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Die Stars von Olympia
Alle vier Jahre im Rampenlicht

Geisenberger und Eitberger feiern gemeinsam
Geisenberger und Eitberger feiern gemeinsam FOTO: afp
Düsseldorf/Pyeongchang. Bei Olympia stehen Sportarten im Fokus, die sonst ein Schattendasein führen. Dass sie bei den Winterspielen gefeiert werden, liegt an Athleten wie Natalie Geisenberger, die jeden Tag trainiert - und gestern Gold gewann. Von Jessica Balleer

Natalie Geisenberger kann auch ganz anders. Ein paar Monate nach den Olympischen Winterspielen in Sotschi zum Beispiel. Da packte die Bayerin ihre Koffer. Sie legte den Rennanzug ab, ließ auch die Polizeiuniform daheim - und flog zum Golfen im Sommerdress nach Thailand. Eine willkommene, weil seltene Abwechslung. Denn als Weltklasse-Rodlerin hat Natalie Geisenberger einen Vollzeitjob - ohne ausgewiesene Urlaubstage.

Derzeit weilt die 30-Jährige in Pyeongchang, Südkorea. Hier ist sie nicht die Hobby-Golferin mit Handicap 29, nicht die Polizeiobermeisterin aus Bayern oder Natalie, die selbsterklärte Hundenärrin. Für rund zwei Wochen genießt sie als erfolgreichste deutsche Rennrodlerin der jüngeren Vergangenheit die mediale Aufmerksamkeit eines Stars.

"Gut fahren und kein Risiko eingehen", das hatte sie sich gestern vor dem vierten und entscheidenden Durchlauf vorgenommen. Und es gelang. Pünktlich zu den Olympischen Winterspielen in Bestform sicherte sie sich ihr zweites olympisches Gold in Folge, das dritte ihrer Karriere.

Geisenberger wiederholt Olympiasieg FOTO: afp

Geisenberger brachte einen hauchdünnen Vorsprung ins Ziel. Teamkollegin Dajana Eitberger (27) gewann Silber. Tatjana Hüfner (34) erreichte Rang vier. Drei Namen, die zumindest kurz Schlagzeilen machen.

"Helden auf Zeit"

Vor allem deutsche Olympiasieger und Medaillengewinner stehen alle vier Jahre wieder im Fokus. Bei Weltmeisterschaften rufen sie sich zwar jeden Winter in Erinnerung. Doch nur bei Olympischen Spielen ploppen ihre Erfolge als Eilmeldung auf. Rodler Johannes Ludwig (Bronze) oder Biathlet Arnd Peiffer (Sprint-Gold) zählen wie Geisenberger zu diesen Sportlern, die zu "Helden auf Zeit" werden.

Dabei muss man ihre Leistungen besonders wertschätzen. Nicht nur, weil sie auf der größten Sportbühne der Welt, bei Olympischen Spielen, überzeugen. Viel mehr noch, weil es ein wahrer Kraftakt sein muss, als "Randsport" abgetane Disziplinen aus ihrem Schattendasein zu hieven, wenn gerade der Scheinwerfer wieder eingeschaltet wird.

Das ist Natalie Geisenberger FOTO: AP

Geisenberger gelingt das seit Jahren. Sie hat im Rodeln alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Sechs Mal in Serie holte sie den Gesamtweltcup. Die Athletin des ASV Miesbach war immer da, wenn es drauf ankam. Aber wie schafft sie das?

Talent, gute Trainer, Familie

"Viel Arbeit", hatte Geisenberger vor den Winterspielen geantwortet. Das sei ein "ganz großes Puzzle", jedes Teil müsse in das andere passen. Talent, gute Trainer, die Familie, auch Zeit und Vereinbarkeit mit dem Beruf gehörten dazu.

Als 13-Jährige feierte sie ihren ersten großen Rennerfolg. Eine Jacke des deutschen Skiverbands erhielt sie dafür. Das Schönste an dem Sieg aber sei das Gefühl gewesen, nun wirklich Teil des Teams zu sein. Die Dinge haben sich längst gewandelt. Mittlerweile ist Geisenberger das weibliche Gesicht der Sportart.

Alle Olympiasieger von Pyeongchang FOTO: dpa, hpl jbu

Das ewige Duell mit Tatjana Hüfner, die in Vancouver 2010 triumphierte, entwickelte sich zuweilen zum Zickenkrieg. Der ist spätestens seit gestern beendet: Hüfner hat ihren Rücktritt verkündet. Aber wie erwähnt, Natalie Geisenberger kann auch ganz anders.

"Sie ordnet dem Rodeln alles unter"

Fragt man im beruflichen Umfeld der Bayerin nach, erklingen Loblieder. "Kein bisschen abgehoben", sagt Dieter Schwan (Bundespolizei Bexbach). "Unkompliziert und zielstrebig", sagt Torsten Neuwirth. Der Pressesprecher der Bundespolizeisportschule Bad Endorf kennt Geisenberger gut. Hier wurde sie zur Polizeiobermeisterin ausgebildet. "Sie ordnet dem Rodeln alles unter", sagt Neuwirth.

Wie Ludwig oder Peiffer lebt sie von der Spitzensportförderung durch die Bundespolizei. Sponsoren sind zudem zwingend nötig. Viele Athleten trainieren täglich und planen parallel die Karriere danach. Termine wie das DFB-Pokalfinale 2016, als Geisenberger den Pott aufs Feld trug, seien wichtig. "Zum Großteil lebe ich von meiner Bekanntheit", sagte sie dem Portal "Sportbuzzer".

Wintersport sei längst ein Ganzjahressport, erklärt Neuwirth. In der Sportschule weiß man das: "Meister und Olympiasieger werden im Sommer gemacht."

Quelle: RP
 
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