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Borussia Mönchengladbach
Eine einfache, aber seltene Rechnung

Borussia Mönchengladbach: Eine einfache, aber seltene Rechnung
Nach dem 2:1 gegen Bayer Leverkusen zum Start in die Bundesligasaison kann Borussia am Samstag beim SC Freiburg nachlegen. Sechs Punkte aus den ersten beiden Spielen holte der VfL zuletzt 1995. FOTO: Jannik Sorgatz
Mönchengladbach. Sagenhaft gute Saisonstarts sind in der Regel nicht Borussias Ding. Ein Sieg in Freiburg wäre in vielerlei Hinsicht besonders. Von Jannik Sorgatz

Die sportliche Renaissance seit der Relegation hat Borussia ein paar sehr offensichtliche Erfolge beschert: viermal die Qualifikation für den Europapokal, davon zweimal für die Gruppenphase der Champions League, im Schnitt Platz fünf in der Bundesliga.

Auf den zweiten Blick finden sich Errungenschaften wie gleich zwei Auswärtssiege beim FC Bayern, nachdem Gladbach dort zuvor in 43 Anläufen nur einmal gewonnen hatte, dazu drei Heimsiege in Folge gegen Bayer Leverkusen nach 26 Jahren ohne einen einzigen sowie der erste Erfolg bei Werder Bremen seit 1987. So weit, so erfolgreich.

Ohne Erfolg wird seit 2011 jedoch die Suche nach zwei gewonnenen Bundesligaspielen zum Saisonstart verlaufen. Das ist Borussia zuletzt 1995/96 gelungen, als sie 1:0 auf dem Bökelberg gegen den SC Freiburg gewann und 3:1 auf dem Betzenberg beim 1. FC Kaiserslautern.

Nun hat Borussia in ihrer Geschichte 48 komplette Bundesligaspielzeiten angehäuft, nicht wenige davon verliefen erfolgreich, auch wenn vor der besagten Renaissance die düsteren Jahre lagen. Nur selten allerdings ist die Mannschaft perfekt aus dem Startblock gekommen, wie der Usain Bolt der Bundesliga nimmt sie generationsübergreifend gerne mal verspätet Fahrt auf. Die Rekord-Siegesserie innerhalb einer Saison wurde entsprechend an den letzten zehn Spieltagen 1986/87 aufgestellt. Vergangene Saison schaffte der VfL als erster Verein, der die ersten fünf Spiele verloren hatte, noch die Qualifikation für den Europapokal. So schlecht startet nicht einmal Usain Bolt. Und selbst hinter den 18 Spielen ohne Niederlage zu Beginn der Saison 2014/15, mehr als zu Zeiten Hennes Weisweilers, steckte kein sagenhafter Lauf, sondern eine erhebliche Anzahl mühsam erkämpfter Unentschieden.

Drei Punkte in Freiburg wären also nicht nur deshalb höchst ungewöhnlich, weil Borussia seit 2002 kein Bundesligaspiel im Breisgau mehr gewonnen hat. Der Siegtorschütze von damals, der heutige U23-Trainer Arie van Lent, hat kürzlich seinen 46. Geburtstag gefeiert. Aber - siehe Bayern-, Leverkusen- und Bremen-Fluch a. D. - solche Serien knöpft Borussia sich in letzter Zeit gerne mal vor.

Überhaupt gab es erst fünfmal zwei Siege zum Ligastart, in den Jahren 1972 und 1973 wurden es am Ende sogar drei. Fortuna Köln, Rot-Weiss Essen, Wuppertaler SV - die Namen der Gegner haben längst Staub angesetzt. Dagegen ist die Kunst des Fehlstarts am Niederrhein ausgeprägter. Elf der 16 Borussia-Trainer, die mitten in der Saison gehen mussten oder freiwillig gingen, erlebten das Ende der Hinrunde nicht, drei waren schon im September weg.

So kam André Schubert vergangenes Jahr zu dem Job, der ihn nun erstmals als Profitrainer nach Freiburg führt. Da seine Bilanz dort weder positiv noch negativ, sondern schlichtweg nicht messbar ist, würde er zu dem Thema wohl sein Credo wiederholen, sich nur mit Dingen zu befassen, die er beeinflussen kann. Fünf seiner Profis haben schon ein Bundesligaspiel in Freiburg gewonnen, Raffael als einziger zwei, auf einen Sieg kommen Lars Stindl, Jannik Vestergaard, André Hahn und Jonas Hofmann.

Zu guter Letzt kann Borussia am Samstag mit dem fünften Sieg im fünften Pflichtspiel bereits einen Vereinsrekord einstellen. Das ist ihr nur 1972 gelungen, als drei Erfolge in der Bundesliga umrahmt wurden von einem 3:2 und einem 6:3 in der ersten Runde des Uefa-Cups gegen den FC Aberdeen. Das Wort "Vereinsrekord" ohne die Vorsilben "Negativ" zu benutzen, ist übrigens noch so eine Nebenerscheinung der sportlichen Renaissance.

Quelle: RP
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