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Hoffen auf Youngster Kapustka
In Krakau ist nicht Lewandowski der Star

EM 2016: Krakau setzt seine Hoffnungen in Youngster Bartosz Kapustka
Der 19-jährige Bartosz Kapustka ist Polens neuer Shooting-Star. FOTO: afp, lv
Krakau. Beflügelt vom ersten Sieg bei einer EM haben die polnischen Fans vor dem Spiel gegen die ungeliebten Deutschen einen neuen Hoffnungsträger gefunden. Er verdient sein Geld in Krakau. Von Jessica Balleer

Es ist nicht das Gesicht von Robert "Lewy" Lewandowski, dem Stürmer-Star von Bayern München und Polens Fußballer des Jahres, das derzeit die Cover polnischer Sportmagazine ziert. Fünf Tage nach dem Sieg im EM-Gruppenspiel gegen Nordirland haben die Polen einen neuen Shootingstar auserkoren: Er heißt Bartosz Kapustka und ist gerade einmal 19 Jahre alt.

Vor dem Spiel gegen Deutschland setzen sie vor allem in Krakau, der Stadt seines Heimatvereins, viele Hoffnungen in Kapustka: "Er kann Neuer überwinden", sagt Matyas. Der Wirt schenkt an diesem Abend in der "Polski Bar" Bier aus – vornehmlich an Touristen, die den Krakauer Marktplatz bewundern und sich das Spiel Frankreich gegen Albanien anschauen. Polnische Fußballanhänger? Fehlanzeige.

Hooligan-Hochburg Krakau

Wimpel, Autofahnen oder Fans in rot-weißen Trikots jedenfalls sind in Krakau nicht zu sehen. Public Viewing gibt es in der zweitgrößten Stadt Polens nicht, obwohl hier gleich zwei Mannschaften der ersten Liga "Ekstraklasa" beheimatet sind: KS Cracovia, das Team von Kapustka, und Wisla Krakau. Geschaut wird in Bars und Kneipen. Public Viewing sei "zu teuer", sagt Barmann Matyas, "und zu gefährlich." Die Angst vor Terrorismus und vor Ausschreitungen beim Rudelgucken sei zu groß. Kein Wunder, ist Krakau doch für seine Hooligan-Szene berüchtigt.

Während einige Hooligan-Gruppen zumindest den Kodex der waffenlosen Kämpfe einhalten, bekämpft man sich in Krakau regelmäßig mit Äxten, Messern und Macheten. Die Straßen gehören entweder den "Sharks", den Hooligans von Wisla, oder der "Jude Gang" von Cracovia. Eine uralte Feindschaft. Es habe eine Zeit gegeben, erzählt ein älterer polnischer Herr in der "Polski-Bar", in der kein Derby ohne einen Toten verlaufen sei.

Nach Polens allererstem EM-Sieg am Sonntagabend aber scheint mehr gelungenen zu sein, als das Brechen eines Negativrekords. Auf dem Krakauer Marktplatz hatten sie nach Abpfiff alle gemeinsam in Rot und Weiß gefeiert. "Bartosz Kapustka" war im überschwänglichen Singsang zu hören. Der 19-jährige Mittelfeldspieler überzeugt derzeit nicht nur spielerisch, sondern hebt auch Widersprüche auf. Er hebt die Rivalität zweier verfeindeter Klubs auf. Dass er für Cracovia spielt, wird selbst in der Hooligan-Hochburg Krakau zweitrangig, wenn er für das Heimatland aufläuft.

"Wir wollen Deutschland schon ärgern", sagt Matyas dann noch, fügt aber hinzu, dass die Chancen für Polen im dritten Spiel gegen die Ukraine wohl deutlich besser stehen. Spannung und Vorfreude auf das Nachbarduell sind hier zwar kaum sichtbar, aber dennoch groß. Immerhin ist Fußball auch in Polen der Nationalsport Nummer eins.

Den deutschen Touristen in der selbsternannten Kulturhauptstadt Polens geht das ähnlich. Zwar sind auch Deutschlandtrikots nur vereinzelt zu sehen, "aber wir haben uns schon eine Kneipe ausgesucht, in der wir gucken", sagt eine Gruppe von Freunden aus Köln. Sie will mit Bier auf einen Sieg der DFB-Elf anstoßen – und mit Wodka auf das deutsch-polnische Miteinander.

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