1. Bundesliga 16/17
| 10.35 Uhr

Von Aubameyang bis Zorniger
Das ABC der Bundesliga-Saison

Bilder: Tränen und Bier: Die Bundesliga-Abschiede
Bilder: Tränen und Bier: Die Bundesliga-Abschiede FOTO: afp
Düsseldorf. Von Batman-Imitator Pierre-Emerick Aubameyang bis Alexander Zorniger, dem Vater des Stuttgarter Abstiegs: In unserem ABC lassen wir die Bundesliga-Saison Revue passieren. Von Robert Peters

Aubameyang, Pierre-­Emerick. Großartige Frisur-­Ideen, Batmans Vertreter auf Erden. Läuft so schnell, wie Lucky Luke schießt: schneller als sein Schatten. Überholt sich dabei manchmal selbst, schießt aber neuerdings sehr zuverlässig ganz viele Tore. Dortmunds Antwort auf "L wie Lewandowski".

Bayern, die. Allen nationalen Maßstäben inzwischen entrückt, spielten mal wieder die eigene Meisterschaft und werden – außer von Dortmund und den offenbar unverträglichen Gladbachern – nur von der eigenen B-­Mannschaft im Training ausreichend gefordert. Geben an einem Tag über 70 Millionen Euro nach dem Balotelli­-Prinzip aus. Der italienische Fußballprofi antwortete Polizisten, die ihn fragten, warum er 5000 Pfund im Auto bei sich führe: "Weil ich reich bin."

Chicharito, Hernandez. Die kleine Erbse verschaffte Bayer Leverkusen auf einen Schlag 120 Millionen neue Fans – alle Einwohner Mexikos.

Darmstadt, SV. Ganz Deutschland ist von Hightech­-Arenen besetzt, von Fußballphilosophen und feinfühligen Athleten. Nur ein kleines Dorf leistet Widerstand mit ruppigem Fußball der erdigen Art. Sein eigener Miraculix (Dirk Schuster) hat den Zaubertrank gemischt, der Vereins­Obelix (Sandro Wagner) ist als Nachwuchsspieler in den Trank gefallen. Doch die Besatzer haben die Hand schon ausgestreckt. Obelix wird weggekauft, das Dorf der Unbeugsamen ist bald wieder ein Dorf von vielen.

Eintracht, die Frankfurter. Zuverlässige Größe im Abstiegskampf. Diesmal mit einem halben Happy­-End und neuen Träumen. Wir sprechen uns im nächsten Jahr, vielleicht schon nach der Relegation.

Fredi, Bobic. Als Spieler mal eine Ecke im magischen Dreieck, als Manager nicht erfolgsverdächtig. Trotzdem der neue Mann für "Eintracht, die Frankfurter". Die fühlt sich ihrem Ruf verpflichtet.

Guardiola, Pep. Hat in München mehrere taktische Parallel­-Universen geschaffen. Außerdem Erfinder des dreifachen Jublers: "Top, top, top", "super, super, super", "Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn". Aus anderen Dreifach­-Erfolgen (Triple) wurde trotzdem nichts.

Hummels, Mats. Hochbegabter Selbsterklärer und beinahe ebenso hochbegabter Verteidiger. Hat in achtjähriger intensiver 17.5.2016 2/3 Selbsterforschung die Münchner Familienwurzeln entdeckt und wird sicher bald zum bayerischen Heimatrechtler.

Innenverteidigung, die. Wird zunehmend zum Arbeitsplatz sogenannter Spielentwickler. Im Aussterben begriffen ist die alte Gattung der grätschenden Kopfball-Ungeheuer – ausgenommen "Darmstadt", das Dorf der Unbeugsamen.

Jubelgesten, die. Auch in dieser Saison offenbar wieder ein zentraler Inhalt der Trainingsarbeit. Sehr einfallsreich und mit den besten Noten für den künstlerischen Ausdruck: "Aubameyang, Pierre­Emerick".

Kette, die. Die Geheimnisse der Dreier­, Fünfer­, Siebenerkette sind endgültig gelüftet. Das hat die Welt "Guardiola, Pep", "Mann, der dünne" und "Schubert, André" zu verdanken.

Lewandowski, Robert. Menschenähnlicher Fußballroboter aus Polen. Hochgradig perfekte Ausführung, noch mit ganz leichten gelegentlichen Aussetzern vor dem Tor. Erinnert an die legendären Modelle Müller, Gerd, Müller, Dieter.

Mann, der dünne. Experten auch unter dem Namen Thomas Tuchel bekannt. Hat ganz Dortmund bewiesen, dass zum Erfolg weder Zähnefletschen noch Ausdruckstanz am Spielfeldrand dringend notwendig sind. Fachkundiges Handeln und Ernährungspläne reichen.

Nagelsmann, Julian. Jüngster je zum Cheftrainer in der Bundesliga beförderter Mensch. Eine neue Bestleistung des SAP-­Konzerns und seines Gründers Dietmar Hopp. Kaut Kaugummi wie Carlo Ancelotti und fühlt sich manchmal genauso gut.

Obst, das. Stand in dieser Saison nicht nur bei "Mann, der dünne" regelmäßig auf dem Speiseplan. Zum Glück wird es nicht mehr in den Bayern-Strafraum geworfen, seit Oliver Kahn seine Dienststelle in die Kommentatoren-Kabine verlegt hat.

Pressing, das. Altmodisch, längst um Gegenpressing und andere Mätzchen erweitert. Ausdrücklicher Dank an "Guardiola, Pep", "Mann, der dünne" und "Schubert, André".

Querpass, der. Kommt auch im Jahr 2015/16 immer noch vor. Damit stürmen sogenannte Sechser an die Spitze der Ballkontakt­-Tabelle. Deren Wert für den Fußball ist noch nicht abschließend geklärt.

Rotation, die. Von Ottmar Hitzfeld in den Gründerjahren der Champions League ersonnen, inzwischen nur von "Darmstadt", im Dorf der Unbeugsamen nicht angewendet.

Schubert, André. Fröhlicher Wecker bei den Mönchengladbacher Spätstartern. Hat das Lächeln der Mona Lisa in die Bundesliga getragen, ist deshalb bei den weniger kunstsinnigen Fußball­Experten nicht unumstritten. Findet es toll, in einem Spiel mindestens dreimal die Taktik zu ändern – sieht sich dann als Stellvertreter von "Guardiola, Pep", am Niederrhein.

Taktik, die. Endgültig auch am Stammtisch angekommen. Auch hier herzlichen Dank an "Guardiola, Pep", "Mann, der dünne", "Schubert, André".

Umkehrspiel, das. Schöner neuer Begriff für den Stammtisch und jene, die das altmodische Wort Konter vermeiden wollen.

Verteidigung, die. Den meisten Teams lästige Pflicht, nur in "Darmstadt", dem Dorf der Unbeugsamen, in Ingolstadt und Augsburg noch der schönste fußballerische Lebensinhalt. Einst eine deutsche Primärtugend.

Wolfsburg, VfL. Fühlte sich vor genau einem Jahr als legitimer Bayern­-Verfolger. Unterlief selbst pessimistische Erwartungen grandios. Hatte dafür die beiden wichtigsten Pausenclowns der Liga – "Lord" Bendtner und den Nachtclub­-Freund Max Kruse.

Xhaka, Granit. Mönchengladbacher Spielmacher mit der Lizenz zum mannschaftsdienlichen Rüpeln. Übertreibt Letzteres manchmal, aber ist so gut, dass ihn auch ganz reiche Engländer bald rüpeln sehen wollen.

Y­-Chromosom, das. Steht für die männliche Grundausstattung des Individuums. Auch in dieser Saison im Übermaß vorhanden – nicht nur auf dem Platz.

Zorniger, Alexander. Der Vater des Stuttgarter Abstiegs. Jagte seine Mannschaft unter strenger Vermeidung von "Verteidigung, die" durch die gegnerische Hälfte. Von der fälligen Gegentorflut hat sich der VfB nicht mehr erholt.

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