Johnson verletzten sich, die Stabilität ging verloren, Schalke wurde stärker, kam heran und glich aus.

Nun, ein Klub, in dessen Geschichte es Pfostenbrüche, Büchsenwürfe, wertlose 12:0-Siege und viele weitere Murphys-Gesetz-Erlebnisse gab, den sollte ein Maulwurf-Komplott nicht umhauen. Natürlich schmerzte das Aus in jenen März-Tagen angesichts der verpassten Chance (ja, es gab Borussen-Fans, die hatten in Stockholm, dem Final-Ort, schon ein Hotel gebucht). Doch irgendwie ist es beruhigend, geht man weg vom Ergebnis und betrachtet alles auf der Metaebene, die der Fußball bei Traditionsklubs wie Gladbach nun mal hat, dass Borussia auch nach 117 Jahren zu ihrer Identität steht: In den Gesetzmäßigkeiten der Gladbach-Welt gibt es halt Schlupflöcher für Maulwürfe. Und sie gehören dahin.

Heute nun kommt Schalke, wie Borussia auch gern mal Drama-Queen, wieder. Zum vierten Mal trifft man sich in diesem Jahr. Es gibt einen neuen Rasen für das Spiel. Ob deswegen alles glatt läuft? Man könnte ein Orakel befragen. Oder besser den Maulwurf. Vielleicht schmiedet er das nächste Komplott. Man darf nichts ausschließen.

Unwichtig und langweilig waren Heimspiele gegen Schalke lange nicht. Im März gab es in der Europa League den "Mythos Borussia" in seiner reinsten Form. In der Liga gewann Gladbach dagegen acht der jüngsten neun Heimspiele gegen S04.

Quelle: RP
 
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