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Beachhandball bald olympisch?
Der Handball baut auf Sand

Beachhandball bald olympisch?: Der Handball baut auf Sand
Die Beachhandballer hoffen, dass ihre Sportart bald zum olympischen Programm gehört. FOTO: RPO
Düsseldorf. Die Aktiven der Beach-Variante hoffen, 2024 zum olympischen Programm zu gehören. Der Deutsche Handballbund will nun die Förderung forcieren. Von Eckhard Czekalla

Die Bälle sind etwas kleiner, die Oberfläche ist griffiger. Spuren von Harz sucht man vergeblich. Bei dieser Spielart des Handballs braucht man es nicht – anders als in der Halle, wo vor allem die Außenspieler bei ihren Trickwürfen auf das Haftmittel angewiesen sind. Beachhandball hat aber auch ohne Hilfsmittel viel zu bieten. Es ist spektakulär. Das haben im Juli die Stars des Spiels auf Sand in Lausanne am Sitz des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) demonstriert. Dessen Chef Thomas Bach sah auch genau hin. Die Chancen, in neun Jahren olympisch zu sein, stehen nicht schlecht.

"Die olympischen Jugendspiele 2018 in Argentinien, bei denen der Beach- den Hallenhandball ersetzt, sind wohl die entscheidende Veranstaltung", sagt Andreas Michelmann. Der Oberbürgermeister aus Aschersleben ist seit Ende September der neue Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB). Mit seinen Kollegen trifft er sich am Wochenende zur Klausurtagung. Dabei steht auch der Beachhandball auf der Agenda. "Wenn wir dabei sein wollen, dann müssen wir jetzt durchstarten", sagt Michelmann.

Brasilien, Kroatien, Spanien, Ungarn, Italien und Russland geben auf Sand den Ton an. Deutsche Teams holten auch schon Medaillen, zuletzt WM-Silber 2006 und EM-Bronze 2007 bei den Frauen. Dennoch beschloss der DHB vor neun Jahren den Ausstieg. "2014 haben wir festgelegt, dass beide Vari-anten sowohl leistungs- als auch spaßorientiert gespielt werden können", sagt Michelmann. "Dafür müssen wir aber auch Mittel bereitstellen. Über die Verteilung werden wir bei unserer Tagung reden."

Im Volleyball hat das Spiel auf Sand längst viele Freunde gefunden. Es gibt eine Turnierserie, bei der es gutes Geld zu verdienen gibt. Die Stars der Szene können davon leben. Ob dies der Handball auch schaffen kann, ist ungewiss. "Wir müssen die Frage beantworten, ob wir weiter der Nabel der Welt sein wollen. Oder wollen wir akzeptieren, dass in anderen Ländern der Beachhandball möglicherweise interessanter ist, weil es eine preiswerte, einfacher zu spielende Vari-ante ist. Man braucht zum Beispiel keine Hallen. Das betrifft ganz besonders Südamerika, aber auch Teile Afrikas, Asiens und Südeuropas", sagt Michelmann. Schafft es die Sand-Version zu Olympia, könnte dies auch die Hallensportler treffen, denn - so Michelmann - die Zahl der Handballer bei den Spielen wird ja nicht größer.

Wenn der DHB bei den Jugendspielen 2018 dabei sein will, müssen Sichtung, Aufbau der Teams und deren Förderung schnell anlaufen – das gilt auch für die Senioren. Das Männer-Team, das wie jenes der Frauen mit 15.000 Euro vom DHB unterstützt worden war, gewann bei der EM im Juli in Lloret de Mar nur zwei von zehn Spielen, hielt aber gegen alle Halbfinalisten gut mit. Nach nur drei Tagen Vorbereitung eine Leistung, die Hoffnung macht.

Mit in Spanien waren Nils Torbrügge und Marten Frank, die zum Kader der Zweitligisten Minden und Bad Schwartau gehören. "Es ist leichter, einem guten Hallenhandballer das Beachspiel beizubringen", sagt Bundestrainer Konrad Bansa. Der frühere Zweitligatorhüter hat beide Varianten erlebt. Sein Trainerkollege Kai Bierbaum hat eine Aufbruchstimmung ausgemacht. Die Zeiten, in denen Klubs alleingelassen wurden, sind vorbei. Der Beachhandball hat aber auch viel aufzuholen. Mit den Olympischen Spielen 1972 in München begann das Ende des Feldhandballs, beach und Halle können aber beide gut nebeneinander leben.

Quelle: RP
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