| 16.33 Uhr

Düsseldorf
Deutsche Arbeitskosten über EU-Schnitt

Düsseldorf. Laut einer Böckler-Studie hat sich die Arbeit 2015 um 2,7 Prozent verteuert.

Deutsche Unternehmen haben im vergangenen Jahr deutlich mehr für den Einsatz ihrer Beschäftigten zahlen müssen. Das geht aus einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Die Arbeitskosten in der Privatwirtschaft stiegen um 2,7 Prozent auf durchschnittlich 32,70 Euro pro Stunde. Damit lag Deutschland wie im Vorjahr auf Platz acht im EU-Vergleich.

Die Arbeitskosten enthalten neben den Löhnen auch die gesetzlich, tariflich oder arbeitsvertraglich festgelegten Lohnnebenkosten oder Zusatzkosten wie Sozialversicherungsaufwendungen des Arbeitgebers, vermögenswirksame Leistungen, Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder Fahrtkostenzuschüsse.

Deutschland liegt 3,20 Euro über dem Schnitt im Euroraum und 7,10 Euro über dem Schnitt aller EU-Länder. Mehr mussten Unternehmen nur in den skandinavischen Ländern bezahlen, angeführt von Dänemark mit 43 Euro, sowie in den Beneluxländern und Frankreich. Schlusslicht im europaweiten Vergleich ist Bulgarien mit Arbeitskosten von 4,10 Euro pro Stunde.

Eine direkte Auswirkung des Mindestlohns auf die Arbeitskosten ist laut Böckler-Stiftung nicht identifizierbar. Allerdings seien die Lohnsteigerungen im Gastgewerbe und Handel, in Ostdeutschland sowie bei Frauen und Teilzeitbeschäftigten sehr kräftig ausgefallen.

Nach Angaben der Studie-Autoren vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) sind die Arbeitskosten seit Beginn der Europäischen Währungsunion deutlich schwächer gestiegen als in allen anderen Ländern der Eurozone. Und so sehen die Wissenschaftler trotz deutlicher Tarifsteigerungen in den vergangenen Jahren bei den deutschen Löhnen noch viel Luft nach oben.

Gustav Horn, Direktor des IMK, verwies auf weltwirtschaftliche Unsicherheiten, etwa infolge des angekündigten Austritts Großbritanniens aus der EU. "Wenn man durch diese Gefahren unbeschadet durchkommen will, braucht man eine kräftige Binnennachfrage." In Deutschland müssten die Löhne noch über mehrere Jahre stärker steigen als im Durchschnitt des Euroraums.

(maxi)
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