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Champions-League-Bilanz
Borussia fehlt die Erfahrung – Aufwärmprogramm für die Bayern

Calhanoglu vergibt Großchance gegen Barcelona
Calhanoglu vergibt Großchance gegen Barcelona FOTO: ap, FO
Düsseldorf. Von vier deutschen Teams sind in der Champions League nur noch zwei übrig. Die ewigen Bayern und Wolfsburg, der Vorjahres-Vizemeister. Bayer Leverkusen vergab eine große Chance, Mönchengladbach scheiterte an mangelnder Erfahrung. Von Robert Peters

Es war schon mal besser, viel besser. Zum Beispiel in den vergangenen beiden Jahren. Da zog die Bundesliga mit allen vier zur Gruppenphase angetretenen Teams ins Achtelfinale der Champions League ein. Die Zwischenbilanz in diesem Jahr fällt deutlich schwächer aus. Nur zwei Mannschaften sind dabei, wenn es im nächsten Jahr richtig ernst wird in den europäischen Fußball-Höhen: die ewigen Bayern und Vizemeister VfL Wolfsburg. Bayer Leverkusen darf immerhin als Teilnehmer der Europa League überwintern. Borussia Mönchengladbach hat sich völlig aus dem europäischen Wettbewerb verabschiedet. Die Lage nach der Gruppenphase.

Bayern München Für den Rekordmeister waren die Gruppenspiele erneut nicht mehr als ein Aufwärmprogramm. Die Münchner erledigten ihre Pflichtaufgaben allerdings ziemlich seriös. Sie ließen sich nur einmal, bei Arsenal London, überraschen. Sonst setzten sie ihre fußballerische Überlegenheit in sehr eindeutige Ergebnisse um. Die hohe Dichte im Aufgebot treibt jeden Akteur an. Das erfreut auch ein neutrales Publikum, denn die Bayern der Neuzeit verwalten ihre Ergebnisse nicht mehr, sie drücken noch aufs Tempo, wenn der Gegner längst geschlagen ist. So wirklich schwierig wird es für den Abo-Meister erst im Frühjahr. In den Begegnungen mit den Größen der Branche wird sich zeigen, ob Pep Guardiolas Über-Bayern reif sind für den Angriff auf die Spitze. Zurzeit scheint es so. Aber das sah in den zurückliegenden Spielzeiten auch so aus, ehe die spanischen Topklubs Real Madrid und FC Barcelona für eine schmerzhafte Standortbestimmung sorgten.

VfL Wolfsburg Der Vizemeister vom Sommer erinnert rechtzeitig zum Ende der Gruppenphase an sein wahres Leistungsvermögen. Auch ohne das Genie von Kevin De Bruyne kann Wolfsburg sehenswerten und zielstrebigen Fußball spielen. "Es wird immer besser", stellte Trainer Dieter Hecking fest. Seine Mannschaft findet ihre Ordnung wieder. Und wenn der als De-Bruyne-Ersatz verpflichtete Julian Draxler Leistungen wie die gegen Manchester United in den kommenden Begegnungen bestätigt, dann muss für das VW-Werksteam das Achtelfinale nicht die Endstation sein.

Bayer Leverkusen Das andere deutsche Werksteam hat dagegen eine gute Gelegenheit regelrecht verschwendet. Schon in den ersten fünf Spielen der Gruppenphase hätte Bayer mehr als fünf Punkte holen können. Gegen die eher an der eigenen Gesundheit als an einem intensiven Spiel interessierte B-Elf des FC Barcelona hätte Leverkusen gewinnen müssen. Während ein paar Spieler wortreich zur Schönrederei (Kevin Kampl) aufbrachen, machte zumindest Sportdirektor Rudi Völler seinem Ärger über eine verpasste Chance Luft. Seine Mannschaft spielte einfach nicht entschlossen genug. Und es ist eher billig, sich für die fußballerischen Grundtugenden wie Einsatz und Laufbereitschaft zu feiern. Die Teilnahme an der Europa League ist für Bayers Ansprüche und den entsprechenden finanziellen Aufwand viel zu wenig.

"Wir müssen das nun annehmen und das Beste daraus machen", knurrte Völler. Dass Trainer Roger Schmidt nach dem 1:1 gegen Barcelona in bemerkenswert schlechter Laune beinahe ein TV-Interview platzen ließ, unterstreicht die Stimmungslage in Leverkusen.

Borussia Mönchengladbach Beim nächsten Bundesliga-Gegner der Leverkusener sieht das anders aus. Dort beglückwünschen sich Funktionäre und Spieler dazu, mit größtenteils respektablen Leistungen am Ende doch nur Letzter der Gruppe geworden zu sein. Zu viel Zufriedenheit ist aber fehl am Platz. Denn es gibt ein paar schmerzhafte Lehren. Dazu gehört die Feststellung, dass auf der höchsten europäischen Ebene aus kleinen Fehlern schnell spielentscheidende Patzer werden. Gladbach scheiterte in der besten aller deutschen Vorrunden-Gruppen an mangelnder Erfahrung. Die Mannschaft hat auf ihrem schwierigen Weg durch diese Gruppe allerdings auch ihre Lernfähigkeit nachgewiesen. Das gibt den Mönchengladbachern Hoffnung.

Vor allem, weil sie nicht vergessen haben, woher sie kommen. Dafür brauchen sie nicht einmal ein besonders ausgeprägtes Gedächtnis. Vor fünf Jahren war die niederrheinische Borussia ein abgeschlagener Abstiegskandidat in der Bundesliga. Heute gehört sie zu den Teams, die ausdauernd um die Plätze im internationalen Fußball kämpfen. Das ist eine Sensation. Zu der größeren Sensation, dem Weiterkommen in der Champions League, reichte es nicht. Noch nicht.

Quelle: RP
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