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Kultspiel "Pokémon Go"
Olympia-Teilnehmer gehen auf Monster-Jagd

So sieht es im Olympischen Dorf aus
So sieht es im Olympischen Dorf aus FOTO: ap, LC
Rio de Janeiro. Das Smartphone-Kultspiel Pokémon Go hat rasend schnell die Welt erobert. Nach Protesten zahlreicher Sportler gehört jetzt auch das Olympische Dorf zum Suchgebiet.

Warum Kohei Uchimura auch nach etlichen Stunden erfolgloser Pokémon-Jagd in Rio de Janeiro nicht einfach aufhörte, ist nicht bekannt. Vielleicht ist der japanische Turn-Olympiasieger einfach eine besondere Kämpfernatur und Aufgeben für ihn ein Fremdwort. Am Ende erwartete den 27-Jährigen jedenfalls eine Handy-Rechnung mit 4400 Euro Roaminggebühren.

Dabei war das Spiel "Pokémon Go" in Brasilien da noch nicht einmal freigeschaltet. Dieser Schritt erfolgte erst am Mittwochabend Ortszeit. Nach tagelangem Wehklagen zahlreicher Olympioniken verkündete die Entwicklerfirma Niantic stolz, dass das Spiel jetzt auch "in den Händen unserer Fans in Lateinamerika, der Besucher und der olympischen Athleten von Rio" liege.

Olympiasieger verbrät Internetvolumen für Monsterjagd

Uchimura dürfte aufgeatmet haben. "Er sah beim Mittagessen völlig fertig aus", berichtete dessen Teamkollege Kenzo Shirai zuvor noch der koreanischen Nachrichtenagentur Kyodo. Auf der zunehmend verzweifelten Suche nach den süßen "Poket-Monstern" hatte der sechsmalige Mehrkampf-Weltmeister sein Internetvolumen maßlos überschritten. Ob die Trauer nun vor allem der Rechnung oder dem ausgebliebenen Jagd-Erfolg galt, darüber wollte Shirai nicht spekulieren.

Pokémon Go in Rio zuerst ein No-Go

Hätte Uchimura den Sozialen Netzwerken in den Tagen vor seiner Reise zu den Olympischen Spielen etwas mehr Aufmerksamkeit gewidmet, wäre ihm die unangenehme Überraschung womöglich erspart geblieben. Viele Rio-Fahrer hatten sich dort bereits darüber ausgelassen, dass sich die kleinen Monster im Olympischen Dorf einfach nicht fangen lassen. Pokémon Go war am Zuckerhut zunächst ein No-Go.

Neuseelands Fußball-Nationalspielerin Anna Green beispielsweise sagte dem britischen Guardian: "Ich hätte so gerne gespielt. Aber ich kriege es einfach nicht auf mein Handy." Und der französische Slalom-Kanute Matthieu Peche twitterte unmittelbar nach seiner Ankunft: "Keine Pokémon im Dorf". Seinen Tweet versah er mit gleich drei weinenden Emojis.

Das Handy-Spiel hat in den vergangenen Wochen im Eiltempo die Welt erobert. In nahezu allen Großstädten lassen sich seither junge bis mittelalte Menschen beobachten, die gebannt aufs Handy-Display starrend durch die Straßen laufen. Basierend auf einer Kinderserie aus den 1990er-Jahren werden bei dem Spiel kleine Monster gefangen und für den Kampf trainiert. Dafür muss man die Viecher allerdings erst einmal aufspüren.

Spieler werden per GPS-Signal geortet

Das Problem an der Sache ist, dass sich die Pokémon beinahe überall verstecken können. Deshalb muss sich der Spieler bewegen. Mithilfe der GPS-Daten wird der Pokémon-Jäger auf seinem Streifzug durch die Welt permanent geortet. Befindet sich ein Monster in der Nähe, kann er versuchen, es zu fangen und es sich mithilfe der Handy-Kamera sogar in der "realen" Welt einblenden lassen.

Aufatmen bei japanischen Turn-Olympiasieger

Für Uchimura nahm die Geschichte mit der Handy-Rechnung letztlich in zweifacher Hinsicht ein gutes Ende. Nach erfolgreichen Verhandlungen mit seinem Telefonanbieter reduzierte sich die Zahlung auf rund 26 Euro. "Ich hatte wirklich Glück", sagte er. Auch, weil er jetzt ja doch noch spielen darf.

(sb/sid)
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