1. Bundesliga 16/17
| 07.46 Uhr

Trainer tritt zurück
Das Herz – Stevens beendet seine Mission

Stevens beendet Trainerkarriere
Stevens beendet Trainerkarriere FOTO: dpa, hpl
Hoffenheim/Düsseldorf. Huub Stevens sieht nicht gut aus. Er ist blass, unter den Augen hat er dicke Ringe. Keine Spur von dem brummigen Kämpfer, der sich noch am vergangenen Wochenende den Bundesliga-Abstiegskampf mit der TSG Hoffenheim zurechtgeknurrt hatte. Stevens muss aufgeben. Von Robert Peters

Nach drei Monaten beendet er seine Mission Hoffenheim. Herzrhythmus-Störungen zwingen ihn dazu. "Es geht nicht anders", sagt er, "in dieser Situation geht es nur mit 120 Prozent. Und ich kenne diese Situationen."

Das ist keine leere Behauptung. Stevens hat Hertha BSC und den VfB Stuttgart, den sogar zweimal, in kurzfristigen Engagements vor dem Abstieg aus der Bundesliga gerettet. Er bewies, dass er mit harter Hand, großer Konsequenz und auch mit dem Gefühl für das richtige Verhalten Kräfte bündeln kann. Wie viel Kraft ihn das selbst kostete, wird am Mittwoch sichtbar.

Der Holländer gehört nicht zu der Trainer-Generation, die sich gern ansehen lässt, wie es im Inneren aussieht. Er hält nicht viel von öffentlicher Selbstdarstellung. Und damit ihm nicht jeder zu nah kommt, hat er das Stachelige zu seiner Marke gemacht. Den "Knurrer von Kerkrade" hat man ihn genannt. Damit kann er wunderbar leben, das Image verleiht ihm Schutz.

"Meister der Herzen" mit Schalke

Dieser Panzer bricht zweimal. Zum ersten Mal, als er mit Schalke 2001 die sogenannte "Meisterschaft der Herzen" feiern muss. Da hat der FC Bayern den Gelsenkirchenern am letzten Spieltag durch ein Tor in der Nachspielzeit beim Hamburger SV noch die Meisterschale aus der Hand gerissen. Auch beim harten Hund von der deutsch-niederländische Grenze fließen die Tränen.

Zum zweiten Mal, als er den 1. FC Köln in die Bundesliga geführt hat, aber seinen Vertrag kündigt, um seiner schwerkranken Frau in den Niederlanden beizustehen. Auch diese Ankündigung geht ihm erkennbar ans Herz. Da erlaubt er einen tieferen Blick in sein Gefühlsleben.

"Die Null muss stehen"

Zu seinem Arbeitsalltag gehört das aber nicht. Er hat sich in seiner Trainerkarriere nie die Mühe gemacht, das Amt des Fußballlehrers anders als auf die ganz konservative Art auszulegen. Er versteht sich als Vorgesetzter und hält wenig von modischer Konversation. Viele finden auch seinen Fußball altmodisch, weil er einer funktionierenden Defensive den Vorzug gibt. Er hat mal den verhängnisvollen Satz gesagt: "Die Null muss stehen." Das wurde als sein fußballerisches Glaubensbekenntnis verstanden. Und das hat Stevens immer geärgert.

Tatsächlich hat er in der vergangenen Saison beim VfB Stuttgart gezeigt, dass er mit dafür geeigneten Teams durchaus sehr schwungvoll nach vorn spielen lassen kann. Er ist nie aus taktischer Unbedarftheit zum Anhänger disziplinierter, das heißt in erster Linie abwehrorientierter Spielweise geworden. Es hat sich aus seinen Aufgaben und den Spielern, die ihm zur Verfügung standen, ergeben. Abstiegskandidaten mit Hurrafußball ans rettende Ufer zu führen, ist in der Regel unmöglich. Der VfB Stuttgart 2014/15 ist die Ausnahme von dieser Regel.

Die Hoffenheimer Mission scheitert vorzeitig. Es wird sich nicht überprüfen lassen, ob Stevens sogar diesen aussichtslosen Fall hätte lösen können. Weitere wird es wohl nicht geben. Auf die Frage, ob es das gewesen sein könnte mit der Trainerlaufbahn, sagt er: "Ich denke schon." Auch dabei sieht er gar nicht gut aus.

Quelle: RP
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