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"Big Air"-Weltcup
Steil bergab auf dem Weg nach oben

So entsteht die Rampe für das Arag Big Air Festival
So entsteht die Rampe für das Arag Big Air Festival FOTO: Theo Titz
Mailand/Mönchengladbach. Am 2. und 3. Dezember steigt der "Big Air"-Weltcup in Gladbach mit den Trendsportarten Freestyle-Snowboard und -Ski. Von Jan Schnettler

Eigentlich, sagt Lisa Zimmermann, sei sie ein Sommermensch, der Sonne, Surfen und Strände liebt. "Manchmal frage ich mich, warum ich überhaupt Wintersport mache." Auch habe sie vorher kaum trainieren können. Im Stubaital sei das Wetter zu schlecht gewesen, da sei sie eben spontan in die Lombardei gefahren. Und da steht nun die 20-Jährige im Kunstschnee von Mailand und lächelt in die Kameras - hat sie doch soeben ihren vierten Weltcup gewonnen. 11.250 Schweizer Franken bekommt Zimmermann für ihren Tagessieg - das ist in etwa so viel, wie es für einen Etappensieg bei der Tour de France gibt, und auch das erst seit 2016.

Im "Big Air", Freestyle-Skifahren, ist die gebürtige Nürnbergerin eine große Nummer - und eine solche soll auch die ganze Disziplin werden. Der Ski-Weltverband FIS hat die dreiteilige "Super Series" aufgelegt, um der Jugend die Vorzüge des Wintersports näherzubringen. Dafür holt er die Trendsportarten Freestyle-Ski und -Snowboard ganz bewusst aus den Wintersportgebieten in die Städte. In der Vergangenheit zeigten die Cracks ihre abenteuerlichen Volten mit hoher Sturzgefahr wie den Double Cork 1260 - eine doppelte Überkopf-Drehung mit dreieinhalbfacher Schraube - bereits im Fenway Park, dem Baseball-Stadion der Boston Red Sox. Sogar Istanbul wurde auf diese Weise vorübergehend zur Wintersportmetropole. Nun also Mailand. Im Februar dann im kanadischen Quebec. Und dazwischen, am Wochenende 2. und 3. Dezember, Mönchengladbach.

Eine fast 50 Meter hohe und 130 Meter lange Rampe wurde dort ins Hockeystadion Sparkassenpark gebaut, die Skihalle Neuss liefert den Schnee, und mit einem üppigen Rahmenprogramm wollen die Veranstalter dafür sorgen, dass das auf mindestens fünf Austragungsjahre angelegte Spektakel sich im FIS-Rennkalender noch nachdrücklicher etabliert als Langlauf in Düsseldorf oder Biathlon auf Schalke. Die Sportfreunde Stiller und die Beginner sorgen mit Konzerten für abendliche Unterhaltung, und auch darüber hinaus wird so einiges geboten. Die Snowboarder kämpfen in Gladbach immerhin sogar um Qualifikationspunkte für Olympia 2018.

Bei Olympia war Zimmermann bereits. Doch konnte sie ihrer Favoritenrolle im Slopestyle 2014 in Sotschi nicht gerecht werden, verpasste deutlich eine Medaille, um wenig später immerhin Weltmeisterin zu werden. Beim Slopestyle gilt es, einen Hindernisparcours zu absolvieren, während die Athleten beim Big Air eine Rampe hinunterstürzen (teils rückwärts), um dann von einem so genannten "Kicker" hoch und weit in die Luft geschossen zu werden, wo sie ihre Tricksprünge zeigen.

Die Rampe in Mönchengladbach kennen die Sportler nicht, können sie aber auch nicht, denn jeder Kicker ist individuell gestaltet. Ganz bewusst. Denn Individualität ist das vielleicht wichtigste Markenzeichen von Big Air, mit dem nicht zuletzt der Deutsche Skiverband große Hoffnungen verbindet: cooler werden, jünger werden und einen Hauch von Sonne, Surfen und Strand in den Winter hinüberholen.

Quelle: RP
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