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Löws Außenverteidiger-Odyssee
Der Nächste, bitte!

DFB: Die Außenverteidiger der Ära Löw
DFB: Die Außenverteidiger der Ära Löw FOTO: dpa, nic cul soe jai
Tiflis/Düsseldorf. Die Position des Außenverteidigers ist in der Ära Löw die Problemzone beim Nationalteam. Seit 2006 sind 29 Spieler getestet worden – der Kölner Jonas Hector ist ein weiterer Kandidat. Von Gianni Costa

Es sind einige Namen zusammengekommen in den vergangenen Jahren. Roberto Hilbert zum Beispiel. Oder Sascha Riether, Marvin Compper, Gonzalo Castro, Shkodran Mustafi, Kevin Großkreutz, ein gewisser Christian Günter und 22 weitere mehr oder weniger bekannte Akteure durften sich ebenfalls seit 2006 in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf der Position des Außenverteidigers versuchen.

Jahrelang suchte Bundestrainer Joachim Löw einen zweiten Kandidaten von internationalem Format als Partner für den Münchner Philipp Lahm. Das Problem ist nach dessen Rücktritt gewiss nicht kleiner geworden. Um flexibler zu sein, lässt Löw stattdessen schon neue Spielformen einstudieren. Der Test mit einer Dreierkette gegen Australien (2:2) sah indes nicht vielversprechend aus. Im EM-Qualifikationsspiel morgen (18 Uhr/Live-Ticker) gegen Georgien wird Löw wieder auf die bewährte Taktik setzen - und damit bekommt wohl der Nächste eine Bewährungschance in der Viererkette: der Kölner Jonas Hector.

Mitte der Woche in der Pfalz feierte der 24-Jährige sein Debüt in der Startelf. Eine Ehre, sicherlich. Eine dankbare Aufgabe sieht gleichwohl anders aus. Denn in einer nicht eingespielten Mannschaft eine neue defensive Variante auszuprobieren hat in der Regel einen erwartbaren Ausgang. Der Verbund von Benedikt Höwedes und eben Hector war noch deutlich zu fehleranfällig, um in Serie zu gehen.

Hector wird durchaus eine längere Zukunft in der Nationalmannschaft attestiert. Dabei hat ihm bis vor ein paar Jahren niemand in dieser Branche sonderlich viel zugetraut. Er ist komplett durch das Raster der Nachwuchsförderung durch den DFB gefallen. Der Verband proklamiert für sich, dass ihm kein Talent durch die Lappen geht. Hector spielte nie in einer Junioren-Auswahl. Erst mit 20 wechselte er aus dem saarländischen Provinzstädtchen Auersmacher zum 1. FC Köln. "Wenn mir damals einer gesagt hätte, dass ich mal als Stammspieler im Profifußball landen würde, hätte ich ihn für bekloppt erklärt", erklärt Hector im Gespräch mit der "Kölnischen Rundschau".

Als 18-Jähriger ist er mit dem SV Auersmacher in die Oberliga Südwest aufgestiegen – in einem Alter, wo andere soundso viele Bundesligapartien absolviert haben. Hector kickte da noch auf Ascheplätzen. Mittlerweile hat er sich auch bei den Großen durchgesetzt. Auch abseits des Platzes geht er eigene Wege. Er studiert an der Rheinischen Hochschule in Köln BWL.

Seine Mannschaftskameraden haben ihm einst den ironisch gemeinten Spitznamen "Harry Hektik" verpasst, weil ihn so leicht nichts aus der Ruhe bringt. Diese Charaktereigenschaft dürfte sich auch bei der anstehenden Aufgabe in Georgien als nützlich erweisen. Im 900. Spiel der Verbandsgeschichte darf sich die DFB-Elf keinen weiteren Patzer erlauben, damit die Qualifikation für die EM im kommenden Jahr in Frankreich nicht ernsthaft gefährdet wird. "Es ist etwas Unbekanntes für uns, deshalb wird es schwer", orakelt Neuer, der gestern 29 geworden ist. "Aber wir machen uns nicht verrückt. Wir haben viele erfahrene Spieler." Neben Neuer kehren fünf Weltmeister zurück in die Startelf von Löw. "Er kennt seine Stammelf für die wichtigen Spiele", befindet Neuer.

Da von den bisher vier Quali-Spielen erst zwei gewonnen wurden, lässt auch der Verbandsboss keine Ausreden mehr zu. "Wir brauchen jetzt zwei Auswärtssiege in Georgien und Gibraltar, da brauchen wir nicht drüber zu reden", sagt DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. "Gegen Polen, Irland und Schottland geht es dann nur mit 100 Prozent. 100 Prozent, die wir in Brasilien siebenmal gezeigt haben."

Jonas Hector soll seinen Beitrag dazu leisten. Schließlich will er nicht ein Name unter vielen werden.

Quelle: RP
 
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