1. Bundesliga 16/17
| 21.53 Uhr

Revolte gegen Breitenreiter
Schalker Profis mosern über Trainer

Porträt: Das ist André Breitenreiter
Porträt: Das ist André Breitenreiter FOTO: dpa, pst cul
Gelsenkirchen. Einige Spieler sollen gegen Andre Breitenreiter revoltieren. Manager Horst Heldt widerspricht der Darstellung. Von Gianni Costa und Patrick Scherer

Horst Heldt ist darum bemüht, die Unstimmigkeiten für beendet zu erklären, bevor es zu viele Nachfragen gibt. Also erklärt der Sportvorstand von undesligist FC Schalke 04 staatstragend gestern am frühen Mittag: "Wir haben hier keine Trainer-Diskussion, sind mit Breitenreiter zufrieden. Die Mannschaft ist intakt, folgt dem Trainer zu 100 Prozent. Diese Diskussion ist völlig Banane." Wenige Stunden zuvor hat der TV-Sender "Sky" über eine angebliche Revolte gegen Andre Breitenreiter berichtet. Der Trainer würde von Teilen der Mannschaft massiv kritisiert. Seine Übungseinheiten, so der Vorwurf von Profis, die als Informanten gedient hätten, seien einfallslos. Die taktische Analyse im Nachgang von Partien unzureichend, und der Coach würde auf Kritik beratungsresistent reagieren.

Solche Vorwürfe sind auf Schalke nicht ganz unbekannt. In der Ära von Felix Magath und auch bei Roberto Di Matteo waren ähnliche Töne zu hören. Breitenreiter, da waren sich unmittelbar nach der Verpflichtung vor der Saison alle Handlungsbeteiligten einig, würde nun viel fröhlicher an sein Tagwerk gehen. Tatsächlich lacht der 45-Jährige auch immer betont ausführlich vor laufenden Kameras. Hinter den Kulissen soll er sich ganz anders präsentieren. Ein leitender Mitarbeiter des FC Schalke spricht im Gespräch mit unserer Redaktion von einem divenhaften Verhalten, Breitenreiter wäre im Umgang nicht immer ganz einfach und würde auch schon mal Leute, die nicht seiner Meinung seien, abkanzeln. Anschuldigungen dieser Art sind immer mit der nötigen Vorsicht zu genießen, da auch persönliche Interessen dabei mitschwingen. Im Fall von Breitenreiter melden sich mittlerweile aber ein paar mehr Kritiker zu Wort.

Schalke - Bremen FOTO: ap

Heldt, der Breitenreiter schließlich verpflichtet hat, kommt naturgemäß zu einer anderen Einschätzung: "Ich halte das für völligen Schwachsinn, kann das nicht ansatzweise bestätigen. Breitenreiter ist ein hervorragender Trainer, der dabei auch harte Entscheidungen treffen muss – einen Ja-Sager brauchen wir nicht."

Besonders überraschend kommt für einige Beobachter der Zeitpunkt der geäußerten Vorwürfe. Zwar misslang der Rückrundenstart mit einem 1:3 gegen Werder Bremen auf eigenem Platz. Doch im Wintertrainingslager Anfang Januar in Orlando (USA) schien – zumindest in der Außendarstellung – die Stimmung einwandfrei. Pierre-Emile Höjbjerg, Leon Goretzka, Max Meyer und Zugang Younes Belhanda jubelten bei einem NBA-Spiel so laut, dass sie auf dem Videowürfel erschienen. Damit erfüllten sie die Bedingung Breitenreiters, um Strafläufe zu verhindern. Eigentlich ein Zeichen für ein gesundes, lockeres Arbeitsverhältnis zwischen Spielern und Trainer.

Manager Heidel und Schalke wohl einig

Nun hat sich auf Schalke mit einer Trainerdiskussion, die nach diesen Anschuldigungen bei ausbleibendem sportlichen Erfolg in den kommenden Wochen unvermeidbar sein wird, eine weitere Baustelle aufgetan. Dabei hat Heldt genug damit zu tun, die anderen zu schließen. Es geht auch um seine persönliche Zukunft, die nicht in Gelsenkirchen liegen wird. Auch nach der Niederlage gegen Bremen antwortete der Manager ausweichend auf Fragen dieses Thema betreffend. Dafür hat sich sein vermeintlicher Nachfolger deutlicher positioniert. Manager Christian Heidel (52) wechselt wie erwartet zur kommenden Saison vom FSV Mainz 05 zu Schalke 04. Das berichtet das Onlineportal "DerWesten.de" unter Berufung auf eine Quelle im Umfeld der Mainzer. Demnach soll Heidel als Nachfolger von Horst Heldt einen Vertrag bis 2020 erhalten und 2,3 Millionen Euro pro Jahr verdienen. Schalke-Boss Clemens Tönnies wollte den Transfer nicht bestätigen. "Wenn der Verein durch den Aufsichtsrat etwas zu vermelden hat, werden wir das tun", sagte Tönnies. Schalkes Aufsichtsrat muss den Wechsel mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der Stimmen absegnen.

Die Gerüchte über einen bevorstehenden Wechsel des Ur-Mainzers Heidel halten sich seit Monaten. Vieles deutet darauf hin, dass der 52-Jährige, der seit 1992 dem Vereinsvorstand angehört, im Sommer eine neue Herausforderung auf Schalke sucht. Innerhalb der nächsten zwei Monate will sich Heidel erklären. Zuletzt hatte er versichert: "Im Moment ist mein Kopf nirgendwo anders als bei Mainz."

Für die Zeit bis zur Schließung des Transferfensters am kommenden Montag muss Heldt zudem weiter an zwei Fronten arbeiten. Leroy Sane, das vermeintlich wertvollste der Schalker Talente, wird von Topklubs aus ganz Europa umworben. Summen rund um 50 Millionen Euro stehen im Raum. Nachdem Heldt den 20-jährigen Offensivspieler erst für unverkäuflich erklärt hatte, brachte ihn der mögliche Geldsegen zuletzt zum Nachdenken: "Natürlich gibt es immer Gedankenspiele, gewisse Sachen auch durchzukalkulieren."

Neben der mangelnden Chancenverwertung wurde gegen Bremen auch offensichtlich, dass für Heldt nach den zahlreichen Verletzungen und Abgängen in der Defensive noch Handlungsbedarf besteht. Nachdem die Transfers von Carlos Zambrano (Eintracht Frankfurt) und John Anthony Brooks (Hertha BSC) vom Tisch sind, bleiben noch zwei Namen auf der Wunschliste. Kevin Wimmer, der nach seinem Wechsel vom 1. FC Köln zu Tottenham Hotspur in der englischen Premier League noch keinen Fuß fassen konnte. Und Serdar Tasci, der ehemalige deutsche Nationalspieler – derzeit in Diensten von Spartak Moskau. "Wir beschäftigen uns mit dem Spieler", sagte Heldt. Der 28-Jährige hat in der russischen Hauptstadt noch einen Vertrag bis 2017.

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