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WM-Qualifikation
San Marino feiert Auswärtstor wie den WM-Titel

Twitter-User feiern Tor von San Marino
Twitter-User feiern Tor von San Marino
Oslo. San Marino verliert 1:4 in Norwegen – und trotzdem rasten Spieler und Fans am Dienstagabend vor Freude aus. Denn: Der Fußballzwerg schießt sein erstes Tor in der WM-Quali und den ersten Auswärtstreffer seit über einem Jahr. Von Jan Dobrick

Es läuft die 54. Minute. San Marino, auf Platz 201 der Fifa-Weltrangliste und deutscher Gruppengegner, kontert gefährlich, was an sich schon eine Seltenheit ist. Die Norweger behindern sich gegenseitig. Und Mattia Stefanelli knallt den Ball humorlos zum zwischenzeitlichen 1:1 unter die Latte.

Was dann folgt, ist der pure Wahnsinn. Die Spieler feiern das Tor, als hätten sie sich damit für die WM 2018 qualifiziert. In einem norwegischen TV-Studio voller entsetzter Experten und Moderatoren geht sogar kurzzeitig das Licht aus. In den sozialen Netzwerken toben die Fans vor Freude.

Das letzte Auswärtstor erzielten die Kicker des Zwergenstaats immerhin am 8. September 2015 beim 1:2 in Litauen. Im 138. Länderspiel war es überhaupt erst der 15. Treffer. Wer hier Tore schießt, ist ein Volksheld. Wenn der Torhüter keine zehn Gegentore bekommt, ist er es auch. Eine Partie konnte San Marino bisher gewinnen: Am 28. April 2004 beim Freundschaftsspiel gegen Liechtenstein gewann der Zwergstaat 1:0.

Kein Wunder, dass die Fans bei Twitter durchdrehten. "Stefanelli hat das Land stolz gemacht. Ich liebe dich", twitterte ein San-Marinese, der das Spiel in dem sozialen Netzwerk live kommentierte – und mit seinen unterhaltsamen Tweets an einem Abend 1500 neue Follower verzeichnete. "Wir müssen wahrscheinlich 15 Jahre warten, um wieder ein Auswärtstor zu sehen. Sei froh, dass du dann gelebt hast, als dieser magische Moment passiert ist", schrieb der Fan unter anderem. Einer seiner Einträge hatte knapp 29.000 Retweets. Nur zum Vergleich: San Marino hat etwa 32.000 Einwohner.

Die Norweger, die schon eine überraschende 0:1-Niederlage gegen Aserbaidschan einstecken mussten, rappelten sich noch mal auf und gewannen die Begegnung am Ende mit 4:1. San Marino bleibt damit Gruppenletzter, haute aber trotzdem vor Begeisterung ordentlich auf den Putz. Am 11. November empfängt das Team von Trainer Pier Angelo Manzaroli den Weltmeister. Gegen Deutschland kassierte San Marino bislang zwei Niederlagen in der EM-Quali 2008: ein 0:13 und ein 0:6.

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