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Horst Hrubesch
Das "Kopfball-Ungeheuer" wird 65

Porträt: Horst Hrubesch – Kopfballungeheuer und Trainer-Phänomen
Porträt: Horst Hrubesch – Kopfballungeheuer und Trainer-Phänomen FOTO: dpa, pse fpt hak jhe
Düsseldorf. Horst Hrubesch feiert morgen Geburtstag. Derzeit bereitet sich der Fußballtrainer auf die Olympischen Spiele vor.

Der 65. Geburtstag wird für Horst Hrubesch kein Tag wie jeder andere. Schließlich kann er morgen ohnehin nicht wie gewohnt mit Ehefrau Monika, den Kindern und den Enkeln feiern. "Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps", sagte der DFB-Trainer. Hrubesch besichtigt derzeit die Gegebenheiten, die er mit dem deutschen Team beim olympischen Fußballturnier in Rio de Janeiro (3. bis 20. August) vorfindet.

Olympia - das ist die voraussichtlich letzte große Mission in einer Karriere, die in den vergangenen fünf Dekaden reich an Höhepunkten und Anekdoten war: Zweitliga-Rekord, dreimal deutscher Meister, Europapokalsieger 1983, Europameister 1980 und als Junioren-Coach der Titel bei der U21-EM 2009 und die Qualifikation für Olympia in Rio. "Die Jahre als Profifußballer waren traumhaft. Die verliefen wie in einem Film. Und so ist das dann danach im Prinzip weitergelaufen", erzählte der Westfale.

Der Hrubesch-Film hat ein bisschen was von einem Märchen, in dem Figuren wie Ernst Happel, Franz Beckenbauer und der Papst gewichtige Rollen hatten. Als Jugendlicher spielte Hrubesch in seiner Heimat Hamm Handball und Fußball. Wie selbstverständlich absolvierte er eine Ausbildung, erst zum Fliesenleger, dann zum Dachdecker. Eine Zementallergie machte ihm aber zu schaffen, weshalb das Angebot aus dem Profilager nicht ungelegen kam. "Ich war verheiratet, hatte einen Job und war sehr zufrieden - und dann bekam ich noch mal eine solche Chance", sagte er.

1975/76 erzielte Hrubesch bei seiner ersten Station Rot-Weiss Essen als Sturmpartner von Willi "Ente" Lippens 18 Tore in 22 Bundesligaspielen. 1978 stellte er mit 41 Treffern in 35 Spielen für RWE den bis heute gültigen Zweitliga-Rekord auf. Dann ging es zum HSV, dort kamen die Titel, dort wurde er Nationalspieler und vor allem zum "Kopfball-Ungeheuer". "Bananenflanke Manfred Kaltz, Kopfball Hrubesch, Tor" war die Formel dieser Zeit.

Das entging auch dem damaligen Bundestrainer Jupp Derwall nicht, der Hrubesch 1980 die ersten zwei Länderspiele machen ließ und ihn dann mit nach Italien nahm. Im EM-Finale gegen Belgien war der wuchtige Mittelstürmer Matchwinner für Deutschland, das 1:0 per Fuß, das 2:1-Siegtor per Kopf. Es folgten das WM-Finale 1982 und der Triumph im Europapokal der Landesmeister 1983 durch das 1:0 gegen Juventus Turin - der Höhepunkt seiner Klublaufbahn.

Hrubesch vereint Ruhe, Leidenschaft und Wissensdurst. Als Hobbyangler verfasste er ein Buch über Dorsch-Angeln, weil es keine Fachliteratur gab.

1983 besuchte Hrubesch im Italien-Urlaub mit einem Kumpel den Vatikan - und wurde tatsächlich von Papst Johannes Paul II mit den Worten: "Hamburgo, Juventus, 1:0" empfangen. 40 Minuten dauerte die Audienz beim "Papa". Hrubesch: "Noch fünf Minuten länger, und er hätte uns zum Mittagessen eingeladen. Da gehe ich noch heute jede Wette ein."

(dpa)
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