| 17.34 Uhr

TV-Boykott für Doper
Harting polarisiert mit Idee zum Anti-Doping-Kampf

Fotos: Robert Harting – Diskuswerfer, Olympiasieger, Weltmeister
Fotos: Robert Harting – Diskuswerfer, Olympiasieger, Weltmeister FOTO: ddp
Berlin. Robert Harting hat sich erneut mit einem Vorschlag zum Anti-Doping-Kampf zu Wort gemeldet - und stieß damit auf zum Teil deutliche Kritik.

Robert Harting kämpft weiter unermüdlich gegen Doping, bekommt nun aber Gegenwind zu spüren. Nach seinen jüngsten Vorschlägen, künftig Wettkämpfe mit zu hohem Anteil an Dopingsündern mit einem TV-Boykott zu belegen und Betrüger mit roten Startnummern zu kennzeichnen, erntete der Diskus-Olympiasieger am Dienstag zum Teil deutliche Kritik.

"Wie würde es Herr Harting wohl finden, wenn das Diskusfinale bei Olympia in Rio nicht im Fernsehen gezeigt würde, weil zu viele Ex-Doper dabei sind? Ich glaube, das fände er nicht so schön", sagte Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), am Mittwoch.

Prokop hält nichts von dem neuen Vorstoß des deutschen Vorzeige-Leichtathleten, der bei der WM in Peking nicht am Start ist. "Es wäre unfair und diskriminierend, wenn die anderen Sportler in Sippenhaft genommen würden. Das wäre auch nicht regelkonform", erklärte der DLV-Boss, selbst Jurist.

Harting hatte sich in der Sport Bild zu Wort gemeldet und angeregt: "Wenn in einem Finale mehr als vier der acht Starter überführte Doper sind, dann müsste man die TV-Übertragung dieses Wettbewerbs verbieten. Einfach nicht zeigen, und das konsequent durchziehen. Das bedroht dann deren wirtschaftliche Existenz."

Für ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky ist dies keine Option. Dem SID sagte er: "Unsere Aufgabe sehen wir nicht darin, durch Bildschirmboykotte das Verbandsverhalten zu beeinflussen, sondern durch saubere journalistische Arbeit. Keine Zeitung würde aufhören, vom 100-m-Lauf zu berichten, und das finde ich auch richtig."

Hartings am Sonntag verbreiteter Vorschlag, überführte Doper sollten künftig mit roten Startnummern gekennzeichnet werden, stößt bei Prokop ebenfalls nicht auf Gegenliebe. "Eine solche Stigmatisierung wäre auch juristisch problematisch", erklärte der 58-Jährige.

Auch für Dagmar Freitag, DLV-Vize und Sportausschussvorsitzende im Bundestag, ist Harting in den vergangenen Tagen zu weit gegangen. "Ich begrüße grundsätzlich Stimmen von Athletinnen und Athleten, die ihre Verbände im Kampf gegen Doping unterstützen wollen. Allerdings muss - bei allem Verständnis für den teilweise grenzenlosen Frust sauberer Athleten - das, was wir als rechtstaatliche Prinzipien bezeichnen, gewahrt bleiben", sagte die SPD-Politikerin auf SID-Anfrage: "Dazu passt eine so plakative öffentliche Stigmatisierung von Dopern nach Verbüßung ihrer Sperre nicht."

Selbst Julia Fischer, die Anfang August gemeinsam mit ihrem Freund Robert Harting und weiteren deutschen Athleten in einem viel beachteten Videoclip den Weltverband IAAF kritisiert hatte, vertritt bei diesem Thema eine andere Meinung als ihr Lebensgefährte. "Ich weiß nicht, ob man die (überführten Dopingsünder, d. Red.) so plakativ an den Pranger stellen sollte. Generell müssten einfach die Strafen verschärft werden", sagte die 25-Jährige.

Beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) stellte Präsident Alfons Hörmann Hartings Vorstöße in einen größeren Zusammenhang. "Die Diskussion zeigt vor allem eines: Der weltweite Anti-Doping-Kampf muss dringend besser harmonisiert werden. Kontrollen und Testmethoden müssen alle Athletinnen und Athleten betreffen, damit es keine weißen Flecken auf der Anti-Doping-Weltkarte gibt", sagte Hörmann.

Prokop betonte, dass er bei aller kritischer Einschätzung der jüngsten Vorschläge Hartings grundsätzlich jedes Engagement eines Sportlers im Kampf gegen die Geißel Doping begrüße, "doch diese müssen auch realisierbar sein. Die beiden sind es jedenfalls nicht".

Auch Balkausky sieht keinen Grund für spektakuläre Aktionen. "Ich glaube nicht, dass die ARD durch Aktionismus, sondern mit der Fortführung der sorgfältigen, journalistischen Arbeit weitermachen sollte im Kampf gegen Doping im Sport", sagte er.

Harting wird ebenfalls sicher weiter gegen Doping kämpfen. Youtube-Video, Veröffentlichung seiner Blutwerte, Vorschläge für rote Startnummern und einen TV-Boykott - der Berliner hat viele Ideen. Und manche polarisieren.

Die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) verzichtete jedenfalls in einer Stellungnahme auf Kritik an Harting: "Mit Blick auf die Chancengleichheit ist die Aufarbeitung der Vorgänge in der Leichtathletik notwendig. Es geht um die Glaubwürdigkeit des Sports und die sauberen Athleten", hieß es: "Wir begrüßen, wenn Athleten sich an der Diskussion beteiligen und sich für den sauberen Sport stark machen."

(sid)
 
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