| 11.06 Uhr

DFB-Elf spielt überzeugend
Konzentriert und spielerisch leicht

Deutschland - Nordirland: Bilder des Spiels
Deutschland - Nordirland: Bilder des Spiels FOTO: dpa, crj fgj
Der Bundestrainer hatte einen ruhigen Abend. Denn Joachim Löws Nationalmannschaft lieferte auch im dritten WM-Qualifikationsspiel sehr ordentliche Arbeit ab. Nach dem ungefährdeten 2:0-Erfolg über die Abwehrspezialisten aus Nordirland geht die DFB-Auswahl mit weißer Weste ins letzte Qualifikationsspiel des Jahres im November in San Marino. Und vor diesem Treffen mit einem erklärten Fußballzwerg wagt Löw die Prognose: "Das werden wir gewinnen." Eine kühne Vorhersage ist das nicht. Von Robert Peters, Hannover

Der Weltmeister geht diese Qualifikation ganz anders an als die Spiele auf dem Weg zur Europameisterschaft. "Vor zwei Jahren gab es nach dem Titelgewinn ein richtiges Loch", erklärte Teammanager Oliver Bierhoff in den Tagen vor dem Spiel in Hannover. Die EM hat allerdings die Sinne der Spieler offenbar geschärft. "Wir wollen diese Gruppe unbedingt als Erster abschließen", sagte Mittelfeldspieler Sami Khedira. Das ist deutlich zu erkennen. Löws Mannschaft geht ihren Job konzentriert an, sie spielt ihre fußballerischen Möglichkeiten aus. Und sie lässt sich weder von mitspielenden Tschechen noch von stur in der Abwehr stehenden Nordiren erschrecken.

Das gibt ihr wahrscheinlich die Gelegenheit, über eine sicher bestandene Qualifikation Selbstvertrauen aufzubauen auf dem Weg zur Titelverteidigung in Russland. "Ich bin zufrieden", sagte Löw, "die Mannschaft hat die Vorgabe erfüllt, sie hat beide Heimspiele gewonnen." Ebenso wichtig ist, dass sie ihr Publikum durch Vorstellungen wie in Hamburg beim 3:0 gegen die Tschechen oder jetzt beim 2:0 gegen Nordirland wieder richtig hinter sich bekommt. Auf dem Weg zur Europameisterschaft war das alles ein wenig mühseliger gewesen.

In Hannover genügte dem Weltmeister ein perfekter Start in die Begegnung. Nach gut einer Viertelstunde hatten Julian Draxler mit einem Flachschuss von der Strafraumgrenze und Sami Khedira mit einem Kopfball aus unmittelbarer Tornähe den Endstand schon hergestellt. Weil sich die Nordiren nicht trauten, ihre dichte Verteidigungsstellung zugunsten von ein bisschen mehr Risikobereitschaft im Angriffsspiel aufzugeben, und weil die Deutschen über besonders ballsichere Spieler verfügen, sah es in der Folge auf dem schön durchgeweichten Rasen häufig so aus wie beim Hallenhandball. Die deutsche Mannschaft hatte den Ball, spielte sich rund um den Strafraum der Nordiren und zog gelegentlich, sehr gelegentlich in den Sechzehnmeterraum.

Dann wurde es prompt gefährlich für die fußballerisch völlig unterlegenen Gäste. Deren wesentliche Beiträge zu einem netten Abend lieferten die Fans. Als auch sie einsahen, dass die Begegnung entschieden war, sangen sie den EM-Schlager "Will Grigg's on fire". Dass Grigg gar nicht im Aufgebot stand, scherte weder sie noch den deutschen Anhang, der voller Begeisterung mitsang. So war es am Ende eine richtige Party.

In solcher Laune stellte sich auch Nordirlands Trainer Michael O'Neill vor. "Wir haben gegen ein Team aus fantastischen Spielern gespielt", sagte er, "ich habe Zweifel, ob es auf der Welt überhaupt eine Mannschaft gibt, die dieses Team aufhalten kann." Die Deutschen hörten das mit Wohlgefallen. Aber so gut finden sie sich nicht. Jedenfalls in der Öffentlichkeit nicht. Was sie sich so in der Kabine erzählen, weiß ja niemand.

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