| 17.18 Uhr

Schwimmer-Skandal
Lochte entschuldigt sich ein bisschen

Twitter-Reaktionen zu Lochte-Gate: "Pretty little liars"
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Rio de Janeiro. Der angebliche Raubüberfall war eine Lügengeschichte. Die Entschuldigung für die Ausfälle der US-Schwimmer um Superstar Ryan Lochte kam spät.

Erst verfolgte US-Schwimmstar Ryan Lochte daheim in Florida, wie seine Landsleute in Rio de Janeiro die Folgen seiner Räuberpistolen ausbaden mussten. Dann raffte sich der sechsmalige Olympiasieger doch noch zu einer Entschuldigung auf. Er hätte den angeblichen Raubüberfall "sorgfältiger und aufrichtiger" beschreiben müssen, teilte der 32-Jährige mit.

Allerdings blieb Lochte bei seiner Darstellung, "ein Fremder" habe "eine Waffe auf ihn gerichtet und Geld verlangt". Dennoch habe er "verantwortlicher" handeln müssen, "dafür tut es mir für meine Teamkollegen, meine Fans, meine Konkurrenten, meine Sponsoren und die Gastgeber dieser großartigen Veranstaltung leid".

Er habe mit seiner Erklärung solange gewartet, bis auch die drei anderen beteiligten Schwimmer "sicher zu Hause" seien. James Feigen, der als Letzter noch in Rio festgehalten wurde, musste sich bereit erklären, einer gemeinnützigen Organisation 35.000 Real (rund 9500 Euro) zu spenden. "Wenn das abgeschlossen ist, erhält er seinen Pass und kann nach Hause zurückkehren", sagte sein Anwalt Breno Melaragno dem TV-Sender NBC.

Zuvor hatte das US-Olympiakomitee (USOC) bestätigt, dass der angebliche Raubüberfall auf die US-Schwimmer nach einer Partynacht nur eine Lügengeschichte war. "Das Verhalten der Athleten ist nicht akzeptabel und spiegelt nicht die Werte des US-Teams wider", teilte das USOC mit. Es drohte Lochte, Feigen sowie den ebenfalls beteiligten Schwimmern Gunnar Bentz und Jack Conger Konsequenzen an. Zudem entschuldigte es sich bei der Gastgeberstadt Rio "und den Menschen in Brasilien".

Lochte war als erster zurück in den USA

Lochte, der als erster des Quartetts nach dem erfundenen Überfall zurück in die USA gereist war, konnte in den Zeitungen nachlesen, wie seine Lügen aufgeflogen waren. "Der hässliche Amerikaner" titelte die "New York Post" über seinem Foto. Die "Daily News" nannten ihn gar das "Lochte Ness Monster". "Schwimmen in einem Becken voller Lügen", schrieb die El Paso Times.

An den Erzählungen von Lochte und Co., die Rio in Aufruhr versetzt hatten, waren schon früh Zweifel aufgekommen. Am Donnerstag stellte dann die Polizei in der Olympiastadt klar: Es war alles Lüge. "Es gab keinen Raubüberfall", sagte der leitende Ermittler Fernando Veloso auf einer Pressekonferenz. Die Schwimmer hätten "Vandalismus-Handlungen begangen".

Auf einem Überwachungsvideo sind die entscheidenden Aktionen am frühen Sonntagmorgen zum Großteil zu sehen. Das US-Quartett randalierte in der Toilette einer Tankstelle. Der Besitzer sagte aus, die Amerikaner seien zuvor aus dem Auto gestiegen und pinkelnd an der Gebäudewand entlanggegangen. "Das war purer Vandalismus", sagte er.

Als sie von einem Sicherheitsbeamten gestellt wurden, wollten die US-Schwimmer flüchten, woraufhin der Wachmann seine Waffe zog. Daraufhin beglichen Lochte und Co. den Schaden mit Bargeld - sie zahlten 100 Real und 20 US-Dollar (insgesamt ca. 45 Euro). Danach durften sie gehen.

Lochte hatte Brasilien bereits am Dienstag in Richtung Heimat verlassen. Ihn soll nach Angaben des brasilianischen Ermittlungsleiters das FBI in den USA verhören. Seine Teamkollegen Bentz und Conger dagegen waren unmittelbar vor dem Rückflug in die USA aus dem Flugzeug heraus in Gewahrsam genommen. Nach Aussagen bei der Polizei erhielten sie ihre Pässe zurück und kehrten in ihre Heimat zurück.

(sb/sid)
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