1. Bundesliga 16/17
| 14.03 Uhr

147. Revierderby
Die Neulinge: Tuchel und Breitenreiter vor Derby-Debüt

Die Neulinge: Thomas Tuchel gegen André Breitenreiter vor Derby-Debüt
Für Thomas Tuchel und André Breitenreiter ist es das erste Revierderby. FOTO: dpa, bt hpl
Dortmund. Am Sonntag treffen Borussia Dortmund und der FC Schalke 04 im 147. Revierderby aufeinander. Für die beiden Trainer ist es jeweils das erste: Thomas Tuchel und Andre Breitenreiter sind Derby-Neulinge. Von Patrick Scherer

Thomas Tuchel schlendert nach dem 4:0 in der Europa League gegen Qäbälä am späten Donnerstagabend lässig lächelnd, mit den Händen in den Taschen der Jogginghose aus dem Presseraum im Dortmunder Stadion. Auf seinem Weg zurück Richtung Kabine bleibt der Borussia-Coach im vereinseigenen Museum für ein, zwei Sekunden an einem Fernseher stehen. Er macht einen Schritt auf das Gerät zu, auf dem das Europa-League-Spiel zwischen Prag und Schalke zu sehen ist, nimmt den 1:1-Zwischenstand – der auch Endstand sein wird – regungs- und wortlos wahr und sucht sofort wieder den lockeren Plausch mit seinen Weggefährten. Minuten zuvor hatte Tuchel den Medienvertretern zu Protokoll gegeben: "Das Derby ist bei mir noch nicht angekommen - und zwar noch gar nicht. Aber das wird sich hoffentlich ändern, wir haben ja noch ein paar Tage Zeit."

Ob sich vor dem morgigen Aufeinandertreffen des Bundesliga-Zweiten Dortmund und des Vierten Schalke (15.30 Uhr) mittlerweile echtes Derbyfeeling bei Tuchel, der in den kommenden zwei Wochen auf Marco Reus (Faserriss in den Adduktoren) verzichten muss, eingestellt hat, ist nicht überliefert. Es ist aber davon auszugehen, dass sich der 42-Jährige das Remis der Gelsenkirchener in Tschechien aus analytischen Gründen in der Zwischenzeit etwas ausführlicher zu Gemüte geführt hat.

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Für Tuchel, der vor der Saison Jürgen Klopp an der Seitenlinie abgelöst hatte, wird es das erste Revierderby als Trainer. "Wir hatten schon ein paar Spiele, in der eine ganz besondere Energie im Stadion zu spüren war - gegen Mönchengladbach oder Leverkusen. Das war eine besondere Dichte in der Atmosphäre", sagte der Coach und glaubt an eine Steigerung der Emotionen: "Ich kann mir vorstellen, dass da noch ein bisschen mehr geht, wenn das Derby ansteht. Ich habe vor, mich komplett darauf einzulassen."

Auf der Bank ein paar Meter weiter rechts von Tuchel, dessen Team aufgrund der Formstärke und des Heimvorteils die Favoritenrolle inne hat, wird in André Breitenreiter noch eine Revierderby-Jungfrau sitzen. Dass der ebenfalls 42-Jährige verstanden hat, was der Minimalanspruch der Anhänger in diesen prestigeträchtigen Aufeinandertreffen ist, bewies er mit folgender Voraussage nach dem spielerisch schwachen Auftritt in Prag. "Die Jungs werden alles geben. Und wenn wir nicht gewinnen, werden wir ihnen wenigstens den Rasen umpflügen", betonte Breitenreiter. Bei seiner einzigen Profitrainerstation zuvor, im nicht gerade exemplarisch für ekstatische Exzesse stehenden Paderborn, hat er noch keine vergleichbar brisante Partie erlebt. Dafür kann Breitenreiter vorweisen, als Aktiver in vier Erstliga-Duellen mit St. Pauli für den Hamburger SV am Ball gewesen zu sein.

Porträt: Das ist André Breitenreiter FOTO: dpa, pst cul

Tuchels Derby-Höhepunkte als Aktiver beziehen sich auf zwei Spiele in der Regionalliga für den SSV Ulm gegen Reutlingen 1995. Als Trainer gewann er von vier rheinland-pfälzischen Bundesliga-Partien mit Mainz gegen Kaiserslautern immerhin drei.

Es bedarf aber keiner großen hellseherischen Fähigkeiten, um zu behaupten, dass beide Trainer morgen in Sachen Derby eine neue, höhere Ebene erreichen werden - auch wenn der Schalker Anhang nicht so zahlreich wie sonst vertreten sein wird. Die Ultras Gelsenkirchen haben aufgrund strenger polizeilicher Auflagen und der Reduzierung der Gästetickets von 8150 auf 6500 zum Boykott aufgerufen und bereits 850 Karten an Borussias Geschäftsstelle zurückgeschickt.

Quelle: RP
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