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Fortuna Düsseldorf
Fortuna-Arzt Blecker für Olympia nominiert

Fortuna - Panathinaikos Athen 0:1
Fortuna - Panathinaikos Athen 0:1 FOTO: rpo, Falk Janning
Düsseldorf. Dies ist die Geschichte von einem, der ständig in Bewegung ist. Ulf Blecker gehört zu den besten Sportmedizinern des Landes. Kniespezialist. Rund 200 Patienten betreut er täglich in seiner Praxis, dazu kommen noch 30 bis 40 Operationen in der Woche. Das alleine sollte einen Arbeitstag ziemlich gut ausfüllen. Von Gianni Costa

Er ist zudem für die medizinische Betreuung von Fortuna Düsseldorf, der DEG und dem deutschen Tennisbund verantwortlich. Der DTB hat ihn nun als Arzt für die Olympischen Spiele in London nominiert. "Ein absoluter Traum", sagt er. "Das ist der Höhepunkt meiner sportmedizinischen Laufbahn."

Blecker, 49, erzählt von sich und seinem Beruf mit viel Leidenschaft. Man kann ihm kaum folgen, wenn er seine Stimme hebt und von den Zeiten spricht, als ihn Hans Zach zur DEG holte. Den Kontakt hatte Andreas Niederberger, ein alter Freund von ihm hergestellt. Das war 1992. Der Einstieg. Blecker ist noch immer mit Alois Teuber für die medizinische Abteilung verantwortlich. Mit den Jahren sind weitere Aufgaben dazugekommen. Die beiden Ärzte kümmern sich auch um die Profis von Fußball-Erstligist Fortuna.

"Mir geht es nicht um öffentliche Beachtung, nicht um Ruhm", sagt Blecker, der in Siegen geboren wurde. "Es ist eine wohltuende berufliche Abwechslung. Du erlebst jeden Tag etwas Neues."

Seit Jahren ist er auch als Verbandsarzt für den deutschen Tennisbund im Einsatz. Barbara Rittner, Teamchefin der Fed-Cup-Auswahl und früher seine Patientin, wollte ihn unbedingt dabei haben. "Uns verbindet eine lange Freundschaft", erzählt Blecker. "Es geht in diesem Bereich nicht ausschließlich um fachliche Qualitäten. Du musst zusätzlich in kurzer Zeit eine Verbindung mit deinen Patienten schaffen, ihnen das Gefühl geben, dass du alles dafür tun wirst, ihnen zu helfen." Nicht immer einfach. Blecker hat es manchmal mit Sportlern zu tun, die von ihm verlangen, was er nicht immer geben kann: schnelle Genesung auf Rezept. "Für die Sportler ist ihr Körper ihr Kapital", sagt er. "Nicht jeder Körper ist für Hochleistungssport geeignet."

Blecker legt viel Wert darauf, nicht als Wunder-Doktor dargestellt zu werden. Nicht als einer, der einmal Schnipp macht und alles ist wieder gut. Er betont, wie wichtig es sei, ein gutes Netzwerk zu haben. "Man muss die Größe haben, einen Sportler auch woanders hinzuschicken, wenn man selbst nicht weiterkommt", befindet er. "Nur so baut man langfristig Vertrauen auf."

Seine Familie geht sein Tempo mit. Ehefrau Gaby sowie die Kinder Daniel (17) und Linda (15) begleiten ihn so oft wie möglich zur "Arbeit" - als Fans der DEG und Fortuna. "Das ist ein Privileg von mir. Ich habe früh darauf geachtet, dass die Kinder mit eingebunden werden", sagt Blecker. "Wenn immer es geht, sind sie bei Spielen im Stadion dabei."

Er räumt ein, nicht immer als Ehemann und Vater präsent zu sein und schiebt die Präzisierung gleich hinterher: "Ich lege viel Wert auf Qualität, nicht so sehr auf Quantität." Er selbst belohnt sich schon mal mit einer Zigarre vom anstrengenden Alltag. "Emotionale Entschleunigung" nennt er seine Gabe, den Stress sehr schnell abzubauen.

Nun also die Olympischen Spiele. "Das ist wirklich unglaublich. Ich freue mich am meisten auf die Eröffnungsfeier. Das wird bestimmt ein unvergessliches Erlebnis", sagt er. "Es geht dort, um mehr als sportliche Erfolge. Es geht auch um den Austausch mit anderen Menschen."

(seeg)
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