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Tennis-Boom durch Kerber?
"Vielleicht hat Angie einen schlafenden Riesen geweckt"

Fotos: Kerber in Polen begeistert empfangen
Fotos: Kerber in Polen begeistert empfangen FOTO: dpa, ukit bjw
Frankfurt/Main. 48 Stunden nach ihrem Coup bei den Australian Open in Melbourne landete Angelique Kerber am Montagmorgen in Deutschland. Spätestens am Mittwoch wird sie beim Fed-Cup-Team in Leipzig erwartet.

Als die Blondine von rund einem Dutzend Reportern in Empfang genommen wurde, erkannte sogar das ältere Ehepaar aus dem Ruhrgebiet die neue deutsche Tennis-Königin. "Dat is die Kerber, die Angelique", raunte eine Frau ihrem Mann in der Ankunftshalle des Frankfurter Flughafens zu. Die Kunde von Kerbers Triumph Down Under hat Deutschland also erreicht - die Maschine der Thai Airways, die um 5.48 Uhr am Montag landete, könnte tatsächlich die Hoffnung auf einen neuen Tennis-Boom an Bord gehabt haben.

Auch Kerber selbst, die den zurückliegenden Party-Marathon gut verkraftet hat ("Ich habe 25 Stunden im Flieger geschlafen"), ist sich dessen bewusst. "Ich freue mich, dass Tennis in Deutschland wieder lebt", sagte die Australian-Open-Siegerin, die trotz des Rummels der vergangenen Tage auch im Terminal 1B alle Fragen mit einem Lächeln auf den Lippen beantwortete: "Ich freue mich, dass ein Kerber-Boom entstanden ist, und dass die Schlagzeile, von der ich immer geträumt habe - 'Kerber gewinnt ein Grand-Slam-Turnier' - geschrieben worden ist."

Kerber feiert im schicken Kleid und mit Champagner FOTO: afp, fk

Die nächsten fetten Schlagzeilen sollen sogar schon am kommenden Wochenende geschrieben werden, denn Kerber gönnt sich nur eine kurze Atempause. Im polnischen Puszczykowo, wo sie in der Nähe ihrer Großeltern wohnt, will die 28-Jährige lediglich ein paar Stunden mit ihrer Familie genießen.

Dann geht es für die neue Nummer zwei der Weltrangliste ("Das fühlt sich sehr gut an, es ist nur noch eine Spielerin vor mir") am Dienstagabend oder am Mittwochmorgen nach Leipzig - dort warten schon die Kolleginnen des Fed-Cup-Teams, mit denen Kerber die Schweiz schlagen möchte.

"Ich freue mich auf die Mädels. Und ich freue mich, dass ich gleich wieder auf deutschem Boden spielen darf", sagte Kerber, die auch am Montag noch über den "Heiratsantrag" via Twitter von Andrea Petkovic schmunzeln konnte: "Ja, die Petko ... was soll ich sagen? Ich kenne Andrea sehr gut, und ich weiß, dass sie komplett mit mir mitgefiebert und mir die Daumen gedrückt hat."

Fotos: Kerber wird am Frankfurter Flughafen empfangen FOTO: dpa, fve kno

Petkovic ("Ihr Titel ist eine Inspiration, noch härter zu arbeiten") hat die Hoffnung auf den "Bund fürs Leben" jedenfalls noch nicht aufgegeben. "Sie hat im Sportstudio quasi Ja gesagt - und ich nehme das an", sagte die Darmstädterin mit einem Augenzwinkern: "Da kommt sie jetzt nicht mehr raus."

Bei allem Flachs weiß Teamchefin Barbara Rittner allerdings noch gar nicht, ob sie ihren neuen Star überhaupt einsetzen kann. "Ich muss genau beobachten und meine Antennen ausfahren, wie es Angie geht. Sie will spielen und dem Team helfen, aber wir müssen sie körperlich hinbekommen", sagte Rittner.

Helfen wird der Kerber-Triumph dem deutschen Tennis auf jeden Fall - da ist sich Rittner sicher: "Was das mit Tennis-Deutschland macht, bleibt abzuwarten, aber Tennis wird wahrgenommen, Tennis lebt. Vielleicht hat Angie Kerber einen schlafenden Riesen geweckt."

Bei Kerber selbst wurde ganz offensichtlich die Gier nach weiteren Erfolgen geweckt - dabei hat sie bereits den Sommer im Visier. "Olympia ist ein Kindheitstraum von mir. Ich war noch nie in Rio", sagte die Linkshänderin dem SID: "Und vielleicht kann ich sogar die ein oder andere Medaille mit nach Hause bringen."

(sid)
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