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Borussia Mönchengladbach
Flügel-Premiere bei Gladbachs Gala-Abend

Einzelkritik: Hazard und Raffael sind nicht zu bremsen
Einzelkritik: Hazard und Raffael sind nicht zu bremsen FOTO: dpa, gki cul
Mönchengladbach. Patrick Herrmann und Fabian Johnson besetzen beim 6:1 gegen die Young Boys Bern erstmals die Außen in Borussias 3-5-2-System. Von Jannik Sorgatz

Wie ein Schulanfänger hatte sich André Schubert im vergangenen Herbst gefühlt. Permanent wurde er an mehr oder minder prägende Premieren erinnert. "Das erste Mal im grünen Pullover, das erste Mal im Anzug, ich weiß nicht, wie oft das erste Mal", sagte Schubert nach seinem ersten Spiel als Cheftrainer.

Neun Monate später ist die Suche nach ersten Malen noch kleinteiliger geworden, zu ereignisreich war die vergangene Saison. Gestern, beim überragenden 6:1 (3:0) gegen die Young Boys Bern, das die erneute Teilnahme an der Gruppenphase der Champions League sicherte, schlug der Premieren-Detektor bei Fabian Johnson und Patrick Herrmann aus.

Wie unter Lucien Favre – nur anders

Zum ersten Mal, seit Schubert die Dreierkette eingeführt hat, besetzte dieses Duo die Flügel. Zuletzt hatten sie das am 30. September 2015 gegen Manchester City getan, damals noch im Lucien-Favre-Style als Teil des 4-4-2 mit Viererkette. Diesem über Jahre perfektionierten System hatte Schubert nach seiner Übernahme zunächst einen etwas mutigeren Anstrich verpasst. Die Einführung des 3-5-2 bzw. 3-4-3 erlebte Herrmann nach seinem Kreuzbandriss von der Tribüne aus. Offensiv ist das Jobprofil nun ähnlich, defensiv dagegen erledigen Johnson und Herrmann zusätzlich Aufgaben, für die früher Oscar Wendt und Julian Korb zuständig waren. So entsteht ein Hybrid aus verteidigenden Flügelstürmern und stürmenden Außenverteidigern.

Bereits in der vierten Minute waren sich Johnson und Herrmann so nah, wie später nur noch in den diversen Jubeltrauben oder in der Halbzeitpause. Lars Stindl steckte den Ball in der Mitte durch. Von links rauschte Johnson heran, von rechts Herrmann, doch der Pass erreichte Raffael. Bei dessen Pfostenschuss hatte die eingerückte Flügel-Kombo lediglich die besten Zuschauerplätze.

Kurz darauf beim 1:0 befand sich Herrmann in der glücklichen Position, neuerdings im Zentrum drei statt zwei Anspielstationen vorzufinden. Der 25-Jährige nahm den Kopf hoch, bediente Raffael an der Strafraumgrenze, und Thorgan Hazard erledigte mit seinem Pirouettenabschluss den Rest. Es war das erste von sechs zum Teil herrlich herausgespielten Toren, die Raffael und Hazard letztlich gerecht unter sich aufteilten.

André Schubert benötigt disziplinierte Extremsportler

Nur selten zwang Bern Borussias Außenspieler in die Rolle, in der sie wie Handballer permanent pendeln zwischen den Grundlinien. Johnson hätte in der 21. Minute beinahe selbst auf 2:0 erhöht. Raffael hatte ihn bei einem Tempogegenstoß, um im Handballjargon zu bleiben, auf die Reise geschickt. Berns Torwart Yvon Mvogo parierte.

Als dann nach einer guten halben Stunde der zweite Treffer fiel, war Herrmann der Vorbereiter, weil er die Abwehr der Young Boys so unter Druck setzte, dass sie den Ball verlor. Zurückziehen und aus der Dreier- eine Fünferkette machen, vorne den Dreier- bisweilen zum Fünfersturm werden lassen – unter Schubert sind auf der Außenbahn disziplinierte Extremsportler gefragt.

Die Kombination Johnson-Herrmann war die dritte im dritten Pflichtspiel. In Bern stellte der Trainer mit Wendt-Traoré asymmetrisch auf, in Drochtersen war ein 4-3-3 mit Herrmann-Traoré auf den Flügeln angesagt. Selbst wenn man Nico Schulz, der momentan in der U23 Spielpraxis sammelt, sowie die diversen Perspektivspieler nicht mitzählt, hat Schubert auf den Flügeln 13 Kombinationsmöglichkeiten. Die reichen von Wendt-Elvedi am unteren Ende der Waghalsigkeits-Skala bis zu Traoré-Herrmann.

Bei aller Liebe zur Rotation - erst sieben, dann acht Wechsel - dürfte Schubert nicht erst alle Optionen durchspielen, bevor er auf der Außenbahn zum Wiederholungstäter wird. Johnson und Herrmann haben gute Chancen, dem Trainer allzu viele weitere erste Male zu ersparen. Nicht nur, weil sie gegen Bern dabei halfen, statt einer Zitterpartie einen Gala-Abend zu bieten. Die Lösung Johnson-Herrmann ist inmitten der 13 Flügel-Möglichkeiten nahe am Mainstream.

Quelle: RP
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