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Hannover
Gladbach stolpert beim Schlusslicht

Hannover. Borussias Auswärts-Trauma findet auch bei Hannover 96 kein Ende. Die Niedersachsen gewinnen verdient mit 2:0. Von Karsten Kellermann

Auf dem Schützenplatz neben der HDI-Arena in Hannover ist Kirmes. Natürlich gibt es da, wie es sich gehört, auch eine Geisterbahn. Dieses indes mussten die Fußballprofis von Borussia Mönchengladbach gestern Abend gar nicht erst betreten, um einen grauenvollen Abend zu erleben. Den bereitete ihnen Hannover 96 bereits auf dem Rasen des Stadions. 0:2 verlor Gladbach, das eigentlich den belastenden Auswärtsfluch beenden wollte. Doch hält dieser auch nach 168 Tagen noch an und dürfte am Ende der Grund sein, warum die Borussen nicht erneut die Champions League erreichen. Hannover hat ein Lebenszeichen im Abstiegskampf abgegeben, Borussia indes darf mit Auftritten wie diesem sicher nicht von der Teilnahme an der Liga der Meister träumen.

Dabei war alles angerichtet für eine erfolgreiche Dienstreise. Zwar fehlte Kapitän Granit Xhaka wegen der fünften Gelben Karte, Cheftorjäger Raffael aber war wieder dabei. Er hatte vorab klar gestellt: "Wir schaffen die Champions League." Ein Sieg beim Tabellenletzten wäre zur Realisierung dieses Anspruchs angesagt gewesen - der erste in der Fremde seit dem 31. Oktober (4:1 in Berlin).

Schubert hatte indes vor Hannover gewarnt. Und der vermeintlich designierte Absteiger zeigte dann auch beim Heimdebüt von Trainer Daniel Stendel, dass er den Gladbachern keinen Freifahrtschein zum vierten Auswärtssieg der Saison auszustellen gedachte. Die "Roten" waren engagierter und hatten auch die erste große Chance: Hiroshi Kiyotake stand frei vor Yann Sommer, schoss aber über das Tor (19.). Hannover, von seinen Fans mit einer Choreografie und gesanglichen Liebeserklärungen auf das Spiel eingestimmt, war laufstark und bereit für den Kampf gegen den favorisierten Gegner.

So deutete sich früh an, dass es tatsächlich ein hartes Stück Arbeit werden würde für den Champions-League-Anwärter aus dem Rheinland. Die rund 6000 Borussen-Fans, die sich größtenteils über eine arg verstopfte Autobahn A2 in Niedersachsens Hauptstadt gequält hatten, übten sich im Dauergesang, um ihr Team zu unterstützen. Nach 27 Minuten gab es dann die erste Tor-Hoffnung: Raffael bediente Fabian Johnson, doch dessen Schuss traf Ron-Robert Zieler im 96-Tor.

Vorn erzeugte Borussia kaum Gefahr, auch weil zu verschwurbelt statt klar gespielt wurde. Ohne den Antreiber Xhaka waren die Borussen zu zaghaft, zu wenig griffig, zu wenig zielstrebig. Der unbedingte Wille, "Großes" zu schaffen, wie es Sportdirektor Max Eberl nennt, war nicht zu erkennen - wie schon beim 0:1 im Spiel zuvor in Ingolstadt. Hannover, das zuvor sieben Heimspiele in Folge verloren hatte, war aufopferungsvoller - und belohnte sich: Waldemar Antor traf zum 1:0.

Schubert reagierte: Die schnellen Offensivmänner Patrick Herrmann und Ibrahima Traoré sollten es richten. Doch dieser Abend hatte schon seine Geschichte. Und Hannover diktierte sie. Elf Minuten nach dem 1:0 erhöhte Artur Sobiech vorentscheidend auf 2:0. Kurz darauf gab es auf der Kirmes ein großes Feuerwerk. Den größten Kracher des Abend brachte aber Abstiegskandidat 96 zustande. Und Borussia? Die sucht weiter nach dem Geheimnis des Traumas in der Fremde. Ob die entscheidende bald kommt, ist fraglich. Die nächste Dienstreise geht, nach dem Heimspiel gegen 1899 Hoffenheim am nächsten Sonntag, zum FC Bayern München.

Quelle: RP
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